Elektrofahrzeuge
Elektrofahrzeuge: Der Boom lässt auf sich warten

Die Elektrifizierung des Strassenverkehrs wird in den nächsten 10 Jahren nur langsam vorschreiten, hat das Bundesamt für Energie berechnet. Heute sind gerade mal 500 batteriebetriebene Autos und etwas mehr als 30000 Elektrovelos in der Schweiz unterwegs.

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Felix Straumann

Es ist nicht das erste Mal, dass alle von Elektromobilität sprechen. Doch diesmal könnte sie sich tatsächlich durchsetzen, glauben viele. Das zeigt auch der geglückte Börsenstart des amerikanischen Elektroautobauers Tesla von vergangener Woche.

In diese Richtung deuten auch die Ankündigungen verschiedener grosser Hersteller, ab 2010 Elektrofahrzeugmodelle auf den Markt zu bringen. Grund für diese Entwicklung sind letztlich die Wirtschaftskrise und der Klimawandel. Beide haben bewirkt, dass Autoproduzentenländer mit Fördermassnahmen reagiert haben, die auch im Bereich Elektromobilität wirksam sind.

Bundesamt für Energie dämpft Erwartungen

Doch wie nachhaltig ist diese Entwicklung? Das Bundesamt für Energie (BFE) hat unlängst eine Standortbestimmung vorgenommen – und dämpft übertriebene Erwartungen. Heute sind gerade mal 500 batteriebetriebene Autos und etwas mehr als 30000 Elektrovelos in der Schweiz unterwegs. Hinzu kommen 11000 Hybridautos, die Verbrennungs- und Elektromotor kombinieren.

Die Zahlen sind bescheiden im Vergleich zu den rund 5,5 Millionen registrierten Motorfahrzeugen, die sonst noch auf hiesigen Strassen herumfahren. Kein Wunder, denn batteriebetriebene Autos und Plug-in-Hybride, die am Stromnetz aufgeladen werden können, müssen erst noch auf den Markt kommen. Doch auch bis in 10 Jahren wird der überwiegende Teil der Fahrzeuge auf den Strassen mit fossiler Energie fahren, zwischen 83 und 88 Prozent, glaubt das BFE aufgrund seiner Berechnungen.

Schwachstellen bei den Batterien

Der Anteil der Vollhybride, die auch ausschliesslich elektrisch fahren können, wird bei rund 10 Prozent liegen. Eigentliche Elektrofahrzeuge werden aber selbst im besten Fall deutlich seltener auf den Strassen anzutreffen sein: 4,7 Prozent Plug-in-Hybride (210000 Fahrzeuge) und 1,9 Prozent batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (85000) erwartet das BFE. Sie würden 1,2 bis 2 Prozent der aktuellen CO-Gesamtemissionen der Schweiz einsparen. Darin einberechnet sind die Emissionen, die bei der Herstellung des Stroms in ausländischen Kohlekraftwerken entsteht.

Dieses aus der Sicht der Elektromobilität beste Szenarium setzt allerdings einen Technologieanspruch mit massiv günstigeren Batteriekosten ab dem Jahr 2015 voraus. Ohne einen solchen dürfte der Anteil an Elektrofahrzeugen nur halb so gross sein. Der Grund: Die Batterien sind nach wie vor der Schwachpunkt. Sie sind sehr teuer, haben eine zu kurze Lebensdauer und sind schwer. Elektroautos haben dadurch geringe Reichweiten und lange Ladezeiten. Zudem kosten sie viel – was nicht durch die im Vergleich zu Benzin und Diesel günstigen Stromkosten kompensiert wird.

Zusätzlich stehen sie in Konkurrenz zu parallelen Entwicklungen anderer Technologien, wie effizienteren Verbrennungsmotoren, Erdgas-Fahrzeugen, Biotreibstoffen oder Wasserstoff-Fahrzeugen. Doch beim BFE gibt man sich optimistisch: «Generell wird erwartet, dass sich bei der Batterietechnologie, verstärkt durch die finanziellen Mittel der Konjunkturförderprogramme der grossen Automobilherstellernationen, rasch Erfolge erzielen lassen.»

Es fehtl an Stromtankstellen

Neben den Schwächen bei den Batterien sind die ungenügende Ladeinfrastruktur für Schnellladungen sowie fehlende Lademöglichkeiten auf öffentlichem Grund weitere Hindernisse. Zwar lassen sich Stromtankstellen kostengünstig aufstellen, doch aufgrund der noch geringen Reichweiten der Elektromobile ist dichteres Netz notwendig als für andere neue Energieträger wie Erdgas oder Wasserstoff.

Thomas Volken, stellvertretender Sektionschef Energiepolitik beim BFE, empfindet den erwarteten Anteil von Elektromobilen als «nicht gering». «Erneuert werden pro Jahr etwas weniger als 300000 Personenwagen», sagt er. Zunächst sei die Kundschaft wegen der limitierten Reichweite der Elektromobile beschränkt auf Haushalte mit mehr als einem Auto und auf Personen, die Innovationen gegenüber aufgeschlossen sind.

Neue Antriebssysteme abhängig von Benzinsteuer

Wie schnell sich Elektroautos tatsächlich durchsetzen werden, hängt laut BFE massgebend vom Benzinpreis, vom Benzinverbrauch konventioneller Antriebe und vom Strompreis ab. So führt beispielsweise eine 10-prozentige Erhöhung des Benzinpreises einen zusätzlichen Anstieg des Elektromobilanteils in einem Business-as-usual-Szenarium um 50 Prozent bis 2020. Dass der Bundesrat kürzlich beschlossen hat, die Benzinsteuer zu senken, wird demnach ein Umsteigen auf neue Antriebssysteme bremsen.

Offen ist, wie sich das Umsteigen auf emissionsarme Elektromobile zusätzlich steigern lässt. «Die Diskussion um mögliche Förderinstrumente steht erst bevor», sagt Volken. Elektrisch angetriebene Fahrzeuge würden heute bereits gefördert über Reduktionen bei der Motorfahrzeugsteuer oder über den Erlass der Importsteuer. Ebenfalls bezahlten Elektroautos keine Mineralölsteuer.

Wer produziert den nötigen Strom

Bei Umweltorganisationen macht man sich vor allem Sorgen um den zusätzlichen Strombedarf durch einen Elektromobil-Boom. «Der WWF ist der Meinung, dass pro Immatrikulation eines Elektrofahrzeuges auch 10 Quadratmeter Photovoltaik neu installiert werden sollten», sagt Ulrike Saul von WWF-Schweiz. Damit wür-
de ungefähr die Strommenge erzeugt werden, die ein Elektroauto in einem Jahr durchschnittlich verbrauche.

Tatsächlich wird der Strombedarf bis 2020 bei der optimistischen Annahme vorerst mässig um rund 500 Gigawattstunden steigen. Dies entspricht grob 5 Prozent der Jahresproduktion des Atomkraftwerks Leibstadt, dem mit 1200 Megawatt Leistung grössten AKW der Schweiz. Oder 13 Prozent der Produktion eines 500-Megawatt-Gaskombi-Kraftwerks. Mit erneuerbarer Windkraft wären laut Berechnungen des BFE etwa 130 neue Grossturbinen mit 2 Megawatt Leistung nötig.

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