Myrtha Schmid

Mit dem obigen Stossseufzer drückt Robert Kühnis anlässlich der Führung einer Gruppe von Interessierten aus, was ihn auf der einen Seite freut und ungeheuer beflügelt, aber auch was ihm und seinem ganzen Handwerkerteam etliche Sorgen und Probleme bereitet.

Immer neue Probleme

Seit das stattliche Gebäude auf der Windischer Seite der Reussbrücke im Besitz des Ehepaars Kühnis ist (die AZ berichtete darüber) und seit die Renovationsarbeiten begonnen haben, jagt eine Überraschung die andere, und tagtäglich müssen neu auftauchende Probleme gelöst werden. Äusserlich ist davon wenig zu sehen, vor allem seit das Dach mit Biberschwanzziegeln fertig eingedeckt ist und ein Teil der Aussenfassade sich im neuen, gelbfarbenen Kleid präsentiert. Bei den vorangehenden Flickarbeiten an der strassenseitigen Fassade stiess man auf den ursprünglichen Eingang zum Haus mit einem formschönen Rundbogen. Dieser Zugang, der heute einiges tiefer als das Strassenniveau liegt, wurde wahrscheinlich 1825 zugemauert.

Gotische Schmuckelemente

Man wusste, dass der älteste, aus dem 16. Jahrhundert stammende Kern des Gebäudes gotische Elemente aufweist, zum Beispiel eine Balkendecke in der ehemaligen Gaststube. Was aber zugemauert zwischen den Fensteröffnungen entdeckt wurde, ist eine prachtvoll verzierte Säule, die vermutlich aus dem Mittelalter stammt. Sie ist ein Zeuge der einstigen Pracht des Hauses, während der eingemauerte Kassenschrank mit seiner eisernen Türe eher auf die reichlich geflossenen Zolleinnahmen schliessen lässt. Der ehemalige Tanzsaal im ersten Stock der Taverne wartete mit noch grösseren Überraschungen auf: Unter der Deckentäferung verbargen sich Stuckaturen in Rechteck- und Rautenform, die nicht etwa aus Gips, sondern mit Mörtel gefertigt wurden, der mit Rinderhaaren verstärkt ist.

Zusammen mit Malereien in den Ecken sollen diese Schmuckelemente wieder über die gesamte Deckenfläche sichtbar gemacht werden. Wie sich erahnen lässt, ist seit dem Renovationsbeginn eine intensive Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege im Gang, was durchaus dem Bestreben der Bauherrschaft entspricht. Sie will in erster Linie dem Gebäude wieder zu seiner damaligen Würde und Schönheit verhelfen.

Im später angebauten, hintern Hausteil sind vor allem statische Probleme zu lösen, während die energetische Versorgung des ganzen Hauses mit seinen 30 Räumen dank effizienter Wärmedämmung und andern Massnahmen auf Minergiestandard gebracht werden konnte.
Türmchen mit Uhr und Glocke

Noch herrschen im Innern teilweise «chaotische» Verhältnisse, aber der Elan und die Begeisterung des Besitzers sind ungebrochen, und die Handwerker leisten wahre Kunststücke. Bereits ist vor dem geistigen Auge des Bauherrn die formschön geschwungene Eichentreppe im alten Scheunenteil eingebaut - ebenso schmückt wieder eine Uhr den Dachgiebel, und bestimmt hört er auch schon, wie die alte, originale Glocke im Zwiebeltürmchen die Stunden läutet . . .