Zirkus
Eine Woche Zirkusluft schnuppern

Während der vergangenen Woche gastierte der Zirkus Lollypop auf dem Aeugster Schulareal Gallenbüel. Die Projektwoche der Schule war dem Thema «Zirkus» gewidmet. Schüler und Lehrpersonen wagten sich an ein anspruchsvolles Unternehmen heran. Alle kamen zu einem einmaligen Zirkuserlebnis.

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Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Karl Straub

Das neue Volksschulgesetz schreibt vor, dass künftig alle Zürcher Volksschulen mit einem Schulprogramm arbeiten. Die Schulen setzen darin pädagogische Schwerpunkte und Entwicklungsziele fest. Dazu gehört auch die Durchführung von sogenannten Projektwochen. Sie werden genutzt, den Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern. Projektwochen sind eine bereichernde Abwechslung im Schulalltag. Im Unterschied zum landläufigen Schultheater suchten die Verantwortlichen die Zusammenarbeit mit einem veritablen Zirkus und stiessen dabei auf den Zirkus Lollypop.

Das Lollypop-Ensemble

Den Animationszirkus für Schulen, Kindergärten und pädagogische Institutionen gibt es seit 15 Jahren. Er wird von einem gemeinnützigen Verein getragen und ist im bündnerischen Schanfigg beheimatet. Die Lollypop-Leute sind eine eingeschworene Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Im Sommer sind sie mit Schul- und Ferienprojekten auf Tournee unterwegs, hauptsächlich in den Kantonen Graubünden und Tessin. Das rund ein Dutzend Personen umfassende Team ist für seinen sozialpädagogischen Ansatz bekannt. Der Zirkus verfügt über zwei Rundzelte mit 300 Sitzplätzen und eine Infrastruktur, wie sie die grossen Zirkusunternehmen besitzen.

Einbeziehen aller war Programm. Die ganze Schülerschar, vom Dreikäsehoch des Kindergartens bis zum Sechstklässler, wurde in die zauberhafte Welt des Zirkus einbezogen - ebenso die Lehrerschaft. Die Probenarbeit wurde in den Stundenplan integriert. Ziel war nicht die Ausbildung von Nachwuchsartisten, sondern den Kindern die Möglichkeit zu bieten, am Zirkuszauber intensiv teilzuhaben. Jedes Kind erhielt die Chance, seinen Fähigkeiten und seinem Alter entsprechend, sein liebstes Zirkuselement auszuwählen. Allein oder in der Gruppe konnten sie sich eine Clown- oder Fakirnummer, Jonglage, Akrobatik, Feuerschlucken, Zauberei oder ein anderes artistisches Kunststück aussuchen. Gefordert waren die intellektuellen, motorischen, sozialen und emotionalen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder.

Das oberste Ziel war die Freude am gemeinsamen Erarbeiten von Zirkusnummern und die Herausforderung etwas Neues auszuprobieren. Das Konzept ist bestechend: Mit der Projektarbeit tasteten sich die Kinder an die Grenzen ihres Könnens heran. Jedes Kind bekam seinen Auftritt.

Die Hauptproben gegen Ende der Woche waren öffentlich. Wer wollte, konnte beobachten, wie es die Lehrkräfte und Zirkusprofis vortrefflich verstanden haben, den gegenseitigen Respekt unter den Kindern verschiedener Altersgruppen zu fördern. Das gemeinsame Erstellen und Einüben der einzelnen Zirkusnummern war für die Lehrpersonen, Zirkusleute und Kinder eine sehr anspruchsvolle Arbeit.

Glanzvolle Galavorstellungen

Insgesamt drei Galavorstellungen bildeten den grossartigen Abschluss der Projektwoche. Die Resonanz bei Eltern, Angehörigen und Freunden der Kinder war gewaltig. Im übervollen Zirkuszelt konnte das Publikum nur zu einem Schluss kommen - absolut bemerkenswert! Die Leistungen der jungen und jüngsten Artisten wurden jeweils mit tosendem Applaus verdankt. Zum Erfolg trug auch das Zirkusorchester bei. Stolze Mütter und vor allem Väter versuchten mit Kameras und Blitzlichtgewitter die Zirkuspoesie und ihre im Rampenlicht stehenden Sprösslinge für das Familienarchiv festzuhalten.

Die Idee der Projektwoche war genial. Alle Beteiligten haben am gleichen Seil in die gleiche Richtung gezogen. Am Ende der Woche waren zwar alle müde, aber um eine wichtige Erfahrung reicher. In einer richtigen Zirkusmanege im Zentrum des Scheinwerferlichtes gestanden zu haben, ist sicherlich ein einmaliges Erlebnis, das noch lange in der Erinnerung der Kinder haften bleiben wird.

Selbstverständlich war das ganze Unternehmen nicht ganz billig. Ein beträchtlicher finanzieller Aufwand war damit verbunden. Eine Sponsorenaktion der Schüler, die Schulbehörden, Eltern- und Sponsorenbeiträge haben die Finanzierung sichergestellt. Dank ihrem Wohlwollen sind die Kinder zu einem unvergesslichen Erlebnis gekommen.