Eine Pflege wie bei Reben

Erntebeginn: Nun werden zehn Wochen lang in der Region insgesamt 700 Tonnen Zwetschgen abgelesen. (Heinz Dürrenberger)

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Erntebeginn: Nun werden zehn Wochen lang in der Region insgesamt 700 Tonnen Zwetschgen abgelesen. (Heinz Dürrenberger)

Anders als bei der Kirsche ist bei Zwetschgen die Grösse nicht das Kriterium, nach dem der Preis festgelegt wird. Aber jede Sorte muss als Nachweis der guten Entwicklung eine Mindestgrösse erreichen. Dieses Qualitätssystem wird heuer erweitert.

Daniel Haller

Auf die gute Kirschen- soll nun eine grosse Zwetschgenernte folgen: Blüte und Befruchtung waren gut, das Wetter hat Schädlinge und Krankheiten nicht gefördert, und der Hagel hat die Nordwestschweiz bis auf einige wenige Obstbaugemeinden bisher verschont. «Es wird ein erfreuliches Obstjahr», stellte Obstproduzent Ernst Lüthi aus Ramlinsburg an der Medienkonferenz des Früchte-Zentrums Basel und des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain fest.

Mit den frühen Sorten Katinka und Tegera habe die Ernte vor zehn Tagen begonnen, berichtete Lüthi. Voraussichtlich Ende September werden dann die Sorten Fellenberg und Elena den Schlusspunkt unter eine Ernte von voraussichtlich 700 Tonnen in der Region setzen.

Früchte auf die Hälfte reduziert

Um dem Wunsch des Handels nach kontinuierlicher Belieferung mit gleichbleibender Qualität nachzukommen, hat das Früchte-Zentrum Basel das Qalitätssicherungs-System QS-33 entwickelt: Bei einem Sortiment von sieben Sorten werden Anfang Juni rund die Hälfte der Früchte von den Bäumen entfernt, um den restlichen eine bessere Entwicklung zu ermöglichen. So dürfen bei der Sorte Tophit nur noch 14 bis 20 Früchte an einem Laufmeter Ast hängen: Nur so entwickeln sie die gewünschte Mindestgrösse und damit das erforderliche Aroma. «Früchte, die nicht die Normgrösse einer Sorte erreichen, sind unterentwickelt», erklärte gestern Martin Kockerols von der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil in der Obstplantage von Hansruedi Wirz in Reigoldswil. «Die fehlende Grösse ist ein Zeichen dafür, dass die Früchte nicht genug ausgedünnt wurden.» Er verglich diese Behandlung und den jährlichen Schnitt der Bäume mit der Arbeit in einem Rebberg. Für das Ausdünnen der Zwetschgen sei ein Arbeitsaufwand von 60 bis 80 Stunden pro Hektar erforderlich.

Qualität statt Masse

«Wenn die Zwetschge wie eine Gurke schmeckt, kauft sie keiner», stellte Beat Gisin, Geschäftsführer des Früchtegrosshändlers Frunoba in Gelterkinden fest. Dies gelte umso mehr, als selbst mit den hohen Zöllen die Schweizer Zwetschgen preislich nicht mit den Importen mithalten können.

Deswegen setze man in der Nordwestschweiz seit Jahren auf Qualität statt Quantität. «Dabei ist die Grösse der Frucht nicht für den Preis ausschlaggebend, sondern das Zeichen, dass die Zwetschgen professionell produziert wurden.»

Differenzierte Grössen

Dafür wird das QS-33, das bisher auf eine Norm-Mindestgrösse von 33 Milimeter ausgelegt war, künftig nach Sorten differenziert: Während beispielsweise Tegera weiterhin mit 33 Millimetern auskommt, muss eine Hanita nun einen Durchmesser von 36 Millimetern aufweisen, und Tophit, die zur künftigen Premium-Zwetschge werden soll, muss sogar 45 Millimeter Durchmesser mitbringen. Der Produzentenpreis beträgt derzeit 1.70 Franken pro Kilo Zwetschgen. Der Rest ist für das Gebinde und die Margen des Handels.

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