Cleveland
Entführer Ariel Castro wird von Nachbarn als «netter Kerl» beschrieben

Den Nachbarn ist Ariel Castro nicht negativ aufgefallen. Sie beschreiben ihn als «nice guy» (netter Kerl), als jemanden der gerne Motorrad fährt und Bass spielt. Er habe aber auch ein Talent, Geheimnisse zu bewahren, sagt sein Onkel über ihn.

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Ariel Castro (Mitte) und seine Brüder Onil (links) und Pedro sollen die Entführer von Cleveland sein.

Ariel Castro (Mitte) und seine Brüder Onil (links) und Pedro sollen die Entführer von Cleveland sein.

Keystone

Mindestens drei Mal ist die Polizei in den letzten Jahren beim Haus von Ariel Castro vorgefahren. Dies, weil Nachbarn Schläge an Türen und Schreie gehört haben, einmal sei sogar eine nackte Frau hinter dem Haus gesehen worden. Die Polizei bestätigt, dass sie 2004 bei dem Haus des mutmasslichen Entführers von Cleveland gewesen sei. Etwas Verdächtiges oder gar die drei entführten Frauen wurden aber nicht entdeckt.

Ariel Castro war der Polizei bekannt

Dabei soll der 52-Jährige der Polizei bekannt gewesen sein. 1993 soll er wegen häuslicher Gewalt und ordnungswidrigem Verhalten in Haft gewesen sein, schreibt die «Daily Mail». Hinzu kommen verschiedene Verkehrssünden zwischen 1995 und 2008. Und 2004 soll der ehemalige Schulbus-Fahrer ein Kind in seinem abgestellten Bus zurückgelassen haben. Bis im letzten November hat Castro als Schulbus-Fahrer gearbeitet. Entlassen wurde er, weil er mit Kindern im Bus eine verbotene Kehrtwende gemacht hat.

Kein Wunder ist der Ärger über die Polizei in der Nachbarschaft gross. Sie, die Nachbarn hätten getan, was sie haben tun können. «Die Polizei hat ihre Arbeit nicht gemacht», sagt Lupe Collins, die Ariel Castro kennt.

Jetzt sind Ariel Castro und seine Brüder Onil und Pedro in Haft. Die Polizei untersucht das Haus an der Seymour Avenue eingehend und die Nachbarn werden befragt. Gegenüber ABC News sagt Onkel Julio Castro, der ebenfalls in der Nachbarschaft lebt: «Niemand in der Nachbarschaft oder in der Familie konnte sich vorstellen, dass so etwas passieren könnte.» Es habe keine Hinweise gegeben, dass drei Frauen in dem bescheidenen, zweistöckigen Haus festgehalten werden. «Ich will die Brüder nie mehr sehen», so der Onkel.

Ariel Castro habe als Bassist in mehreren Bands gespielt. Dabei sei er auch in einem Club aufgetreten, der dem Onkel von Gina DeJesus, einem der Opfer, gehörte. Daher habe er auch die Familie seines Opfers, die ebenfalls in dem Hispanics-Viertel lebt, gekannt.

Ein weiterer Nachbar sagt aus, dass Ariel Castro häufig die Kinder aus der Strasse in seinem Wagen habe mitfahren lassen. «Die Eltern vertrauten ihm», sagt der Nachbar.

Castros Sohn, der ebenfals Ariel genannt wird, hat als Journalismus-Student 2004 gar einen Artikel über das Verschwinden von Gina DeJesus geschrieben. Castro-Junior hat dafür die Mutter von Gina DeJesus interviewt. «Ich bin wirklich fassungslos», sagt er jetzt.

Mit Castro grilliert

Auch der Cleveland-Held Charles Ramsey, der Amanda Berry befreite und so auch die beiden anderen Opfer rettete, hat mit Ariel Castro grilliert. Es habe nichts aufregendes zu sehen gegeben, wenn Castro im Garten gewesen sei, so Ramsey. Castro habe im Garten mit den Hunden gespielt oder an seinem Motorrad herumgeschraubt.

Das Haus des Grauens an 2207 Seymour Avenue in Cleveland.
5 Bilder
Hier wurden die drei Mädchen über Jahre festgehalten.
Jetzt untersucht die Polizei das Castro-Haus genau.
Spuren werden gesichert.
Diese drei Mädchen waren über Jahre in der Gewalt von Ariel Castro.

Das Haus des Grauens an 2207 Seymour Avenue in Cleveland.

Keystone

«Offensichtlich war er eine gespaltene Persönlichkeit», sagt Castros Onkel. Auch er selbst habe immer nur die eine Persönlichkeit kennen gelernt. Es war diejenige eines Menschen, der mit Kindern gut auskam, den Bus gefahren ist und Musiker war.

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