Toprak Verguz

«Ekelhaft», sagt Hansruedi Kehlstadt, «vergammelt» nennt es Toni Casagrande. Der Zustand des Spalentors wird allgemein sehr negativ bewertet. Taubendreck und Urin verunstalten das Basler Wahrzeichen.

Kehlstadt ist Meister der E.E. Vorstadtgesellschaft zur Krähe, die im Spalentor ihren Sitz hat. Er erlebt das ganze Jahr hindurch, was in den hinteren Ecken des öffentlichen Bereichs passiert: «Gerade im Sommer stinkt es penetrant nach Urin.» Das Spalentor, Basler Visitenkarte und im Schweizer Pass als nationales Denkmal zu finden, verkomme zur öffentlichen Toilette.

Mehr Reinigung

Der Regierungsrat hat erst gerade eine Anfrage von SVP-Grossrat Toni Casagrande beantwortet und sieht darin ebenfalls Handlungsbedarf. «Das Spalentor ist zurzeit fraglos in einem schlechten Zustand», heisst es in der Antwort. Casagrande hatte bemängelt, dass das Spalentor durch Urin und Taubendreck derartig verunstaltet ist, dass es «für unsere Stadt unwürdig» sei.

Nur: So einfach dürfte es nicht werden, die Lage zu verbessern. Da das Spalentor denkmalgeschützt ist, ist man bei baulichen Massnahmen eingeschränkt. In der Antwort des Regierungsrats heisst es: «Es sind eine Reihe von weiteren Massnahmen (Beplankungen, TV-Überwachung, Schliessung des Durchgangs) vom Departement auf ihre Umsetzbarkeit geprüft worden.» Alle seien als nicht umsetzbar erachtet worden.

Ein Vorschlag des Regierungsrats ist, noch mehr zu reinigen als bisher. Laut Alexander Isenburg, Leiter der Stadtreinigung, wird das Spalentor täglich einmal trocken gereinigt und wöchentlich einmal geschwemmt. Beim trockenen Durchgang werden ausserdem Geruchsblocker eingesetzt.
Man könne durchaus versuchen, mehr zu schwemmen, sagt Isenburg. Aber ein Erfolg sei deswegen nicht garantiert: «Der Urin frisst sich in die Tiefe des Sandsteins. Durch das Schwemmen wird zunächst noch mehr Uringestank freigesetzt.» Isenburg denkt vielmehr, dass man Wildpinkler mit Bussen bestrafen sollte.

Unkultivierte Männer

In einer ersten Reaktion zeigt sich Casagrande mit der Antwort des Regierungsrats zufrieden, die ihm «einleuchtend» erscheine. Weiterhin unzufrieden ist er allerdings mit der Gesamtsituation. Dasselbe bei Kehlstadt und dem Regierungsrat: Allen ist klar, dass Massnahmen wie mehr Reinigung nur Symptombekämpfung sind. Der Hauptgrund für die Misere sind die pinkelnden Männer.

Der Regierungsrat hält fest: «Für die Verschmutzungen sind einerseits die Taubenpopulation und andererseits Vertreter des männlichen Teils unserer Gesellschaft verantwortlich.» Kehlstadt lacht verbittert: «Die Tauben sind nicht so das Problem.» Er wünscht sich mehr Polizeipräsenz um das Spalentor, um wenigstens einige der Wildpinkler zu verscheuchen.

Und dann bleibt noch die Idee einer öffentlichen Toilette in der Nähe des Spalentors. Unabhängig davon, ob ein geeigneter Standort gefunden werden könnte, meldet der Regierungsrat bereits seine Zweifel an: «Ob Personen mit mangelnder Erziehung und Kultur davon abgehalten werden können, den Durchgang durch das Spalentor als Pissoir zu benutzen, auch wenn gratis eine öffentliche WC-Anlage in der Nähe zur Verfügung steht, ist fraglich.»