Schreiner
Ein Wettkämpfer mit Säge und Hobel

Bei den 37 Schweizer Teilnehmern an den Berufsweltmeisterschaften in Kanada im September ist ein Unterkulmer dabei: der Möbelschreiner Martin Maurer schreinert für die Schweiz um eine Medaille.

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Schreiner Martin Maurer

Schreiner Martin Maurer

Aargauer Zeitung

Peter Siegrist

Martin Maurer steht in der Werkstätte seines ehemaligen Lehrbetriebes in Kölliken und trainiert. Mit der Oberfräse schneidet er einen Bogen aus Massivholz heraus: zügig und präzis. Maurer bereitet sich über Wochen auf den Wettkampf in Calgary vor. Er bringt bereits Wettkampferfahrung mit. Im Frühling ist er bei den Möbelschreinern Schweizer Meister geworden. Der Weg zum Start in Kanada war lang und führte ihn über mehrere Wettkampfstufen: Berufsschule, regionale und nationale Turniere. Total sieben Wettkämpfe hat Maurer bestritten und ist dabei immer eine Stufe höher geklettert.

Der Weg nach Kanada führt gar über Glut

Am 1. September beginnen in der ehemaligen Olympia-Stadt Calgary die 40. Berufsweltmeisterschaften, World Skills. 37 junge Berufsleute werden für die Schweiz um Medaillen kämpfen. 850 Schreinerinnen und Schreiner haben bei der Ausscheidung mitgemacht. Die besten neun Kandidaten bildeten die Schreiner-Nationalmannschaft. Sie absolvierten seit Herbst 2008 vier Vorwettkämpfe und in Lugano im Frühjahr die Schweizer Meisterschaften. Die Schreiner können in zwei Disziplinen an der WM teilnehmen: als Möbelschreiner und als Massivholzschreiner. Alle neun Mitglieder der Nationalmannschaft haben an der Schweizer Meisterschaft die Aufgaben beider Berufe absolviert. Erst die Endauswertung entschied darüber, wer an der WM in welcher Schreinerdisziplin startet. Zur Vorbereitungsphase gehört nebst intensivem Training in der Berufsdisziplin auch die Teambildung. An verschiedenen Anlässen wurde das Team aller Berufe zusammengeschweisst. Sogar ein Feuerlauf über einen Glutteppich gehörte dazu, hier galt es zu lernen, Grenzen zu überwinden. (psi)

Schreiner mit viel Gepäck

«Wir Schreiner haben wohl am meisten Gepäck», sagt Maurer. Er nimmt sein eigenes Werkzeug und seine eigenen Maschinen mit. «Zwei Paletten mit 700 Kilogramm Gewicht.» Da hätten es die Friseure einfacher, meint Martin Maurer, «da reicht ein Köfferchen».

In Calgary treten 24 Schreiner aus 24 Nationen im Wettbewerb gegeneinander an. Genau 22 Stunden dauert die Arbeitszeit, aufgeteilt auf vier Tage. «Arbeitsbeginn, Pausen und Arbeitsschluss werden genau angezeigt», erzählt Maurer. Alle Schreiner arbeiten im selben Raum, hautnah beobachtet von den vielen Zuschauern.

Detailpläne, Holz und los

Am Start werden den Kandidaten von der Wettkampfleitung Pläne und Holz zugeteilt. «Die Zeit sei derart eng bemessen», erklärt Martin Maurer, dass nur diejenigen Erfolg haben könnten, die es gewohnt seien, unter Zeitdruck Pläne zu lesen und das Verlangte sofort umzusetzen. «Zeit zum lange Überlegen habe ich am Wettkampf nicht.» Allein das Lesen des Plans sei eine Aufgabe für sich. «Fehlende Massangaben muss ich sofort berechnen und einzeichnen. Von der Wettbewerbsaufgabe weiss Maurer nur so viel: «Wir werden aus Massivholz ein Möbelstück von Grund auf herstellen und montieren, bis zum Feinschliff.» Vier Elemente werden dabei einzeln benotet: der Aufriss aufs Holz, die Massgenauigkeit, die Verbindungen vor und nach dem Verleimen und das gesamte Möbel inklusive Oberfläche.

Training wie im Spitzensport

Alle Teilnehmer werden von einem Experten vorbereitet und investieren viel Zeit in das persönliche Training. «Ganz wichtig ist, dass ich, sobald ich den Plan in den Händen halte, die Arbeitsabläufe sofort erkenne», sagt Maurer. In seinem ehemaligen Lehrbetrieb, der Schreinerei Friedli AG in Kölliken, hat er die Gelegenheit, an seinem Arbeitsplatz zu trainieren - dies ausschliesslich während seiner Freizeit.

Schreiner war Wunschberuf

Martin Maurer hat bereits während seiner Schulzeit viel und gern gebastelt und mit Holz gearbeitet. So war die Berufswahl für den amtierenden Schweizer Meister leicht gewesen. Den ersten Wettkampf hat er als Berufsschüler gewonnen, damals hat er gelernt, vor Zuschauern unter extremem Zeitdruck präzis zu arbeiten.

Die Weltmeisterschaften in Calgary finden vom 1. bis zum 4. September statt. Die Schweizer Delegation fliegt bereits am 26. August nach Kanada. So bleibt vor dem Start etwas Zeit, sich mental vorzubereiten. Begleitet wird Martin Maurer von seinen Eltern und seiner Schwester. «Während der Wettkampfwoche werden wir von der Öffentlichkeit komplett abgeriegelt», sagt Maurer, «aber nachher bleiben noch einige Tage, um etwas vom Land zu sehen.» Maurer versucht, sich möglichst wenig Druck zu machen. «Ein Rang unter den ersten zehn wäre natürlich traumhaft.»

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