Eine Gemeinde kämpft um ihre Ambulanz

Noch ist es um den Rettungsdienst in Niederbipp nicht geschehen. Das Anliegen zahlreicher Gemeinden, den Ambulanzstandort in Niederbipp zu erhalten, findet bei der SRO AG Gehör. Nun will der Niederbipper Gemeinderat Mitstreiter ins Boot holen.

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Spital

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az Langenthaler Tagblatt

Marisa Cordeiro

Die Absicht der SRO AG, das Akutspital in Niederbipp zu schliessen und nach Langenthal zu verlegen, hat nicht nur Niederbipp, sondern auch die angrenzenden Gemeinden des Thals (SO) beunruhigt. Besorgt sind sie vor allem um den Rettungsdienst, der ihrer Meinung nach keinesfalls aufgehoben werden dürfte (wir berichteten). Unter anderem deshalb will sich Niederbipp in die Diskussion um die Zukunft des Spitals einbringen. An der Gemeindeversammlung Anfang Dezember hat der Gemeinderat einen entsprechenden Auftrag aus dem Volk entgegen genommen.

Variante Kooperation prüfen

Ein erster Schritt in diese Richtung ist kürzlich erfolgt. Der Gemeinderat von Niederbipp und eine Delegation der SRO AG haben sich zu einer Besprechung getroffen, wie sie in einem gemeinsamen Communiqué schreiben. Darin steht, dass die SRO AG und der Gemeinderat von Niederbipp gewillt seien, Lösungen für die künftigen medizinischen Leistungen im Rahmen eines Gesundheitszentrums zu entwickeln. Parallel dazu solle eine Nutzungsstudie für das heutige Spitalareal erarbeitet werden. Auch der Standort des künftigen Gesunheitszentrums müsse evaluiert werden.

In Bezug auf das zentrale Anliegen der Gemeinde, den Rettungsdienst in Niederbipp zu erhalten, heisst es: Eine Arbeitsgruppe werde die heutige Situation analysieren und unter anderem Kooperationsmodelle mit den Hausärzten für einen gemeinsamen Notfalldienst prüfen.

Aus dem Treffen zieht Gemeindepräsident Manfred Cordari (FDP) eine positive Bilanz: «Jetzt fühlen wir uns ernst genommen», sagt er. Bisher sei die Gemeinde ja nur mit beschlossenen Tatsachen konfrontiert worden. Ausserdem habe er den Eindruck erhalten, dass die SRO erkannt habe, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sei.

Rettungsstation in Oensingen?

Um dem Anliegen mehr Gewicht zu geben, will der Gemeinderat von Niederbipp in den kommenden Wochen aktiv werden. Laut Cordari würden in einer ersten Phase alle Ärzte der Umgebung, in einer zweiten Phase alle Gemeindepräsidenten an einen runden Tisch gebeten und um ihre Meinung befragt. All dies solle noch bis Mitte Februar geschehen, denn: Das nächste Treffen mit der SRO steht bereits Ende Februar an.

«Wir wollen aufzeigen, dass es auch für die SRO wichtig ist, dass der Notfalldienst in Niederbipp bleibt», sagt Cordari. Mit Blick auf die geplanten Investitionen in Langenthal sei die SRO auf die Unterstützung ihrer Region angewiesen. Der Grosse Rat berät im Frühjahr darüber, erst bei einem positivem Entscheid kann die Baueingabe bei der Stadt Langenthal erfolgen.

Zum anderen gab Cordari zu Bedenken, dass der Kanton Solothurn in Erwägung ziehen könnte, im Gebiet Oensingen / Balsthal eine eigene Rettungsstation zu schaffen. Damit würde das Solothurnische Thal künftig nicht mehr die Dienste der SRO, sondern jene der Solothurner Spitäler AG (soH) in Anspruch nehmen.

«Nur eine Überlegung»

Dieter Widmer (BDP), Verwaltungsratspräsident der SRO sagte dazu, das sei «wohl nicht mehr als eine Überlegung», entstanden durch den Eindruck, der Ambulanzstandort in Niederbipp sei gefährdet. Jedenfalls verspüre die SRO aus den angrenzenden Solothurner Gemeinden einen starken Rückhalt, hätten sie sich doch auch für den Erhalt des Rettungsdienstes in Niederbipp stark gemacht.

Auch Kurt Altermatt, Direktionspräsident der soH sagt zur Idee eines Rettungsstützpunktes im Gebiet Balsthal/Oensingen: Konkret verfolgten die Solothurner Spitäler dies nicht. Sollte aber widererwartens die Rettung künftig nicht mehr ab Niederbipp erfolgen können, müsste eine neue Diskussion lanciert werden. Altermatt verwies auf den Vertrag zwischen der SRO und der soH, und darauf, dass im Kanton Solothurn der Einsatzort innert von 15 Minuten ereicht werden müsse.

Vertraglich ist nichts fixiert

Grundsätzlich aber hatte auch Dieter Widmer den Eindruck, die SRO und der Gemeinderat von Niederbipp hätten an ihrer Besprechung einen guten Draht zueinander gefunden. Er sei zuversichtlich, dass der Ambulanzstandort in Niederbipp erhalten bleibe. Allerdings setze dies voraus, dass die SRO auch künftig ihre Leistung in der Region Balstahl/Oensingen und Teile des Gäus erbringen dürfe. Für die Zukunft sei dies mit dem Kanton Solothurn allerdings noch nicht vertraglich fixiert.

Widmer betonte, dass sich die SRO immer bewusst gewesen sei, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Niederbipp sei. Die SRO habe aber erst über ihr Vorhaben informieren können, als die Baudirektion des Kantons Bern im Rahmen der Vorprüfung grünes Licht für die Instandstellung, respektive den Ausbau des Spitals in Langenthal gegeben habe.