Einzig der Sommer spielte nicht mit

Während einer Woche campieren Klimaaktivisten auf einer Wiese bei Bätterkinden. Höhepunkt sind zwei Protestaktionen – eine ausgefallener als die andere.

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Solothurner Zeitung

Julian Perrenoud

Da stand also das Kompost-Klo auf dem Bundesplatz. Teilnehmer des ersten Klimaworkshop Festivals auf der Rüti-Wiese bei Bätterkinden standen demonstrativ Schlange. Die erste von zwei Protestaktionen war ein Blickfang. Mit dem Veloanhänger haben die Umweltaktivisten ihre Toilette in die Hauptstadt gekarrt, um dort die Passanten zum grossen Geschäft aufzurufen. Die Aktion kritisierte die «voll daneben gegangene» Klimapolitik der Schweiz sowie das «dreckige Geschäft» mit ausländischer CO2-Kompensation. Gleichzeitig forderten die Aktivisten eine inländische CO2-Reduktion bis 2020 (40 Prozent) und bis 2050 (90 Prozent). Der absurden Kompensationslogik des Bundesrats und Parlaments folgend, werde der Dreck hier ausgestossen und dafür bezahlt, dass in der Dritten Welt genau diese Menge menschlicher Kot beseitigt werde. Später sammelten sich etwa 50 Festivalteilnehmer und 50 Besucher aus der lokalen Bevölkerung vor dem Standort des geplanten Gaskombikraftwerks in Utzenstorf. Mit selbst gemalten Transparenten demonstrierten sie den Widerstand gegenüber der Bauherrin BKW.

Die Organisatoren des Vereins «Netzwerkzeug» wollten mit dem ersten Klimafestival der Schweiz einen Geist der Veränderung verbreiten. Dies hätten sie geschafft, findet die Medienverantwortliche Rebekka Hubacher: «Die Resonanz war sehr positiv - jeder Teilnehmer konnte aus den Workshops jenes für sich mitnehmen, das ihm wichtig war.» Das einwöchige Festival bezeichnet Hubacher als» gelungenes Experiment». Die ausnahmslos ehrenamtlichen Beteiligten hätten allesamt ihre Aufgaben erfüllt.

«Das war unser Tiefpunkt»

Hautnah konnten die Aktivisten während einer Woche das Klima miterleben: War es in den ersten Tagen warm und sonnig, setzte gegen Ende der Woche starker Regen ein. Sturmböen fegten über die Rüti-Wiese. Ein grosses Workshop-Zelt hielt dem Druck nicht stand und krachte zusammen. «Das war unser Tiefpunkt», sagt Hubacher. Ansonsten hätte das Camp die Wetterkapriolen gemeistert. Die gute Laune der Organisatoren kehrte rasch zurück, als sie den Enthusiasmus der rund 50 Teilnehmer für die zwei Abschlussaktionen sahen. «Es haben wirklich alle mitgespielt - das war super.»

Strom auch bei Wind und Regen

Trotz des vielen Regens und der dichten Wolken: An Strom mangelte es dem Festival nicht. Die vier Akkubatterien, die sich mit Sonnenenergie aufluden, waren nie erschöpft. «Wir hätten locker zwei Konzerte mehr spielen können», sagt Hubacher. Auch warmes Wasser war in der Zeltstadt genügend vorhanden. Die Kollektoren fingen Wärme ein, auch wenn sich die Sonne nur selten durch die Wolkenfetzen durchzudrücken vermochte.

Die Organisatoren haben einstimmig beschlossen: 2010 gibt es erneut ein Klimafestival. Dieses soll zwar ebenso lange dauern, jedoch mit Schwerpunkt am Wochenende. Hubacher: «Wochenanfangs haben die Leute einfach zu wenig Zeit.»

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