Stockholm
Einsteins Vorhersage bewiesen: Physik-Nobelpreis geht an Gravitationswellen-Entdecker

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht zu einer Hälfte an Rainer Weiss, zur andere Hälfte an Barry C. Barish und Kip S. Thorne. Die US-Forscher werden für ihre Beiträge zum Nachweis von Gravitationswellen geehrt.

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Physik-Nobelpreis Gravitationswellen
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Weiss erläutert seine Forschung im Februar 2016, als sein Forscherteam den Nachweis meldet.
Die Nobelpreisträger mit Barry Barish in der Mitte.
Albert Einstein hatte die Gravitationswellen erstmals beschrieben.
Der Nachweis gelang 100 Jahre danach.
Kip Thorne.

Physik-Nobelpreis Gravitationswellen

Andrew Harnik

Rainer Weiss und Kip Thorne haben das LIGO-Konsortium (für Laser Interferometer Gravitationswellen Observatorium) in den 1980er Jahren gegründet, Barry Barish hat sich insbesondere um die erfolgreiche Fortführung des Konsortiums verdient gemacht. Die drei haben damit wesentlich zum Nachweis der Gravitationswellen beigetragen, wie die schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte.

Albert Einstein hatte die wellenartigen Verkrümmungen der Raumzeit, vor rund hundert Jahren vorhergesagt. Ausgelöst werden diese Störungen der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit wellenförmig ausbreiten, durch beschleunigte Massen. Besonders grosse kosmische Ereignisse wie die Kollision von Schwarzen Löchern oder die Explosion von Sternen erzeugt Gravitationswellen, die auf der Erde nachweisbar sind.

Ein direkter Nachweis dieser Wellen gelang jedoch erst am 14. September 2015. Zu diesem Zeitpunkt trafen Gravitationswellen, die von zwei verschmelzenden Schwarzen Löchern in 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zur Erde ausgingen, auf den LIGO-Detektor und wurden von diesem als schwaches Signal aufgefangen.

Neue Ära der Astrophysik

Der Nachweis, der im Februar 2016 bekannt gegeben wurde und einiges Aufsehen erregte, sorgte für Furore und läutete eine neue Ära der Astrophysik ein: Forschende haben damit eine neue Möglichkeit, auf Ereignisse im Universum zu "lauschen" und ihm seine Geheimnisse zu entlocken. Zum LIGO-Konsortium gehören über 1000 Forschende aus 20 Ländern.

Der Nobelpreis für den sensationellen Nachweis sei nur eine Frage der Zeit gewesen, kommentiert Astrophysiker Philippe Jetzer von der Universität Zürich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die drei Preisträger hätten mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften wesentlich zum Gelingen des Unterfangens beigetragen, Weiss mehr als der Experimentator, Thorne eher als Theoretiker und Barish - neben seiner Forschungstätigkeit - als Organisator. Schade sei es trotzdem, dass der Nobelpreis nicht an Forschungskooperationen verliehen werde, so Jetzer.

Hier gibt es die Erklärung zu den Gravitationswellen:

Ein Kandidat bereits verstorben

Ursprünglich war neben Thorne und Weiss auch der Brite Ronald Drever ein heisser Kandidat für den Gravitationswellen-Nobelpreis, er verstarb jedoch im März 2017, sodass Barish nachrückte. Der 1940 geborene Thorne und der 1936 geborene Barish forschen am California Institute of Technology, der 1932 in Berlin geborene Weiss am Massachusetts Institute of Technology.

Im vergangenen Jahr hatten die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz den Physik-Nobelpreis für ihre theoretischen Arbeiten zum Zustand von Materie erhalten. Den Auftakt der Nobelpreiswoche machte am Montag der Nobelpreis für Medizin oder Physiologie für die drei US-Forscher Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young. Das Nobel-Komitee würdigte ihre Arbeiten zur "Inneren Uhr" von Organismen.

Die Auszeichnungen sind mit je neun Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Franken) dotiert. An Alfred Nobels Todestag, dem 10. Dezember, werden sie in Stockholm und Oslo verliehen.

Die Schweizer Nobelpreisträger für Physik

Mit dem Physik-Nobelpreis sind auch schon sechs Schweizer oder schweizerisch-ausländische Doppelbürger geehrt worden. Die letzte dieser Auszeichnungen liegt allerdings schon fast 30 Jahre zurück.

1987: Karl Alexander Müller für die Entdeckung der Supraleitung in keramischen Materialien

1986: Heinrich Rohrer für die Entwicklung des Raster-Tunnel-Mikroskops

1952: Felix Bloch (CH/USA) für die Entdeckung der Kerninduktion

1945: Wolfgang Pauli (A/CH/USA) für die Entdeckung des Ausschliessungsprinzips

1921: Albert Einstein (D/CH/USA) für die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Lichts

1920: Charles Edouard Guillaume für die Entdeckung der Anomalien bei Nickelstahllegierungen und Präzisionsmessungen in der Physik

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