«Einigen fehlt der Weitblick»

Vom 18. bis 20. Dezember findet der Langenthaler Weihnachtsmarkt statt. Die Stadtvereinigung will so Tausende Besucher in die Stadt locken. Einige Detaillisten in der Marktgasse finden aber: Das ist kontraproduktiv. Die Fronten sind verhärtet.

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Tobias Granwehr

Unter dem Namen «Stärne Wiehnacht» organisiert die Stadtvereinigung Langenthal (SVL) seit einigen Jahren im Dezember zwei offene Sonntage und einen Weihnachtsmarkt. Das Ziel ist simpel: Möglichst viele Leute in die Innenstadt locken - und so den Weihnachtsverkauf ankurbeln. In diesem Jahr ist der Weihnachtsmarkt - er findet vom 18. bis 20. Dezember statt - laut Organisationskomitee nochmals um etwa 30 Prozent gewachsen. Erstmals werden auch die Farbgasse und ein Teil des Dästerplatzes miteinbezogen. René Marti, OK-Mitglied und Inhaber der Boutique Métro, ist überzeugt: Ohne die Häuschen und die Weihnachtszelte mit den Ständen kämen massiv weniger Leute in die Innenstadt. «Das würden wir spüren. Der Event ist wichtig für den Detailhandel», sagt Marti.

Die Meinung des Organisationskomitees teilen allerdings längst nicht alle Detaillisten: Vor allem der Weihnachtsmarkt stösst einigen Ladenbesitzern in der Marktgasse sauer auf. Einer, der das Konzept der «Stärne Wiehnacht» kritisiert, ist Hans Marti, Inhaber von Marti Optik: «Der Weihnachtsmarkt ist für uns Detaillisten kontraproduktiv.» Es sei ein Abklatsch des Huttwiler Weihnachtsmarktes, sagt er. «Wir müssen aber nichts kopieren. Die vielen Häuschen in der Marktgasse konkurrenzieren uns zudem direkt.» Sie verbarrikadierten die Geschäfte. Dafür hat er kein Verständnis: «Wir sollten doch etwas für uns organisieren - nicht für auswärtige Verkäufer.» Wenn schon Häuschen aufgestellt würden, sollten diese wenigstens in der Mitte der Marktgasse und Rücken an Rücken stehen, damit die Geschäftseingänge frei seien, sagt Hans Marti. Doch er habe ohnehin Mühe mit diesen Markthäuschen.

«Keinen weihnachtlichen Charakter»

Volle Unterstützung erhält Hans Marti von Franz Bucher, Inhaber eines Kleidergeschäftes in der Marktgasse. Der Markt habe keinen weihnachtlichen Charakter, so Bucher. «Es herrscht die Meinung vor: Je mehr, desto besser. Dabei ist genau das Gegenteil richtig.» Die Stadtvereinigung fahre mit diesem Anlass Jahr für Jahr ein grosses Defizit ein - doch dieses stehe in keinem Verhältnis zum erhofften Mehrumsatz. Bucher ist überzeugt: «Dieser Event bringt uns Detaillisten nichts.» Schon der Fasnachtsmärit sei für ihn jeweils ein ganz schlechter Tag. Doch da dieser nur an einem Tag stattfinde, könne er ihn noch «schlucken».

Hans Marti und Franz Bucher wollen aber nicht bloss jammern, sondern auch handeln. Deshalb haben die beiden Ladenbesitzer gemeinsam ein Konzept für einen Weihnachtsanlass in der Innenstadt erarbeitet - und dem SVL-Vorstand unterbreitet. Im Detail wollen sie zurzeit nicht darauf eingehen, solange die SVL sich noch nicht damit beschäftigt hat. Aber im Kern geht es laut Hans Marti um folgendes: «Wir wollen die Kundschaft gezielter ansprechen, allerdings ohne einen riesigen Trubel.» Es solle schliesslich eine besinnliche Zeit sein und keine Chilbi. Er stelle sich einen lockeren Sonntag vor, an dem viele Begegnungen möglich seien, sagt er. «Ähnlich wie es an diesem ersten Sonntag vorgesehen ist.» Maximal 15 Häuschen sollten ihrer Meinung nach in der Marktgasse stehen - «mit wirklich Speziellem und nicht mit Sachen, die es sowieso an jedem Markt gibt», so Bucher. Auch die lokale Gastronomie müsse mehr profitieren können.

Beat Neukomm, Geschäftsführer des Düby Reformhauses, ist über den Weihnachtsmarkt ähnlich unglücklich wie die beiden Kollegen. «Weniger wäre oft mehr», sagt er zu den vielen Häuschen und Zelten in der Marktgasse. Es sei völlig unnötig, Huttwil nachzueifern. Neukomm stört sich vor allem auch daran, das dieses Jahr erstmals ein Teil des Dästerplatzes gesperrt wird. Somit fallen Parkplätze in Zentrumsnähe weg. Er sehe zwar den immensen Aufwand, den der SVL-Vorstand betreibe. Trotzdem fehlt Neukomm das Konzept hinter dem Weihnachtsmarkt. «Wir Detaillisten sollten wirklich nochmals zusammen sitzen und besprechen, wie der Weihnachtsverkauf in Zukunft aussehen wird.»

Profitieren, aber nichts geben

Dem stimmt Daniel Bader, Inhaber der Bader AG Büro Design und SVL-Präsident, voll und ganz zu. Das Thema werde hinsichtlich der nächsten Weihnachten im Januar wieder aufgegriffen. Trotzdem sitzt der Frust im OK der «Stärne Wiehnacht» tief: «Irgendwann werden die Leute fehlen, die bereit sind, etwas zu organisieren», sagt Roland Morgenthaler, Geschäftsführer der Straub Sport AG, nach der Kritik. Bader hat das Gefühl: «Das Geben und Nehmen ist nicht überall vorhanden.» Es habe zu viele Detaillisten, die nur profitieren wollten, aber nicht bereit seien etwas zu geben. Bader, der gerne vom «Einkaufszentrum Innenstadt Langenthal» spricht, geht sogar noch einen Schritt weiter: «Einigen Detaillisten fehlt ein gesamtheitlicher Weitblick.»