Solothurn
Eltern sind verunsichert

Letzte Woche hat ein Unbekannter im Hubelmattquartier einen Kindergärteler angesprochen und versucht, diesen in sein Auto zu locken. Weitere Vorfälle wurden der Stadtpolizei nicht gemeldet, dennoch nimmt sie den Hinweis ernst.

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Quartier

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Solothurner Zeitung

Regula Bättig

«Es geschah am helllichten Tag», so heisst ein Spielfilm aus den 50er-Jahren. Und genau wie im Film geschah es auch in Solothurn am helllichten Tag, dass ein Kind von einem unbekannten Mann angesprochen wurde: Er habe viele schöne Büsseli, lockte ein Unbekannter letzte Woche einen sechs-jährigen Kindergärtler im Hubelmattquartier. Ob er sich die nicht mal ansehen wolle. Doch anders als im Film, verneinte der Bub und rannte davon. Erst nach einer Weile, beim gemeinsamen Mittagessen, sei der Junge mit der Geschichte herausgerückt, erzählt die Mutter. «Klar erschrickt man in diesem Moment und macht sich Gedanken, was alles hätte passieren können.» Natürlich habe sie auch überlegt, ob die Geschichte wirklich stimme. Davon sei sie aber überzeugt: Ihr Sohn habe plötzlich Angst, nach dem Spielen bei einer Kollegin alleine heimzukommen. «Und das kam bisher nie vor.»

Bislang einzige Meldung

«Wir nehmen solche Meldungen ernst», sagt Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei. Seit dem Vorfall ist diese im Quartier präsent - auch in Zivil. «Ohne dass wir bisher auf einen Anhaltspunkt oder gar den Unbekannten selber gestossen sind», wie Fedeli sagt. Dass Gerüchten zufolge an der Steinbrugg-strasse noch ein anderer, etwas älterer Junge angesprochen worden ist, sei auch ihm zu Ohren gekommen. «Bei uns sind jedoch keine Hinweise auf weitere Vorfälle eingegangen.» Wobei derartige Meldungen hin und wieder bei der Stadtpolizei eingehen. Meist stelle sich jedoch heraus, dass die Vorfälle der kindlichen Fantasie entsprungen seien. Gerade wenn das Thema sehr präsent sei, könne sich eine gewisse Eigendynamik entwickeln.

Keine Panikmache, aber das Ganze ernst nehmen, so lautet daher auch das Credo der Schulleitung. Man wolle keine Hysterie-Welle lostreten, sagt Schuldirektor Rolf Steiner. Allen Schülern einen Brief abzugeben oder Elternabende zu veranstalten, darauf wurde ganz bewusst verzichtet. Nach Rücksprache mit der Stadtpolizei seien jedoch sämtliche Schulleiter über den Vorfall informiert worden - und auch die Lehrer wurden ins Bild gesetzt, damit diese gegebenenfalls reagieren könnten. Die Lehrerschaft des im Hubelmatt-Quartier angesiedelten Fegetz-Schulhauses wandte sich gestern mit einem Informationsschreiben an die Eltern.

Vorfall im Kindergarten besprochen

Natürlich habe sie mit den Kindern über den Vorfall geredet, sagt Verena Minder, Kindergärtnerin des betroffenen Jungen. Gemeinsam mit den Kindern habe sie besprochen, wie diese reagieren sollen, wenn ein Fremder sie anspreche. «Aber das macht man auch sonst.» Zu viel über das Thema zu sprechen, das sei allerdings nicht angebracht: «So verunsichert man die Kinder nur.»

Verunsichert sind derzeit auch die Eltern im Quartier. «Momentan bringen viele ihre Kinder her und holen sie nach dem Unterricht auch wieder ab», erklärt die Kindergärtnerin. Zu ihnen gehört auch die Mutter des betroffenen Jungen: «Es ist aber nicht so, dass ich meine beiden Kinder nun nicht mehr draussen spielen lasse.» Denn das finde sie wenig sinnvoll, «man kann Kinder schliesslich nicht von allem abschirmen». Und es dürfe auch nicht so weit kommen, dass jedes Auto, bei den Kindern Ängste auslöse. Dennoch sei sie froh, dass die Polizei derzeit sehr offensichtlich im Quartier präsent sei.