Waldhütte
Eine letzte Chance vor dem Knast

Viermal hat ein heute zwanzigjähriger Aarwanger eine Waldhütte in Schutt und Asche gelegt. Für die letzte Brandstiftung stand er gestern vor dem Kreisgericht auf dem Schloss. Das Gericht will ihm in einem Massnahmenzentrum für junge Erwachsene eine letzte Chance geben.

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verbrannte Waldhütte

verbrannte Waldhütte

az Langenthaler Tagblatt

Jürg Rettenmund

Vorgeführt wurde der 20-jährige Aarwanger gestern in Handschellen: Seit er am 15. Juni aus einer betreuten Ausbildungs-Wohngruppe in der Region ausgeschlossen wurde, wurde er im Gefängnis Burgdorf in Sicherungshaft genommen.

Es war nicht das erste Mal, dass er mit seiner Umgebung nicht zurechtkam: Die Schule besuchte er nur bis ins siebte Schuljahr. Dann verbrachte er zwei Jahre in der Aussenstation einer regionalen Heimschule in Südfrankreich. Das letzte Schuljahr konnte er, begleitet von einem Betreuer dieses Heims, im Berner Oberland besuchen.

Mehrere Lehren abgebrochen

Dort gab es aber schliesslich ebenso Zoff, wie während einer Lehre, die er abbrach, weil er zu oft «Mühe» hatte, am Morgen pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Gleich «beendete» er zwei weitere Lehren.

In die Ausbildungs-Wohngruppe war er aufgrund eines Urteils des Jugendgerichts Emmental-Oberaargau vom März 2008 gekommen. Vor diesem musste er sich für drei Brände verantworten, die er zwischen Oktober 2005 und September 2007 an drei Waldhütten in Aarwangen gelegt hatte (der der Ornithologen sowie die der Burgergemeinde im Spichigwald und im Buchwald). Daneben hatte ihm das Jugendgericht eine bedingte Freiheitsstrafe von vier Monaten aufgebrummt.

Noch während des Verfahrens vor Jugendgericht hatte er im September 2007 wieder gezeuselt. Für diese zweite Brandstiftung an der Hütte der Ornithologen stand er gestern vor dem Kreisgericht.

Keine Freude am Feuer

Vorgegangen war er gleich wie immer: Er beschaffte sich Benzin und füllte dieses in eine Pet-Flasche ab. Mit dem Motorrad fuhr er zur Waldhütte. Er schichtete Holz auf und übergoss dieses mit dem Benzin. Er zündete die Pet-Flasche an und warf sie auf das Holz. Sobald er sah, dass das Holz brannte, fuhr er weg. Zuhause legte er sich schlafen.

Er habe keine besondere Freude am Feuer empfunden, antwortete der Brandstifter auf die Frage von Gerichtspräsident Fritz Aebi. Ein besonders schlechtes Gewissen plagte ihn deswegen allerdings auch nicht. Obschon er drei Brandstiftungen gestanden hatte, dauerte es fast ein Jahr, bis die Polizei ihn überführen konnte. Während der anschliessenden Untersuchungshaft folgte ein Hin und Her von Geständnissen und Widerrufen, das bis zum Gerichtstermin für Unsicherheit sorgte.

Wenig Einsicht

Dort allerdings bekannte er sich zur Tat. Nach wie vor aber zeigte er wenig Augenmass in der Einschätzung der Folgen seiner Taten. Nicht nur sah er bisher keinen Anlass, sich bei den Ornithologen für den angerichteten Schaden zu entschuldigen. Noch im Frühling hatte er aus seinen Ersparnissen für 6000 Franken ein Auto gekauft. «Da staune ich schon ein bisschen», gestand der Gerichtspräsident.

Als Erklärung für seine Brandstiftungen fand der Angeklagte einzig Frust über sein bisheriges Leben und Stress aus der Situation, in der er steckte. Auch das Gericht wurde mit Nachfragen nicht fündig. Es war aber bereit, ihm nochmals eine (letzte) Chance zu geben: Es verurteilte ihn zwar zu zehn Monaten Freiheitsstrafe (zu denen die vier aus dem Urteil des Jugendgerichts kämen).

Doch diese kommen erst zum Zug, wenn er die vorrangig angeordnete Zeit in einem Massnahmenzentrum für junge Erwachsene (zum Beispiel Waldegg Uitikon ZH) nicht besteht. Dort kann er in einem geschützteren Rahmen als bisher auch die angestrebte Lehre machen.

Mit einer Busse von 200 Franken kam der Brandstifter fürs Tragen einer waffenähnlichen Softgun in der Öffentlichkeit davon. Mit dieser war er im letzten März erwischt worden. Das Gericht attestierte ihm, dass er wohl nicht der Einzige sei, der nicht wisse, dass diese seit dem Erwerb im Sommer 2008 durch eine Verschärfung des Waffengesetzes illegal geworden sei. Ein Vorsatz sei ihm deshalb nicht zu unterstellen.

Zu tragen hat der Brandstifter die hohen Verfahrenskosten von rund 16 000 Franken. Er und der Staatsanwalt können innert zehn Tagen gegen das Urteil appellieren.