Matthias Kessler

Eine «anspruchsvolle Gratwanderung» sei die Planung des Gebiets Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS), sagt Dietikons Stadtpräsident Otto Müller. Gelte es doch, verschiedene Interessen – städtebaulich, eigentümerseitig, wirtschaftlich – zu berücksichtigen. Fahre man beispielsweise auf Wunsch der Eigentümer die Ausnützung nach oben, könne dies Mehrverkehr generieren. Und Mehrverkehr sei der Attraktivität dieses bereits sehr stark belasteten Gebietes nicht zuträglich, was, wenn es schlimmstenfalls zum Kollaps komme, wiederum den Eigentümern schade.

Unter Einbezug dieser und weiterer Herausforderungen musste die Stadt in den letzten vier Monaten ihren Gestaltungsplan für das Gebiet SLS, den sie vor einem Jahr präsentiert hatte, überarbeiten. Der Kanton hatte Ende März erklärt, dass
er die Entwicklungsplanung grundsätzlich begrüsse, dass jedoch für eine Genehmigung Anpassungen notwendig seien.

Wohnen an der Heimstrasse

Konkret bemängelte der Kanton die Abstützung der Planung auf zwei Infrastrukturprojekte, deren Projektierung und Realisierung nicht in der Hand der Stadt liegen: der Bau der
S-Bahn-Station Silbern und die kreuzungsfreie Ausfahrt aus dem Gebiet in die Mutschellen-
strasse. Der Kanton verlangte deshalb das Einschalten einer Zwischenetappe, deren Umsetzung ohne die Grossvorhaben zu bewerkstelligen sei.

Für das Einhalten der geforderten Zwischenetappe hat die Stadt Änderungen vorgenommen. So soll laut Stadtingenieur Andreas Hofmann im Umfeld der Reppisch, im Bereich Heim-/Kanalstrasse, dem von den gut ausgebauten Zubringerstrassen entferntesten Gebiet, Wohnen möglich sein – eine Nutzung, die verhältnismässig wenig Verkehr verursacht. Der Richtplan sichert zudem den Raum für mögliche Schulanlagen oder Kindergärten in diesem Bereich.

Für öV und Langsamverkehr

Bei den Gebieten mit guter Verkehrsanbindung hingegen soll die heute geltende Nutzung weitgehend belassen werden. Aber: Verkehrsintensive Verkaufsgeschäfte sollen nur noch im Bereich Riedstrasse möglich sein (siehe Karte unten). Und: Neben der bestehenden Baumassenziffer wird neu eine Ausnützungsziffer eingeführt, die Baumassenziffer wird stellenweise stark eingeschränkt.

Gleichzeitig wird in der städtischen Planung auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, die Einführung neuer Buslinien, gesetzt; auch die Erschliessung des Gebiets für Fussgänger und Velofahrer soll Entlastung bringen. Nicht zuletzt sollen Verkehrsknoten partiell ausgebaut werden. Man sei, sagt Hofmann, in Gesprächen mit den übergeordneten Stellen, was eine Erweiterung der Strasse um eine Fahrspur an der Silbern- und Mutschellenstrasse bis zur Autobahnzufahrt anbelange.

Mit diesen Massnahmen soll gemäss einem von der Stadt angestrengten Gutachten gar eine leichte Verbesserung gegenüber dem Zustand von 2008 erreicht werden. Mit zunehmender Überbauung verschärfe sich die Situation dann aber wieder.

S-Bahn-Station Silbern

Für die Stadt steht fest, wie Müller sagt, dass man trotz Zwischenhalt die Vision, die der ursprünglichen Planung zugrunde liegt, weiterverfolgt: eine Neugestaltung des Gebiets mit markanten Hochhäusern bis zu 70Meter Höhe, die neue Möglichkeiten bezüglich der Nutzung am Boden eröffnen – für einen Boulevard, für einen grossen Platz, der bei der ebenfalls noch visionären, sich allmählich konkretisierenden S-Bahn-Station Silbern zu liegen käme.

Auf die Weiterverfolgung der Vision drängt auch Urs Jenny, als Präsident der IG Silbern Vertreter der Grundeigentümer. Die überarbeitete Planung dürfe nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Umsetzung der Vision sein: «Es soll möglichst viel für viele möglich werden.» Für die Eigentümer sei zudem wichtig, dass sie sich während der Zwischenetappe entwickeln könnten – in den letzten fünf Jahren galt eine Planungszone, die, für die Eigentümer unbefriedigend, nur minime Eingriffe in die Bausubstanz erlaubten.

Die Vorgaben des Kantons für die Planungsanpassung seien vage gewesen, so Stadtpräsident Müller. Der Stadtrat hoffe aber, dass die nun wieder anstehende Vorprüfung positiver verlaufe. Parallel dazu laufe derzeit die Einwendungsfrist. Nach einer Überarbeitung durch den Stadtrat entscheide das Parlament – wohl Mitte 2011.

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