«Einige Restaurants werden schliessen»

Die Wirte können mit dem neuen Gesetz leben, aber sie wünschten sich, dass sie selbst entscheiden dürften und nicht der Staat. Josef Füglistaller von der Rôtisserie Kellerämterhof in Oberlunkhofen nimmt Stellung zum Rauchergesetz.

Merken
Drucken
Teilen
Rauchen im Freiamt

Rauchen im Freiamt

Aargauer Zeitung

Dino Nodari

Update

Der Bundesrat hat das vom Parlament beschlossene Passivraucherschutzgesetz überarbeitet. Der beschlossene Entwurf sieht vor, dass ab dem 1. Mai 2010 in geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind und oder mehreren Personen als Arbeitsplatz dienen, das Rauchen verboten ist. Für Restaurants gilt, dass sie eine Bewilligung für ein Raucherlokal einholen können, wenn die Gesamtfläche höchstens 80 Quadratmeter beträgt und eine Belüftung installiert wird. Arbeitnehmer dürfen nur in solchen Raucherlokalen arbeiten, wenn sie dem schriftlich zugestimmt haben. (dno)

Es sei kein schönes Abschiedsgenschenk, das sie von Bundesrat Pascal Couchepin erhalten hätten, erklärt Josef Füglistaller. Der «Kellerämterhof»-Wirt in Oberlunkhofen ist auch Vizepräsident von Gastro Aargau und beschäftigt sich seit einigen Tagen intensiv mit dem neuen Gesetz. Vor allem Quartierrestaurants und Bars würden am meisten unter dem neuen Gesetz leiden, erklärt er.

Warnung vor Investitionen

«Wir sind froh, dass es nun eine nationale Lösung gibt, weil die kantonalen Lösungen eine Ungerechtigkeit darstellen», erklärt Füglistaller. Allerdings seien die Wirte vom Tempo des Bundesrates überrascht worden. «Bei Gastro Aargau überlegen wir nun, wie wir unsere Mitglieder orientieren und was wir ihnen raten sollen.» Dabei werde es vor allem darum gehen, die Unternehmer vor Schnellschüssen zu warnen. «Wenn die Lungenliga gegen das neue Gesetz das Referendum ergreift, wäre es möglich, dass diese Investitionen vergebens getätigt wurden.»

Ohnehin sei eine gute Lüftung sehr teuer. «Einige Restaurants werden wohl ihre Tore schliessen müssen», meint Josef Füglistaller. Er findet es schade, dass sich der Staat einmischt und es nicht den Unternehmern überlässt, ob sie ein Raucherrestaurant führen wollen oder nicht.

Raucherraum im Spital

Im Kreisspital für das Freiamt haben die Raucherinnen und Raucher in der Cafeteria einen abgetrennten Raum zur Verfügung. Ausserdem sind bei den Eingängen Aschenbecher vorhanden. «Da können Ankommende ihre Zigarette ausdrücken.» Aber sie werden natürlich auch von Patientinnen und Patienten benutzt, die nicht im Raucherraum der Cafeteria rauchen wollen. «So- lange wir dürfen, lassen wir das so», sagt Spitaldirektor Marco Beng. «Wir haben keine schlauere Lösung.» Andere Spitäler hätten auch schon Fumoirs eingerichtet, eine Art Häuschen mit Rauchabzug. Aber das habe sich nicht wirklich bewährt. Einem totalen Rauchverbot auf dem ganzen Areal sieht Beng etwas skeptisch entgegen: «Raucher werden draussen trotzdem rauchen.» (es)

Nur wenige Anpassungen nötig

Auf Wunsch seiner Gäste, aber auch vorausschauend hat Josef Füglistaller im «Kellerämterhof» in den vergangenen Jahren Anpassungen vorgenommen. Zwei Speisesäle sind seit sechs Jahren rauchfrei. Im Restaurant darf im Moment noch geraucht werden. Beim Eingang hat Josef Füglistaller ein Fumoir eingerichtet. «Jetzt muss ich nur noch kleine Anpassungen machen», erklärt er. Dazu gehören eine Trennwand und ein Abzug; die Schiebetür zum Restaurant muss verlegt werden.

Obschon es viele Kunden gebe, die rauchten, werde das Thema Rauchen in Restaurants nur wenig diskutiert. «Die Kunden werden das Rauchverbot akzeptieren, aber die Wirte werden eine Umsatzeinbusse hinnehmen müssen», glaubt Josef Füglistaller. Er ist skeptisch, dass durch das Rauchverbot vermehrt Nichtraucher in die Restaurants gehen und so die Umsatzeinbusse von wegbleibenden Rauchern aufgefangen werden könnte.

Lesen Sie am Donnerstag in der Aargauer Zeitung: Die Reaktionen der Freiämter Wirte auf das Rauchverbot.