Er fährt Seifenkiste im Bob-Design

Die ganze Familie ist im Seifenkisten-Fieber. (Bild: Irena Jurinak)

Seifenkiste

Die ganze Familie ist im Seifenkisten-Fieber. (Bild: Irena Jurinak)

Der Teufenthaler Adrian Hochstrasser fuhr mit seiner Seifenkiste aus Carbon auf den ersten Platz. 83 Pokale stehen bereits im Zimmer des neuen Schweizer Meisters.

Irena Jurinak

Die Siegerkiste steht vor dem Haus: Schwarz glänzt die Karosserie, die Reifen und die seitlichen Zierstreifen blitzen in aggressivem Rot. Zum windschnittigen Design liessen sich Adrian Hochstrasser aus Teufenthal und sein Vater von einem Bob inspirieren. Den ganzen Winter haben sie an der schnellen Kiste aus Carbon - das ist ein Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, der auch in der Luft- und Raumfahrt gebraucht wird - gebaut. Sie haben Modelle aus Sagex gebastelt, Testfahrten absolviert, das Design fortlaufend verbessert. «Mit einer Kiste aus Holz kann man nicht vorne mitfahren», sagt Vater Ruedi Hochstrasser.

Ende Juni fuhr der 15-jährige Adrian mit 27 Hundertstel Vorsprung auf den 1. Platz der offiziellen Schweizer Meisterschaft in Jenins, Graubünden und liess 61 Konkurrenten hinter sich. «Das ist für mich ein Höhepunkt», sagt Adrian und lacht, obwohl ihn der Sieg seine langen Haare gekostet hat. «Ich habe gesagt, wenn ich gewinne, gehe ich zum Coiffeur.» Seifenkisteler Heinz Lüscher aus Brugg freute sich so über den Aargauer Sieg, dass er ihn der AZ Sommerreporterin meldete. Der Zusammenhalt in der Seifenkistengemeinschaft ist gross. Hochstrassers betonen, dass der Sieg ohne Technische Partner sowie Sponsoren und Gönner nicht möglich gewesen wäre.

Adrians Stärke: Sein gutes Gedächtnis

Seit sechs Jahren nehmen die Söhne der Familie Hochstrasser an Seifenkistenrennen teil. Am Anfang mit einer gemieteten Seifekiste aus Holz. Weil Adrian und sein älterer Bruder Fabian, der mittlerweile zu alt für die Rennen ist, leidenschaftlich bei der Sache waren, kauften Hochstrassers eine eigene Seifenkiste.

Jedes Wochenende ist die Familie auf Tour, alle sind eingespannt. Mutter Rosmarie Hochstrasser kümmert sich um die Rennkleider, die Startnummern und die Verpflegung, Vater Ruedi hilft bei den technischen Vorbereitungen. Sommerferien liegen da nicht mehr drin. «Dafür hat unser Hobby die Familie zusammengeschweisst und wir besuchen Orte, die wir sonst nicht sehen würden», sagt Rosmarie Hochstrasser. Sogar über eine von der Gemeinde bewilligte Übungsstrecke oberhalb der Badi in Dürrenäsch verfügen Hochstrassers. «Die Leute kennen uns schon und haben Verständnis, wenn sie von meiner Frau, die den Verkehr regelt, umgeleitet werden», sagt Ruedi Hochstrasser und lacht. «Aber eigentlich trainieren wir nicht oft, sondern fahren bei möglichst vielen Rennen mit.» Rund 30 sind das pro Jahr. Um auf den rund einen Kilometer langen Strecken die Schikanen zu umfahren, braucht der Fahrer eine gute Technik. «Das ist schwierig. Man muss bremsen, aber nicht zu stark um den Schwung mitzunehmen, denn Beschleunigen kann man nicht. Und man muss wissen, an welcher Stelle man bremsen muss», erklärt Adrian.

Vor jedem Rennen läuft er die Strecke zu Fuss ab, vor dem Start geht er sie in Gedanken nochmals durch. «Er kann sich die Strecken sehr gut merken, darum ist er so gut», sagt Vater Ruedi. Im Schweizer Cup fehlen Adrian nur 2 Punkte auf den führenden Fahrer.

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