Fritz Thut

Auf ein Sonderprojekt solle deshalb verzichtet werden, beantragt der Stadtrat diesen Donnerstag dem kommunalen Parlament. Er sei der Meinung, dass die Energiepolitik der Stadt Lenzburg «umfassend und ganzheitlich zu gestalten ist», steht am Schluss des Berichts und – leicht süffisant – wird angehängt, dass diese Energiepolitik «nicht auf eine
Solaranlage auf einem Turnhallendach reduziert werden soll».

Die Quintessenz der Meinung des Stadtrates ist also klar. Der Postulant und seine Mitunterzeichner würden mehr als offene Türen einrennen, wenn sie verlangten, dass städtische Turnhallendächer mit Sonnenkollektoren für die Warmwassergewinnung ausgerüstet werden sollen.

Die Stossrichtung des Postulats wurde schon vorher aufgenommen durch das CVP-Postulat vom März 2008, das die Erlangung des Labels «Energiestadt» verlangt. Im letzten Herbst hat der Stadtrat in der Beantwortung der CVP-Eingabe den Fahrplan bis zum Label skizziert. Der Einwohnerrat hat den Bericht am 24. September 2009 gutgeheissen.

Nur 10 von 87 Massnahmen

Inzwischen hat sich die zur Beantwortung eingesetzte Kommission bereits zweimal getroffen, um operative Arbeiten im Hinblick auf die Erlangung des Labels anzugehen. Dabei gehe es darum, so schreibt der Stadtrat, den Massnahmenkatalog abzuarbeiten, der festlegt, welche Kriterien für die «Energiestadt» erfüllt werden müssen.

Die Forderungen im Boltshauser-Postulat würden «nur einen kleinen Teil der Massnahmen beinhalten», die in diesem Katalog enthalten sind. Der Stadtrat führt jene 10 (von total 87) Massnahmen detailliert auf, die deckungsgleich sind mit dem aktuellen Vorstoss. Dabei sind Massnahmen in den Bereichen «Kommunale Entwicklungsplanung», «Innovative Stadtentwicklung», «Energie- und Wassermanagement der kommunalen Gebäude» und «Interne Organisation» aufgelistet.

Angesichts der grossen Deckungsgleichheit der Anliegen kommt der Stadtrat zum Schluss, dass die Forderungen des Postulats Boltshauser «mit den Zielsetzungen zur Erlangung des Labels ‹Energiestadt› behandelt werden» können. Eine Energiesparmassnahme schlägt der Stadtrat gleich selbst vor: Ein separates Projekt für die Sonnenkollektoren «führt zu einer Verzettelung der Kräfte und Mittel und zu unkoordiniertem Vorgehen». Und dies sei natürlich zu vermeiden.