Christof Forster

Die Transplantationsteams in den Schweizer Spitälern haben viel zu tun. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind die Organspenden stark angestiegen. Aufs ganze Jahr hochgerechnet beträgt die Zunahme rund 28 Prozent. «Dies ist umso bemerkenswerter, als in anderen Ländern die Spenden eher rückläufig sind», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer. Swisstransplant koordiniert im Auftrag des Bundes die Verteilung der Spenderorgane.

Bislang waren die Spenderzahlen in der Schweiz tief. Im vergangenen Jahr brachte es die Schweiz auf gerade mal 13 Spender pro 1 Million Einwohner. Zum Vergleich: In Grossbritannien waren es 16 und in Italien 21. An der Spitze lag Spanien mit 34 Spendern. Dank der Zunahme kommt die Schweiz heuer auf 18Spender pro 1 Million Einwohner und liegt damit neu im Mittelfeld.

Spezielle Betreuung

Laut Franz Immer haben die bessere Zusammenarbeit unter den Spitälern und die deutlich steigende Zahl an Kliniken, die Organentnahmen überhaupt durchführen können, zur positiven Entwicklung beigetragen. Hinzu kommen menschliche Faktoren: Die Intensivmediziner, welche die Spender erkennen und betreuen sowie die schwierigen Gespräche mit den Angehörigen führen, spielen eine sehr wichtige Rolle. Mit einer speziellen Betreuung versucht Swisstransplant, dem besser gerecht zu werden.Letztes Jahr sind 67 Menschen auf der Warteliste für eine Organspende gestorben. Nun besteht Hoffnung, dass solche Todesfälle seltener werden. Die Spenderzahlen, in der Schweiz notorisch tiefer, steigen stark. Dies zeigen die Daten der ersten drei Monate des laufenden Jahres. Aufs ganze Jahr hochgerechnet, beträgt die Zunahme rund 28 Prozent. Dies verstärkt den Trend aus dem Jahr 2009, in dem die Spenden bereits um 14 Prozent stiegen.

Mit den neusten Zahlen schafft die Schweiz im internationalen Vergleich den Aufstieg vom unteren Drittel ins Mittelfeld. Bestätigt sich der Trend des ersten Quartals im Jahresverlauf, was aufgrund der fehlenden saisonalen Schwankungen bei den Organspenden wahrscheinlich ist, kommt die Schweiz neu auf 18 Spender pro Million Einwohner. Das liegt ungefähr im europäischen Schnitt.

Zürich hat aufgeholt

Auffällig ist, dass alle Regionen zur Steigerung beitragen. Selbst Zürich, das trotz grossem Einzugsgebiet von 2,5 Millionen Einwohnern jeweils auf mickrige Spenderzahlen kam, hat stark aufgeholt. Aus den Spitälern der Grossstadtregion kommen 7 der total 33 Spender im ersten Quartal.

Swisstransplant-Direktor Franz Immer führt die erfreuliche Entwicklung auf neue nationale und regionale Strukturen zurück. Damit verbesserte sich die Zusammenarbeit unter den Spitälern und mit Swisstransplant. Die Effekte begannen bereits 2009 zu greifen und schlagen nun voll durch. Auch menschliche Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Die Transplantationsmedizin sei traditionell sehr chirurgielastig, sagt Immer. Mit einer besseren Wertschätzung will Swisstransplant der wichtigen Rolle der Intensivmediziner gerecht werden, welche die Spender erkennen und betreuen und auch die belastenden Gespräche mit den Angehörigen führen. Schliesslich hat die Zahl der Spitäler, die überhaupt Organentnahmen durchführen können, deutlich zugenommen.

Lichtblick für Kinder

Mit zusätzlichen 30 bis 50 Spendern pro Jahr rechnet Immer, wenn die Spitäler nicht nur von hirntoten, sondern auch wieder von herztoten Menschen Organe entnehmen. Wegen rechtlicher Unklarheiten wurden diese Spenden vor drei Jahren gestoppt.

Hoffnung für Todkranke

Kleine Lichtblicke gibt es auch für Kinder. Weil es sehr schwierig ist, passende Organe zu finden, sterben viele Kinder auf der Warteliste. Swisstransplant hat eine europäische Kinderherz-Website aufgeschaltet, welche eine länderübergreifende Koordination ermöglicht. Dadurch konnte im vergangenen Jahr für drei Kinder ein Spenderherz gefunden werden. Swisstransplant will die Website auf weitere Organe ausbauen.

Wenig Chancen für Regimewechsel

Mit dem Trend nach oben, vorausgesetzt er kehrt nicht, sinken die Chancen für den umstrittenen Wechsel zur Widerspruchslösung bei der Organspende. Im Gegensatz zu heute gälte dabei die grundsätzliche Zustimmung. Wer nicht spenden will, müsste sich in ein Register eintragen lassen. Die CVP hat dazu einen Vorstoss eingereicht, welchen der Bundesrat bereits abschlägig beantwortet hat.