Loris Vernarelli

Die am Montag veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik malen ein düsteres Bild: Der Bestand an Leerwohnungen hat in den letzten zwölf Monaten schweizweit erneut abgenommen (bz von gestern). Während der Kanton Basel-Stadt genau im nationalen Schnitt von 0,9 Prozent liegt, dümpelt Baselland am Tabellenende: Die Leerquote beträgt magere 0,53 Prozent. Nur Genf (0,22%) und Zug (0,29%) schneiden noch schlechter ab.

Für die Tatsache, dass gegenüber dem Vorjahr immerhin 53 leere Wohnungen mehr auf dem Markt sind, hat Urs Thrier nur ein Lächeln übrig. «Im Baselbiet herrscht Wohnungsnot. Das Problem ist unverändert akut», sagt der Geschäftsführer des Mieterverbands (MV) Baselland. Und dieses wird sich so schnell auch nicht lösen. «Während in anderen Kantonen die Leerquote starken Schwankungen ausgesetzt ist, hat sie sich im Baselland in den letzten Jahren stets um die 0,5 Prozent bewegt. Trotz permanent hoher Bautätigkeit.» Die Ursache für diese Stagnation glaubt Thrier zu kennen: Der neue Wohnraum werde schnell wieder durch Personen aus Basel-Stadt, die dem Stadtkanton den Rücken kehren, absorbiert.

Die Wohnungsnot muss aber kein Dauerzustand bleiben, dessen ist sich Urs Thrier bewusst. «Doch so lange die Politik das Problem nicht als solches wahrnimmt, wird sich nie etwas ändern», betont der MV-Geschäftsführer. Er geht mit seiner Kritik noch weiter: Spreche man im Baselbiet über das Wohnen, würde sich alles um Eigenmietwert, Bausparen und Abzüge drehen. Es gebe im Kanton keine Wohnpolitik, sondern höchstens eine Wohneigentumspolitik.

Die Wohnpolitik, die Thrier vorschwebt, wäre geprägt durch die Schaffung von zahlbarem, familienfreundlichem Wohnraum. Hierfür sei es nötig, dass die öffentliche Hand auf dem Wohnungsmarkt aktiv werde, sagt er. Konkret heisst das: «Kanton und Gemeinden könnten etwa den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern.» Urs Thrier veranschaulicht seine These mit einem aktuellen Beispiel: «Die Gefahr, dass durch energetische Sanierungen bezahlbarer Wohnraum verschwindet, ist gross. Der Kanton könnte dies verhindern, indem er beim kantonalen Energieförderprogramm Rahmenbedingungen setzt.»

Genug brachliegender Wohnraum

Ein Eingriff der öffentlichen Hand in den freien Markt habe bisher eher weniger zu guten Ergebnissen geführt, gibt Markus Meier zu bedenken. Der Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Baselland sieht den tiefen Leerwohnungsbestand weniger als Problem, sondern als Zeichen dafür, dass «das Gesetz von Angebot und Nachfrage im Wohnungsmarkt spielt». Das sei auch gut so. «Schweizweit stehen laut der Bundesstatistik knapp 35 000 Objekte leer, was einer Fläche von rund drei Millionen Quadratmetern entspricht. Noch mehr brachliegenden Raum braucht es nicht.»

Meier räumt ein, dass Wohnen in der langfristigen Entwicklung teurer geworden ist. Das habe auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun. Die Komfortansprüche der Bevölkerung seien stetig gestiegen. «Ein Glaskeramikherd stellt heutzutage keinen Luxus mehr dar, sondern gehört zum gewohnten Anforderungsprofil», nennt Meier ein Beispiel. Zudem sei Bauen ein immer teureres Unterfangen, weil die immer dichteren gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden müssten.