Urs Moser

Bildungsdirektor Alex Hürzeler macht keinen Hehl daraus: Auch sein Konzept für eine Schulreform in kleinen Schritten wird nicht ohne spürbare Kostenfolgen für Kanton und Gemeinden umzusetzen sein. Das dürfte noch einiges zu reden geben, denn gestern veröffentlichte Zahlen zu den Bildungsausgaben zeigen: Das Schulwesen im Aargau ist schon heute verdammt teuer.

Ob man nun den Anteil der Bildungsausgaben an den gesamten Staatsausgaben, den Anteil am Bruttoinlandprodukt oder die Bildungsausgaben pro Kopf der Bevölkerung nimmt: Der Aargau steckt mehr Geld in das Bildungssystem als andere Kantone - insgesamt rund anderthalb Milliarden jährlich. Gemessen am Anteil der Bildungskosten an allen Staatsausgaben geben nur vier, gemessen am Bruttoinlandprodukt und an den Bildungsausgaben pro Kopf der Bevölkerung sieben Kantone mehr Geld für das Bildungswesen aus. Auffallend ist das rasante Wachstum, das ebenfalls über dem Landesmittel liegt. Um über 70 Prozent sind die Bildungsausgaben im Aargau seit 1998 gestiegen, allein im letzten Jahr um 12,5 Prozent, im Jahr zuvor sogar um über 14 Prozent.

Der gestern publizierte Bericht, dem diese Zahlen entnommen werden können, umschreibt das Ziel der Bildungspolitik nüchtern: «Bedarfsgerecht und effizient Arbeitskräfte qualifizieren.» Wenn die Schweiz in Pisa-Studien trotz einem der weltweit teuersten Bildungssysteme schlecht abschneidet und die Bildungskosten im Aargau mehr oder weniger deutlich über dem schweizerischen Mittel liegen, dürfte der eine oder andere Politiker Zweifel äussern, wie effizient das Ziel hier bisher tatsächlich erreicht wurde.

Teure Gymnasiasten

Der Kostenvergleich fällt nicht auf allen Stufen gleich aus. Die öffentliche Hand wendet im Aargau 7700 Franken jährlich für ein Kindergartenkind auf, das ist mehr als im kantonalen Durchschnitt. Ein Aargauer Volksschüler (Primar- und Sekundarstufe) kostet 12 500 Franken, das ist weniger als im Landesmittel. Die Ausgaben pro Mittelschüler liegen dann mit 22 700 Franken wieder deutlich über, die für Studenten (Universität/Fachhochschule) ebenso deutlich unter dem Landesmittel. Die überdurchschnittlichen Kosten bei der Mittelschule werden übrigens hauptsächlich damit begründet, dass im Aargau im Gegensatz zu anderen Kantonen der Instrumentalunterricht grösstenteils vom Kanton finanziert wird. Ein Hinweis, der für die Diskussion über das geplante Angebot des Instrumentalunterrichts als Wahlfach auf der Primarstufe - jedenfalls dessen Finanzierung - nicht ohne Bedeutung sein dürfte.

Eine Milliarde für die Lehrer

Ein Löwenanteil der Bildungsausgaben fällt auf die Lehrerlöhne. Die Besoldungskosten für die Lehrkräfte schlagen im Aargau mit fast einer Milliarde zu Buche: 985 Millionen. Hier fällt zweierlei auf: Zum einen hat seit 1998 die Lohnsumme der Lehrkräfte um satte 30 Prozent zugenommen, während die Kosten für das übrige Staatspersonal praktisch konstant geblieben sind. Zum anderen ist es aber nicht etwa so, dass der Aargau hier im interkantonalen Vergleich einen besonders grosszügigen Eindruck erwecken würde: Jedenfalls liegt der Anteil der Lohnkosten für die Lehrkräfte an den gesamten Bildungsausgaben im Aargau mit 52 Prozent sogar mehr oder weniger deutlich unter dem schweizerischen Mittelwert von 55 Prozent. Die vermeintliche Diskrepanz erklärt das Departement Bildung, Kultur und Sport unter anderem mit der Verlängerung des Kindergartens auf zwei Jahre und der Lohnerhöhung für die Kindergärtnerinnen. Hier liegt neben Änderungen bei der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen etwa bei Sonderschulen oder der Berufsbildung im Übrigen auch ein wesentlicher Grund für das ausserordentliche Wachstum der gesamten Bildungsausgaben seit 2006. Was den Anteil der Lehrerlöhne am Total der Bildungsausgaben betrifft, wird darauf aufmerksam gemacht, dass diese Quote nicht in direktem Zusammenhang zum Lohnniveau stehen müsse. Ein Grund für die unterdurchschnittliche Quote könne auch sein, dass im Aargau für die anderen Sachgruppen (übrige Löhne, Sachaufwand, Investitionsausgaben) im Verhältnis mehr ausgegeben wird als für die Löhne der Lehrpersonen.