Loris Vernarelli

Basel-Stadt sieht sich im Kampf gegen Gewalt im Fussball offensichtlich gerne in der Vorreiterrolle. Als erster Kanton überhaupt hatte er vor Beginn der Saison 2008/2009 in Zusammenarbeit mit dem Fussballverband Nordwestschweiz (FVNWS) ein Bonus-Malus-Punktesystem eingeführt: An der Meisterschaft teilnehmende Vereine erhalten je nach Verhalten auf und neben dem Spielfeld mehr oder weniger Subventionen. Aber diese Massnahme allein scheint nicht zu reichen. Der Basler Sportminister Christoph Eymann und der FVNWS lancierten gestern mit «Zoffstopp» eine weitere neuartige Massnahme gegen Gewalt auf den regionalen Fussballplätzen.

«Das Bonus-Malus-System funktioniert und ist bereits etabliert. Doch dieses alleine vermag die anstehenden Probleme nicht zu lösen. ‹Zoffstopp› ist eine weitere Massnahme und als Ergänzung gedacht», erklärte Eymann. Der Ansatz sei in Zusammenhang mit dem Thema Gewalt im Fussball «unerwartet», denn er setze auf Prävention und nicht auf Repression. «Das Ziel ist, das Problem zu lösen, bevor es auf dem Rasen ausbricht», brachte es FVNWS-Präsident Roland Paolucci auf den Punkt.

«Zoffstopp» will allen helfen

Um dieses ehrgeizige Ziel umzusetzen, wurde «Zoffstopp» ins Leben gerufen. Die mit 45 000 Franken (vorerst für ein Jahr) staatlich finanzierte neutrale Anlaufstelle nimmt sich den Hilfesuchenden direkt an - egal, ob Fussballer, Schiedsrichter, Betreuer, Lehrer oder Eltern. Ansprechperson ist Bianca Jasmund, seit 2004 Ressortchefin Breitenfussball beim Fussballverband Nordwestschweiz. Ab dem 1. Oktober wird die 48-jährige Therwilerin in einer 50-Prozent-Anstellung in der neuen Funktion arbeiten. Die Ratsuchenden erreichen Jasmund entweder über die Website www.zoffstopp.bs oder über die Hotline 079 777 91 98.

Doch eben: Die Hauptaufgabe der Zoffstopperin wird sich nicht darauf beschränken, im Büro auf die Personen zu warten und sie mit Ratschlägen zu füttern. «Bianca Jasmund wird proaktiv die breite Unterstützung durch die Fachstellen nutzen», betonte Regierungsrat Eymann. So sollen die Verbände und Vereine auf die Dienste von «Zoffstopp» aufmerksam gemacht werden - mit der Hoffnung, dass die Anlaufstelle auch beansprucht wird. Denn: «Wir können niemanden zwingen, Bianca Jasmund um Hilfe zu bitten», sagte Roland Paolucci. Er stellte allerdings klar, dass es sich bei «Zoffstopp» um keine Sanktions- oder Gerichtsstelle handle. Wer anklopfe, werde nicht bestraft, sondern unterstützt.

Keine Konkurrenz zu Beratungsstellen

Obwohl es bei «Zoffstopp» in erster Linie um das Thema Gewalt geht, werden andere Erscheinungsformen und Gründe von «Zoff» - Rassismus, Drogen, Doping, Medien, Sexualität etc.- keinesfalls ausgeklammert. Dieses Vorgehen birgt natürlich die Gefahr, die Arbeit von bestehenden Jugendberatungsstellen zu beschneiden, etwa der Basler Freizeitaktion BFA oder der Mobilen Jugendarbeit. Eine Gefahr, die laut Eymann nicht existiert, weil «‹Zoffstopp› ein Scharnier zwischen den Ratsuchenden und den bestehenden Angeboten im Bereich der Jugendarbeit und -förderung ist». Man wolle vom Angebot und den Erfahrungen der Beratungsstellen profitieren und wenn möglich zusammenarbeiten.