René Hochuli

Er gab Kleinbauern eine Stimme

Auf dem Hof:  René Hochuli 1983 mit Dojan, dem Hund von Tochter Susanne.

Er gab Kleinbauern eine Stimme

Auf dem Hof: René Hochuli 1983 mit Dojan, dem Hund von Tochter Susanne.

René Hochuli aus Reitnau war in den Achtzigerjahren eine national bekannte wichtige bäuerliche Stimme. Aus Anlass seines 20. Todestages blicken wir auf sein Wirken zurück.

Mathias Küng

René Hochuli, Gründerpräsident der Vereinigung der kleinen und mittleren Bauern (VKMB), war eine Kämpfernatur. Auch seine Krebserkrankung wollte er mit aller Kraft besiegen. Doch der Krebs war stärker. Am 3. April 1989 starb Hochuli, der Mann, der den Kleinbauern eine Stimme gegeben hatte. Gleich an zwei Anlässen (vgl. Kästchen) wird zu seinem 20. Todestag sein Wirken gewürdigt.

Der 1936 geborene Hochuli übernahm 1968 zusammen mit seiner Frau Frieda das elterliche bäuerliche Heimwesen, auf dem er aufgewachsen war. Er engagierte sich bald auch als Natur- und Vogelschützer und bekämpfte erfolgreich den Bau einer Bahnlinie von Schöftland nach Sursee, die das Suhrental mitten entzweigeschnitten hätte.

TV-Film als Initialzündung

Als Bauernpolitiker wehrte er sich gegen Tierfabriken. In einem von Balz Hosang 1977 über ihn gedrehten Film sagte er, er wisse von vielen, die ähnlich denken wie er. Darauf bekam er in der Erinnerung seiner Tochter Susanne Hochuli - heute neu gewählte Regierungsrätin im Kanton Aargau - sehr viel zustimmende Post. Das gab ihm den Mut, 1980 die VKMB zu gründen. Als deren Gründerpräsident bekam er in den Medien bald den Übernamen «Kleinbauerngeneral». Sein grösster Kampf auf nationaler Ebene galt der Lancierung der Kleinbauern-Initiative, die 1983 eingereicht werden konnte. Sechs Jahre später, am 4. Juni 1989, kam es nach einem hochemotionalen Abstimmungskampf zur Volksabstimmung. Die Initiative erreichte 49 Prozent Ja, verpasste das Volksmehr hauchdünn. Acht Kantone stimmten zu. Die grösste Zustimmung gab es in städtisch geprägten Kantonen (66 Prozent Ja in Basel-Stadt), eher ländliche Kantone lehnten ab (gar 80 Prozent Nein in Appenzell-Innerrhoden).

Zu Lebzeiten konnte Hochuli Erfolge verbuchen, etwa die von der VKMB geforderte Einführung der Tierhalterbeiträge durch den Bundesrat. 1992 wurde das (auch von der VKMB unterstützte) neue bäuerliche Bodenrecht vom Volk angenommen. Dafür unterlag die VKMB 1998 mit einer ersten Genschutz- und einer zweiten Kleinbauern-Initiative.
Als der bereits erwähnte Film mit dem Titel «I bi no Puur» gedreht wurde, war Susanne Hochuli 12 Jahre alt. Später, als 18-Jährige, begleitete sie ihren Vater an viele Podien und achtete darauf, dass sie fahren konnte. Denn ihr Vater hatte die Angewohnheit, beim Fahren laut zu memorieren, was er am Podium sagen wollte. Da konnte es vorkommen, dass er der Strasse zu wenig Beachtung schenkte. «Einmal endete die Fahrt tatsächlich in einem Feldweg, aufgebockt auf einem Randstein», erinnert sich Susanne Hochuli schmunzelnd.

An solchen Podien ging es heiss zu und her. Das war spannend für die junge Frau. Ihr Vati sei dabei mit seiner Art sehr gut hinübergekommen. Damals sei es wichtig gewesen, deutlich auf die Probleme aufmerksam zu machen, sagt sie bestimmt. Sie weiss, dass ihr charismatischer Vater stark polarisierte. Er erhielt massive Drohungen und auch einmal einen Kälberstrick zugeschickt, auf dass er sich damit erhänge. Er habe dies scherzhaft überspielt, sagt Susanne Hochuli. Sie ist aber fest überzeugt, dass es ihn zutiefst verletzt hat. Damals sei seine Art zu Politisieren aber genau richtig und nötig gewesen. Heute, da sich vieles verbessert habe, würde er andere Akzente setzen, ist Susanne Hochuli überzeugt.

«Lieb-Gott-Chäferli» nicht schaden

René Hochulis Credo lautete: Der Boden ist unsere Lebensgrundlage. Wenn wir dazu keine Sorge tragen, graben wir uns selbst das Wasser ab. Dementsprechend ressourcenschonend arbeitete er, noch bevor es Biobauern gab. Einmal, als er Futterrüben hätte spritzen müssen, unterliess er es, weil er den «Lieb-Gott-Chäferli» nicht schaden wollte. Seine Liebe zur Natur spürt Susanne Hochuli heute noch deutlich aus den Gedichten, die ihr Vater hinterlassen hat.

Damals, als sie mit ihm unterwegs war, ging ihr nie der Gedanke durch den Kopf, dass sie als eines von vier Geschwistern (wovon zwei Brüder) einst den Hof übernehmen würde. Sie machte eine Journalistenausbilung, arbeitete bei der «Berner Zeitung» und bekam gerade da ein sehr gutes Angebot des Schweizer Radios, als ihr Vater starb. Wer den Hof übernehmen sollte, war nicht geregelt. Man habe mit ihm nicht darüber reden können, er habe den nahenden Tod verdrängt.

Es war das einzige Mal, dass ein Entscheid Susanne Hochuli wirklich Kopfschmerzen bereitete. Journalismus oder der Hof? Sie entschied sich für Letzteres. Und wusste glücklicherweise nicht, was alles auf sie zukommen sollte. Anfangs ohne bäuerliche Ausbildung, stürzte sie sich voller Enthusiasmus und fast leichtsinnig, wie sie rückblickend sagt, in dieses Abenteuer. Mit einem mit ihrem Partner zusammen über die Jahre hart erarbeiteten Erfolg, wie wir heute wissen.

Für regionale Produktion kämpfen

Sie sei ihrem Vater sehr ähnlich, sinniert Susanne Hochuli. Sie habe den Hof in Reitnau markant verändert und ausgebaut, ihn aber nach denselben Grundgedanken bewirtschaftet wie ihr Vater. Dass sie heute noch für viele «die Tochter von Hochuli ist», hört sie nicht ungern. Doch das Tätigkeitsfeld der VKMB hat sich stark verändert, wie sich auch die Welt verändert hat. Einen grossen Unterschied zwischen grossen und kleinen Bauern könne man nicht mehr machen. «Heute gilt es für die verbliebenen Bauern, geschlossen für regionale Produktion zu kämpfen», sagt Susanne Hochuli. Und ist sicher, dass ihr Vater das genauso sehen würde.

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