Susanne Hörth


Frau Müller, was bedeutet die Auszeichnung für Sie?

Yvonne Müller: Zuerst war ich erstaunt. Dies, weil ich gar nicht mitbekommen habe, dass es eine Abstimmung gibt. Ich staune auch, wie viele Leute kommen und mir gratulieren. Es zeigt mir, dass das Schupfart-Festival sehr bekannt und vor allem beliebt ist. Es ist für die Region wichtig. Die Menschen finden es einfach lässig.

Sie sind die Tochter von Hanspeter Müller. Er hat das Schupfart- Festival von der ersten Stunde an mitbegleitet und stand ihm lange als Präsident vor. Das Festival gehörte quasi zu Ihrer Kindheit.

Müller: Wir alle, die ganze Familie und Verwandtschaft, sind von Anfang an dabei gewesen. Mein Vater war immer das Zugpferd. Schon als Kindergärtner sind wir die Flaschen am Fest einsammeln gegangen, später durften wir Lösli verkaufen. Es war ein Privileg, wenn man endlich in die Klasse kam, ab welcher man beim Verkauf mithelfen durfte.

Das galt also für viele Schupfarter Kinder, nicht nur für Sie?

Müller: Genau. Viele, die so beim Mithelfen angefangen haben, sind bis heute dabeigeblieben.

So wie Sie?

Müller: Ja. Mit sechzehn bin ich ins OK gekommen.

Das ist sehr jung...

Müller: Ich weiss. Zuerst war ich für die Tombola zuständig, dann für die Wirtschaft mitverantwortlich. Beim 20. Festival sagte mein Vater, er wollel es letztmals als Präsident machen. Ich habe damals zwar noch nicht damit gerechnet. Für mich war aber immer klar gewesen, dass ich das Präsidium übernehmen würde.

Warum das?

Müller: Das hat auch meinen Vater überrascht. Ja, wirklich. Ich glaube nicht, dass jemand anders bereit gewesen wäre oder es heute ist, dieses Amt zu übernehmen. Für mich sind die drei Festival-Tage die wichtigsten im Jahr.

Nach wie vor ist Ihr Vater sehr aktiv beteiligt. Funktioniert es, dass der ehemalige «Festival-Chef» und die amtierende Präsidentin so eng zusammenarbeiten?

Müller: Es funktioniert. Ich habe aber auch gestaunt. Vor allem am Anfang. Ich war die Jüngste im OK. An der zweiten OK-Sitzung unter meiner Leitung ging es um etwas, worüber ich und mein Vater heftig diskutiert haben. Er sagte, so gehe das nicht. Ein älterer Kollege mischte sich ein und meinte, dass das OK viele Jahre lang das getan hätte, was mein Vater gesagt habe, jetzt aber sei ich die Präsidentin und ich hätte jetzt das Sagen.

Das war ein deutliches Zeichen.

Müller: Natürlich. Es war ein ganz wichtiger Moment für mich. Das OK hat mir damit sein Vertrauen ausgesprochen.

Und Ihr Vater?

Müller: Ich kann gut Hilfe annehmen. Ich bin sehr dankbar für seine Tipps und Vorschläge, die er aus seiner langjährigen Erfahrung einbringt. Entscheide fälle ich gerne demokratisch oder selber. Und das lässt mein Vater auch zu. Wir können wirklich gut miteinander umgehen.

Die Festival-Organisation ist
sehr zeit- und arbeitsintensiv. Wie machen Sie das?

Müller: Ich habe mich, damit ich die nötige Flexibilität und genügend Zeit für die Festivalorganisation habe, für die berufliche Selbstständigkeit entschieden.

Sie haben sich wegen des Festivals selbstständig gemacht?

Müller: Ja. Meine Physiotherapie-praxis ist erfreulicherweise sehr gut angelaufen. Dadurch fehlt mir jetzt zwar umso mehr die Zeit, aber die Flexibilität hilft doch sehr.

Um einen Drei-Tages-Event wie das Schupfart-Festival auf die Bühne zu stellen, ist Teamstärke gefragt. Wie viele helfen mit?

Müller: Mit unseren 100 aktiven Vereinsmitgliedern machen wir den Auf- und Abbau des Festivals mit dem Zelt und alles, was dazu- gehört, selbst. 2009 haben wir so 3250 Stunden gearbeitet. Dazu kommen noch 600 Stunden für die Plakatierung sowie für den Prospekt- und Ticketversand. Die administrativen Aufgaben sind dabei noch gar nicht mitgezählt.

Diese Stunden beziehen sich nur auf die Tage rund um die Durchführung des Festivals?

Müller: Richtig. Das OK ist das ganze Jahr mit dem Festival beschäftigt.

Wie gross ist dieses OK?

Müller: Es besteht aus fünfundzwanzig Personen. Im Kernteam, dem so genannten OK-Ausschuss, sind wir fünf. Wichtig dabei ist, dass wir die vielen Aufgaben auf die einzelnen Mitglieder verteilen können.

Am Fest selbst: Wie viele Helfer sind insgesamt im Einsatz?

Müller: 450 freiwillige Helfer.

Schupfart zählt rund 750 Einwohner. Sind die Helfer alle von hier?

Müller: Es sind viele aus dem Dorf, aber auch von auswärts. Helfer mobilisieren ihre Freunde, Bekannte und Verwandte. Viele bleiben nach ihrem ersten Einsatz beim Festival hängen.

Diese Helfertreue zeigt auch, es ist ein gutes Fest.

Müller: Das ist so. Die Leute kommen gerne, finden es cool, einmal ein solches Fest auch hinter der Kulisse erleben zu dürfen.