Matthias Kessler

Gleich drei Fliegen auf einen Schlag: sportlich ein spannendes Etappenfinale, gesellschaftlich ein grosses Volksfest, marketingtechnisch eine gute Chance, die Vorzüge Dietikons und der ganzen Region ins nationale Bewusstsein zu rücken. André Arnet, Dietiker Gemeinderat und Präsident der CVP, will vom Stadtrat in einer Kleinen Anfrage wissen, ob die Bereitschaft bestehe, sich als Etappenstandort für die Tour de Suisse zu bewerben. Die Landesrundfahrt für Radprofis, eine der grössten hinter der Tour de France, dem Giro d'Italia und der spanischen Vuelta, wird jeweils an neun Tagen Mitte Juni ausgetragen; im nächsten Jahr erfolgt der Start am 12. Juni in Lugano, Endpunkt ist Liestal am 20. Juni.

«Die Tour de Suisse zieht jedes Jahr viele Radsportbegeisterte an», begründet Arnet seinen Vorstoss. Als Etappenstandort könne die Stadt, führt er aus, «nicht nur ihren Bekanntheitsgrad erhöhen, sondern auch den Erholungs- und Freizeitwert der Region gut vermarkten und so vermehrt Besucher ins Limmattal locken».

Gegen 160 000 Franken nötig

So gross der mögliche Nutzen, so umfangreich auch die notwendigen Vorbereitungen. Im Handbuch zur Etappenorganisation zur Tour 2010 hält die Organisatorin des Anlasses, die IMG, die International Management Group, auf 41 Seiten minutiös die Anforderungen fest: benötigte Infrastruktur, Gründung eines lokalen Organisationskomitees, Pflichtenhefte zu den neun Ressorts innerhalb dieses Komitees (vom Präsidium über das Sekretariat bis hin zum Verantwortlichen Animation).

Was bezüglich Kosten auf einen Etappenort zukommt, wird im Handbuch nicht aufgeführt. Der Einwohnerrat der Gemeinde Wettingen beispielsweise, am 15. und 16. Juni 2010 Etappenort, hat für die Ausrichtung der Veranstaltung einen Kredit von maximal 160 000 Franken bewilligt; man hofft jedoch, die Ausgaben der öffentlichen Hand durch Sponsorengelder zu entlasten. Enthalten ist auch ein Betrag an die IMG dafür, dass man Etappenort sein kann.

Für Wettingens Gemeindeammann Markus Dieth ist das Geld sinnvoll investiert: «Dieser Anlass bietet Wettingen eine ausgezeichnete Chance, sich einem breiten, überregionalen Publikum bekannt zu machen.» Der Gemeinderat wolle diesen Anlass zur Standortförderung nutzen, und auch für die Bevölkerung soll das Ganze «ein begeisterndes Ereignis sein», so Dieth.

Neue Brücke - Traum geplatzt

Ob der Dietiker Stadtrat gewillt ist, sich um eine Tour-Etappe zu bemühen, steht noch nicht fest; Arnets Anfrage wird derzeit bearbeitet.

Viel weiter fortgeschritten waren da schon die Anstrengungen Schlierens, den Start zur Landesrundfahrt im Jahr 2004 auszurichten. Im Oktober 2001 hatte der Schlieremer Stadtrat angekündigt, den Radsportevent ins Limmattal holen zu wollen. Dafür bewilligte das Parlament auf Antrag des Stadtrats 125 000 Franken, gerechnet wurde mit einem Budget von insgesamt 300 000 Franken.

Doch aus dem Vorhaben wurde nichts: Ein Jahr nach der Ankündigung trat zunächst der designierte OK-Präsident Heinz Hinteregger zurück, insbesondere deshalb, weil er das Zustandekommen des erhofften Volksfests nicht garantieren konnte. Der Grund: Der internationale Radsportverband liess sich Zeit bei der Festlegung des Wochentags. Hinteregger meinte damals, dass die Bevölkerung nur dann mitmache, wenn der Anlass an einem schulfreien Tag, am Mittwochnachmittag beispielsweise oder am Wochenende, stattfinden könne.

Damit war das Ende des Projekts eingeläutet. Knapp drei Monate später, im Dezember 2002, folgte schliesslich der Todesstoss. Die Stadt ihrerseits

gab den definitiven Verzicht bekannt. Durch den Neubau der Engstringerbrücke und die dadurch notwendigen Umleitungen sei Schlieren als Standort für die Austragung des Tour-Starts im Jahr 2004 nicht geeignet, lautete die Begründung

Lediglich ohne Halt unterwegs

Seither wurde das Limmattal von den Radprofis lediglich ohne Halt durchfahren - so im Jahr 2006 auf der Etappe von Bremgarten nach Einsiedeln, als es von Rudolfstetten her kommend über die Bernstrasse in Dietikon Richtung Schlieren, Unterenstringen und Weiningen und über den «Weininger» nach Regensdorf ging.