Turmfalken
Eine Falkenfamilie hält Sisseln auf Trab

Es kommt nicht oft vor, dass sich in einem Turmfalkengelege, wie das in Sisseln der Fall ist, gleich sechs Jungvögel befinden. Bevor die Greife ihre Kinderstube verlassen, wurden sie beringt.

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Jungfalken
13 Bilder
Freuen sich über jedes Jungtier: Martin Spiess, Ueli Schaffner und Josef Nietlispach bei der Greifvogelnisthilfe beim Bahnhof Sisseln. Foto: Walter Christen Martin Spiess, Ueli Schaffner und Josef Nietlispach bei einer Greifvogelnisthilfe beim Bahnhof Sisseln. Sie freuen sich über jedes Jungtier. Foto: Walter Christen
Ueli Schaffner, ornithologischer Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach, beringt einen zwei Wochen alten Turmfalken. Foto: Walter Christen Ueli Schaffner, ornithologischer Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach, beringt in Sisseln einen rund zwei Wochen alten Turmfalken. Foto: Walter Christen
Erschöpft von der völlig schmerzlosen Beringung ruht sich das Turmfalkenküken aus. Foto: Walter Christen Erschöpft von der völlig schmerzlosen Beringung ruht sich dieses Turmfalkenküken in Sisseln aus. Foto: Walter Christen
Das Flügelmessen macht ihm keinen Spass: Der Flügel eines jungen Turmfalken wird vermessen. Foto: Walter Christen Der Flügel eines jungen Turmfalken in Sisseln wird vermessen. Foto: Walter Christen
Hier sind Eindringlinge unerwünscht: Beim Blick in die Kinderstube der jungen Turmfalken verharren sie in Abwehrstellung. Foto: Walter Christen Ein Blick in die Kinderstube der jungen Turmfalken in Sisseln, die in Abwehrstellung verharren. Foto: Walter Christen
Ueli Schaffner legt den Erkennungsring am Fuss des jungen Sissler Turmfalken an. Sehr zum Verdruss des Küken. Foto: Walter Christen Ueli Schaffner legt den Erkennungsring am Fuss des jungen Sissler Turmfalken an. Sehr zum Verdruss des Küken. Foto: Walter Christen
Die Flügelspannweite variieren je nach Art stark. Die Spannweite eines Turmfalken beträgt im Schnitt 75 Zentimeter. Bei diesem Exemplar dürften es weniger sein. Foto: Walter Christen Vermessung eines ausgewachsenen Turmfalken in Sisseln durch den Ornithologen Ueli Schaffner. Foto: Walter Christen
Ab in die Lüfte! Das vermessene Turmfalkenpärchen in Sisseln kurz vor der Freilassung. Foto: Walter Christen Das vermessene Turmfalkenpärchen in Sisseln kurz vor der Freilassung. Foto: Walter Christen
Jedes Tier wird katalogisiert. Ueli Schaffner misst eines ausgewachsenen Turmfalken beim Rheinwasserpumpwerk in Sisseln. Foto: Walter Christen Ueli Schaffner beim Vermessen eines ausgewachsenen Turmfalken beim Rheinwasserpumpwerk in Sisseln. Foto: Walter Christen
Männlein und Weiblein kleiden sich verschieden: Der Farbunterschied zwischen dem Turmfalkenmännchen mit hellgrauem Kopf (links) und dem Weibchen ist deutlich. Foto: Walter Christen Der Farbunterschied zwischen dem Turmfalkenmännchen mit hellgrauem Kopf (links) und dem Weibchen ist deutlich. Foto: Walter Christen
Brrr, ist das kalt! Im Ei war's wärmer! Das Turmfalkengelege auf dem Sissler Getreidesilo mit einem eben aus dem Ei geschlüpften Küken (rechts). Foto: Walter Christen Das Turmfalkengelege auf dem Sissler Getreidesilo mit einem eben aus dem Ei geschlüpften Küken (rechts). Foto: Walter Christen
In Sisseln wird den Falken geholfen: Die Falkennisthilfe links unten an der Fassade des Getreidesilos beim Bahnhof Sisseln. Foto: Walter Christen Die Falkennisthilfe links unten an der Fassade des Getreidesilos beim Bahnhof Sisseln. Foto: Walter Christen

Jungfalken

Aargauer Zeitung

Walter Christen

Sisseln ist ein sehr gutes Revier für selten gewordene Tiere. So auch für den Turmfalken, der auf der Roten Liste als potenziell gefährdet eingestuft ist. In mehreren Nisthilfen, die der 73 Mitglieder zählende Verein für Natur und Umwelt Sisseln (VNUS), mit Präsident Josef Nietlispach an der Spitze, in den letzten Jahren an verschiedenen Orten für Greifvögel montiert hat, wachsen derzeit Junge heran: je vier in zwei Gelegen am Getreidesilo beim Bahnhof und weitere vier bei der Scheune in der Straussenfarm.

Familie Turmfalke frisst 1300 Mäuse

Familie Turmfalke, deren Kinderstube sich am Pumpwerk in der Nähe des Rheinufers befindet, besteht aus acht Köpfen. Das Elternpaar zieht sechs Junge gross. «Die Turmfalken sind nach 32 bis 35 Tagen flügge und werden selbst nach dem Verlassen des Geleges von den Eltern immer noch gefüttert. So vertilgt die ganze Familie innert zweier Monate sicher etwa 1300 Mäuse», rechnete der Ornithologe (Vogelkundler) Ueli Schaffner aus Gelterkinden vor, der die kleinen Greifvögel beringte.

«Sie erhalten einen Ring ums Bein, damit sie später jederzeit identifiziert werden können, wenn sie zum Beispiel irgendwo in eine Falle fliegen. Einen Sissler Turmfalken hat man schon in Innsbruck registriert und denselben Vogel später auch in Marokko erkannt - jedes Mal aufgrund der Markierung am Ring», erklärte Schaffner, der mit Projektleiter Martin Spiess von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zuerst das Elternpaar beim Pumpwerk einfangen konnte. Auch die beiden grossen Vögel wurden bei dieser Gelegenheit einer Kontrolle und Messung unterzogen.

«Wir sind froh, kümmert sich Ueli Schaffner auf vorbildliche Art und Weise um die Vögel», hielt Martin Spiess im Gespräch mit der AZ fest, «denn die Erhebung der Vogeldaten ist für unsere Forschungsarbeit von grosser Bedeutung».

Deshalb kletterte Schaffner aufs Dach des Pumpwerks, wo er - assistiert von VNUS-Präsident Nietlispach und dem ehemaligen Sissler Gemeindeammann Wilfried Käser - die an der Fassade hängende Nisthilfe, ein Holzkasten, aufs Dach hievte. Darin kauerten sechs muntere Turmfalken-Babys, die alle beringt und kontrolliert wurden.

«Die Kleinen sind gut genährt. Jedes erhält von den Altvögeln bis drei Mäuse pro Tag und somit sind sie bei guter Gesundheit. Obschon sie auf der Unterseite des Flügelansatzes von Milben befallen sind. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn die Parasiten verschwinden wieder, sobald die Vögel grösser geworden sind», stellte Ueli Schaffner bei seiner Kontrolle mit fachmännischem Blick fest.

Jeder Jungfalke wiegt 200 Gramm

Nach Bestimmung des Ornithologen sind die Nestlinge vom Pumpwerk zwischen 13 und 16 Tage alt. Es wurde sozusagen Mass genommen und eine allgemeine Kontrolle durchgeführt: Flügelspannweite und Gewicht wurden unter anderem auf einem Datenblatt notiert. Jedes der Jungtiere wiegt rund 200 Gramm. «Ein junger Turmfalke kann bis 250 Gramm auf die Waage bringen», erwähnte Schaffner. Also mehr als die Altvögel, von denen das Männchen vom Pumpwerk-Gelege 185 Gramm und das erst jährige Weibchen 214 Gramm wiegen, wie sich bei deren Wägung herausstellte, die von Ueli Schaffner durchgeführt wurde, nachdem die Nisthilfe mit den kleinen Turmfalken wieder an der Aussenwand des Pumpwerks hing.

Der Turmfalke ist ein auffälliger Greifvogel, der aufgrund seines Rüttelfluges gut erkennbar ist. Diesen nutzt der Vogel zur Beutesuche. Er schwebt dabei 10 bis 20 Meter über dem Boden an einer Stelle und hält Ausschau nach geeigneter Beute. Hat er eine Maus erspäht, greift er sie im Sturzflug, wobei er den Flug erst kurz vor dem Bodenkontakt abbremst.

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