Andrea Marthaler
Sie lebt schon länger nicht mehr in Schinznach, trotzdem vertritt Andrea Rodrigues an den Surf-Weltmeisterschaften ihr Heimatland. An der Schweizer Meisterschaft vom vergangenen September belegte sie den dritten Platz und ist jetzt Teil einer Achter-Delegation, die in Costa Rica für die Schweiz startet.

Schnell Fortschritte gemacht
Surfen lernte Andrea Rodrigues erst vor sieben Jahren. Gepackt hat sie das Surffieber aber richtig heftig. «Surfen wollte ich immer gern lernen. Als eines Tages eine Arbeitskollegin mit ihrem neuen Freund - einem Surfer - auftauchte, musste ich dies gleich ausnützen», sagt Rodrigues. Obschon die ersten Versuche nicht so erfolgreich waren, liess sie sich nicht unterkriegen. «Von da an verbrachte ich jegliche freie Zeit im Wasser und machte deshalb schnell Fortschritte.» Zwei Jahre später fuhr sie bereits an den ersten regionalen Wettkämpfen mit. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in diesem Jahr ist Rodrigues' erster grosser Erfolg.

In Brasilien verliebt
Vor neun Jahren zog es die Aargauerin nach Brasilien. «Nach meiner Lehre als Polygrafin wollte ich die Gelegenheit nutzen und für längere Zeit ins Ausland gehen.» Per Zufall fand sie eine Stelle in einem Übersetzungsbüro im Nordosten Brasiliens. Nach dem halbjährigen Praktikum wollte sie nicht mehr weg. «Ich hatte mich schon so richtig ins brasilianische Leben integriert. Ich liebte die Sprache, die Menschen, die Strände, das Klima», gerät Rodrigues ins Schwärmen. Zum Glück wurde ihr dann am bisherigen Arbeitsplatz eine Festanstellung angeboten.

Heute hat sich Andrea Rodrigues in Brasilien einiges aufgebaut. Sie lernte den Surflehrer Fabio Rodrigues kennen, heiratete ihn. Gemeinsam bewohnen sie ein kleines Haus in einer fürs Surfen bekannten Ortschaft und führen seit diesem Jahr ihre eigene Surfschule.

In den ersten Auslandjahren musste Andrea Rodrigues wegen Visaproblemen immer wieder nach Hause zurückkehren. Und auch in den letzten drei Jahren verbrachte sie jeweils zwei bis drei Monate
in der Schweiz, um Geld für ihren brasilianischen Traum zu verdienen. «Wieder in der Schweiz zu wohnen, kann ich mir im Moment nicht vorstellen», sagt Rodrigues. «Trotzdem verbindet mich vor allem der Kontakt zu Familie und Freunden mit der Schweiz.»