Nicole Emmenegger

Wo heute grünbraunes Wiesland steht, könnte dereinst ein grosses Projekt gedeihen: Der Gemeinderat von Kaisten möchte auf dem gemeindeeigenen Gebiet Hofacher eine Überbauung für sämtliche Generationen realisieren. Familien, junge Erwachsene und ältere Menschen sollen hier zusammen in einer neuen Überbauung leben (AZ berichtete am 1. Dezember 2009).

Ein Jass in aller Ruhe

Doch nicht bei allen Kaistern kommt diese Idee gut an. Insbesondere einige Senioren äussern Bedenken. Dies zeigte sich kürzlich bei einem öffentlichen Anlass zu diesem Thema im Pfarreiheim Kaisten, wie der katholische Gemeindeleiter Markus Grüter berichtet: «Der Gedanke, alle Generationen in einer Siedlung zu vereinen, entspricht einem Ideal – dem Ideal der Grossfamilie. Aber zugleich haben manche ältere Menschen keine Lust auf den Kinderlärm, den es in einer solchen Überbauung geben kann.»

Viele Senioren würden es schätzen, in aller Ruhe zu Mittag zu essen und anschliessend ungestört einen Jass zu klopfen oder ein Mittagsschläfchen zu halten, so Grüter. Kreischende und juchzende Kinder, die sich auf dem Spielplatz tummeln, passen kaum zu diesen Bedürfnissen. «Auch die Idee von einem gemeinsamen Mittagstisch für Senioren und Schulkinder, wie ihn der Gemeinderat für die geplante Überbauung vorgeschlagen hat, ist aus diesem Grund problematisch», sagt Markus Grüter.

Alterswohnungen erwünscht

Verzichten möchten die Kaister Senioren auf die geplanten Alterswohnungen im Gebiet Hofacher allerdings nicht– im Gegenteil, wie Markus Grüter sagt: «Aus dem Gespräch im Pfarreiheim hat sich ergeben, dass diese klein und bezahlbar sein sollten.» Zudem wünschten sich die Senioren einen zentral gelegenen Gemeinschaftsraum, wo man sich zum Essen oder zum Kaffee treffen könne.

Diskutiert wurde im Pfarreiheim auch die Idee, in Kaisten ein Altersheim zu bauen. «Ältere Menschen könnten so ihren Lebensabend im Dorf verbringen, in der Nähe ihrer Angehörigen und Freunde», sagt Gemeindeleiter Markus Grüter. Die Mehrheit der Anwesenden sei allerdings der Meinung gewesen, dass ein neues Altersheim zwischen den heutigen Standorten Frick und Laufenburg keine Chance hätte.

Zurzeit ist die Gemeinde Kaisten daran, mithilfe von Spezialisten eine geeignete Lösung für das Gebiet Hofacher auszuarbeiten. Wie die aktuellen Diskussionen zeigen, ist mehr als eine rein architektonische Lösung gefragt.