Einstiger Ketzer Galileo Galilei erstmals mit Messe geehrt

Kupferstich von Galileo Galilei (Archiv)

Kupferstich von Galileo Galilei (Archiv)

Der Vatikan hat den einst als Ketzer verfolgten Physiker Galileo Galilei in Rom erstmals mit einer feierlichen Messe geehrt.

Vor zahlreichen Vertretern der Wissenschaftsorganisation "World Federation of Scientists" zelebrierte der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Gianfranco Ravasi, die Messfeier in der Basilika "Santa Maria degli Angeli", berichteten italienische Medien.

Es handelt sich dabei - rund vier Jahrhunderte nach Galileos bahnbrechenden astronomischen Entdeckungen - anlässlich seines 445. Geburtstages um die erste Heilige Messe ihm zu Ehren.

"Ich gedenke voller Bewunderung Galileo Galileis, eines göttlichen Mannes des Glaubens", hiess es in einer bei der Messe verlesenen Botschaft von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Galileo habe schon im 17. Jahrhundert "die wissenschaftlichen Wahrheiten" unterschieden von denen, die "für unser Heil notwendig sind", erklärte hingegen Zeremonienleiter Ravasi.

Die Entdeckungen Galileos hatten für den Wissenschaftler zu einem offenen Konflikt mit der Kirche geführt. Galileo stützte das kopernikanische Weltbild, also die Annahme, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

Diese Sicht der Welt war den damaligen Kirchenwächtern ein Dorn im Auge, da sie den biblischen Zeugnissen mit der Erde im Zentrum widersprachen. So wurde der toskanische Wissenschaftler 1633 gezwungen, seinen Theorien abzuschwören, um der Inquisition zu entgehen.

Erst im 20. Jahrhundert wurde mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine vorsichtige Rehabilitierung Galileos eingeleitet. Später hatte sich Papst Johannes Paul II. mit einer Prüfungskommission dafür eingesetzt, den Fall Galileo zu untersuchen. Die Untersuchung endete 1992 mit einem öffentlichen "mea culpa" des Papstes: Die Kirche hatte sich geirrt.

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