Tanja Enseroth

Eine schreckliche grosse Familie

Neue Familie, neue Freunde, neue Erfahrungen. Das und noch vieles Mehr erwartet mich in diesem Austauschsjahr. Vom Spielen des Nationalsports bis zum Familientreffen war diese Woche alles dabei.

Während meine Schweizer Familie, bestehend aus meinen Eltern, meiner kleinen Schwester Nathalie, zwei Onkeln und zwei Grossvätern, selbst für europäische Verhältnisse ziemlich klein ist, zählt meine Dominkanische Verwandtschaft definitiv einige Mitglieder mehr.


Neben meinen drei älteren Gastgeschwistern Catherine, Juan und Santiago habe ich hier noch geschätzte fünfzig Cousinen und Cousins und natürlich deren Eltern, meine Tanten und Onkeln. Dementsprechend gibt es häufig etwas zu Feiern, was auch jedesmal mit der ganzen Familie getan wird. Die erste Begegnung mit meiner Verwandtschaft fand beim alljährlichen Baseballspiel im Hause einer Tante ein wenig ausserhalb der Stadt statt. Da wird mit über einer Stunde Verspätung eintrafen war das Spiel schon in vollem Gange.


Die Pünktlichkeit hier ist ein Thema für sich. Als Schweizerin, die bekanntlich ja so pünktlich sind wie ihre berühmten Uhren, war es für mich Anfangs eine ziemlich Überwindung, nicht zur abgemachten Zeit zu einem Treffen zu erscheinen. Da ich aber jedes Mal die erste war und meistens über eine Stunde auf meine Freundinnen warten musste, gewöhnte auch ich mir schon bald an, nicht nervös zu werden wenn man eigentlich schon vor einer halben Stunde verabredet war.


Doch trotz „hora dominicana" wie man die übliche Unpünktlichkeit so schön nennt, bekam ich noch die Möglichkeit, den dominikanischen Nationalsport auszuprobieren. Wer sich schon einmal ein Baseballspiel angeguckt hat, ob live oder vor dem Fernseher, und sich dabei gedacht hat „Na, das kann doch nicht so schwer sein", dem möchte ich jetzt eines Besseren belehren! Diesen kleinen, weissen Ball zu fangen ist eine Herausforderung, ihn mit einem Schläger zu treffen für mich unmöglich:). Doch trotz (oder gerade wegen ? ) meiner miserablen Spieltechnik verlief der Abend sehr unterhaltsam. Da ausser mir noch zwei weitere Austauschschüler anwesend waren, wurde noch bis tief in die Nacht hinein geschwatzt, und zwar auf Deutsch, Französisch, Englisch und natürlich Spanisch zur gleichen Zeit!


Ein weiteres Mal wurden wir von einem meiner Onkel auf seine Farm eingeladen, auf der Reis angebaut wurden. Da ich noch nie zuvor in meinem Leben ein Reisfeld gesehen habe war ich erstaunt angesichts der weiten, grünen Ebene; das sah ja genau so aus wie Schweizer Ackerland! Auf dem Rücken eines Pferdes, hier verwendet man keine Traktore, konnte ich mir dann die Felder ein wenig aus der Nähe ansehen, bis die ganze Bande zum gemeinsamen essen zusammengetrommelt wurden. Was es wohl zu Essen gab ? Reis natürlich!

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