Yvonne Neuenschwander

Sonderschulheime und heilpädagogische Sonderschulen, welche normalbegabte, lernbehinderte und geistigbehinderte Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörungen betreuen und fördern, haben im Zuge der schulischen Integration in den letzten Jahren eine wichtige Entwicklung durchlaufen. Sie sind zu eigentlichen Kompetenzzentren in Sachen Integration geworden. «Die Entwicklung der Volksschule soll in Bezug auf schulische Integration durch die Kompetenzzentren unterstützt werden», unterstreicht im Gespräch mit dieser Zeitung etwa Christof Koch, Leiter Schulen am sonderpädagogischen Zentrum Bachtelen in Grenchen. Die Kompetenzzentren würden allerdings, so Koch, noch zu wenig als Beratungs- und Ausbildungsstellen genutzt.

Bessere Koordination gefordert

Ihre Angebote wurden dabei erweitert und deutlich flexibilisiert, von stationären oder teilstationären bis zu integrierten und ambulanten Formen. Sie bieten vor allem den öffentlichen Schulen umfassende Unterstützung, Beratung und Begleitung bei der Integrativen Schulung an. Die Regelschulen des Kantons Solothurn integrieren seit dem Schuljahr 2008/2009 vermehrt Kinder und Jugendliche aus Sonderschulheimen. Ab August 2011 erfolgt zudem die kantonsweite Aufhebung der Einführungs- und Kleinklassen. In vielen Gemeinden ist die integrative Schulung bereits heute Realität. Die Kompetenzzentren bieten in all diesen Fällen ihre Hilfe an.

«Gerade während des Entwicklungsprozesses der integrativen Schulung wären eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Vorstellungen bezüglich Integration für alle Beteiligten hilfreich», betont Koch. Und: «Das Zusammenspiel von Regelschulen, Kompetenzzentren und dem Kanton könnte durchaus optimiert werden.» Das Entwickeln von minimalen Kriterien für eine Integrative Schulung sei allen Beteiligten ein Anliegen, konstatiert Koch. Die Ressourcen der Kompetenzzentren würden in der Regel aber viel zu wenig genutzt. Regelschulen entwickeln jeweils selbstständig Integrationskonzepte. Sie halten Kriterien zur Umsetzung der Speziellen Förderung (SF) fest, während die Kompetenzzentren Integrationskonzepte für die integrativen sonderpädagogischen Massnahmen (ISM) entwickeln. Die Erarbeitung dieser Kriterien und Integrationskonzepte finde unabhängig voneinander und meist ohne Absprachen statt. Zudem gebe das Amt für Volksschule und Kindergarten (AVK), zumindest derzeit noch, keine allgemeingültigen Standards zur Integrativen Schulung vor.

Missverständnisse vermeiden

Koch steht mit dieser Einschätzung nicht alleine da. Ganz ähnlich argumentieren auch Walter Jäggi von der Heilpädagogischen Sonderschule in Olten sowie Céline Ducommun vom Zentrum für körper- und sinnesbehinderte Kinder in Solothurn. Es wäre von Vorteil, die vorhandenen Ressourcen - sowohl von Seiten der Regelschule, als auch von Seiten der Kompetenzzentren - zu nützen, meint etwa Céline Ducommun. «Unstimmigkeiten, Missverständnisse und vor allem auch Unsicherheiten könnten so präventiv verhindert werden.» Eine Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen und Ämter würde vieles erleichtern und den Weg zu einer gemeinsamen (integrativen) Sprache ebnen, sind sich die Verantwortlichen der Kompetenzzentren einig.

Einig sind sich auch darin, dass die schulische Integration, gerade auch von Sonderschulkindern, eine Chance darstellt. So meint etwa Walter Jäggi: «Ich erachte integrative sonderpädagogische Massnahmen als eine Erweiterung für den Sonderschulbereich und nicht als eine Bedrohung.»