Eisheilige tragen wollene Socken

Das berührende Filmportrait von Thomas Horat über Eisheilige macht seine Tour durch die Schweizer Open-Air-Kinos. Im Open-Air-Kino beim Schloss Hallwyl waren vier Wetterschmöcker anwesend.

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Eisheilige tragen wollene Socken

Eisheilige tragen wollene Socken

Margrit Rüetschi

«Fräulein Smillas Gespür für Schnee» heisst ein spannendes Buch, das nur indirekt mit dem «Schmecken» des Wetters zu tun hat.

«Richtige» Wetterschmöcker sind die sieben Muotathaler Wetterpropheten, deren berührendes Filmporträt von Thomas Horat gegenwärtig in den Open-Air-Kinos zu sehen ist. Unter offenem Himmel gezeigt, sprechen die archaischen Bilder aus der Innerschweiz die Besucher direkt an. So auch am Sonntag-abend vor der inspirierenden Kulisse des Schlosses Hallwyl.

Kein Tropfen, trockener Humor

«Er» hat Regen vorausgesagt, war, mit einem besorgten Blick zum verhangenen Himmel, aus der Mitte der Zuschauer zu hören. Damit wurde die mit modernsten Mitteln entstandene Wetterprognose für diesen Abend angesprochen.

Entgegen der medialen Voraussage trübte kein einziger Lufthauch, kein Regentropfen den spannenden Ablauf des Films. Erfreulicherweise hatte sich die Kühle der vorangegan-genen Abende merklich gemildert.

Mit vier von sieben Protagonisten und volkstümlicher Musik waren die Wetterschmöcker, neben den Filmemachern, persönlich vor dem Schloss Hallwyl anwesend. Die philosophischen Sätze und der trockene Humor der liebenswürdigen Originale liessen vor dem Film ahnen, dass es den Kinobesuchern an diesem Abend bestimmt nicht langweilig werden würde.

Von Menschen und Mäusen

Die Wetterpropheten sind allesamt in Berufen tätig, die man in den Städten kaum kennt. Sie sind Holzer und Landwirt, Sensenhändler und Zahnrasper, Taglöhner und Rinderhirt. Aufgrund von Naturbeobachtungen sagen sie das Wetter, jeder auf seine Weise, voraus.

Nur rudimentär aufgeschrieben, sind die Voraussagen in träfe Sätze gemeisselt. Einen späten Lanzig werde es geben, die Eisheiligen würden schafwollene Socken tragen, hiess es etwa.

Von Menschen und Mäusen, von Tannzapfen und Ameisen, von Pflanzen und Pilzen handeln die sehr persönlich gestalteten Porträts der sieben Wetterpropheten. Die vor atemberaubender Kulisse der Innerschweizer Bergwelt entstandenen Bilder ergeben, mit wunderschönen Bildern aus Flora und Fauna untermalt, ein homogenes Ganzes, das den Kinobesuchern eine total andere Welt eröffnet.

Ausgehend von den während eines Jahres entstandenen Aufzeichnungen geht es im Film um eine Hommage an das alte Land Schwyz mit seinen Bewohnern und deren Eigenheiten, allen voran um den unverfälschten Dialekt, der nicht allzu knapp mit deftigen Flüchen aufgemischt wird.

Der Film ist ein Brückenschlag zwischen Stadt und Land und zeigt auf, dass es neben der Hektik und der Coolness der modernen Menschen ein ruhiges, naturverbundenes Leben gibt. Hautnah wird mit der Kamera ein sinnlicher, aber auch kritischer Blick auf das Leben der Schweizer Bauern geworfen und der etwas verstaubten Thematik ein frisches, poetisches Bild entgegengesetzt.

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