Jörg Meier

UNGELÖSTE KRIMINALFÄLLE beschäftigen die Menschen. Egal, wie weit sie zurückliegen. Sie sind auch ein dankbarer Stoff für Romane und Filme. Wenn sich ein ungewöhnliches Verbrechen jährt, wird häufig daran erinnert und der fürchterliche Tathergang nochmals im Detail erzählt; meistens Stoff, der einen schaudern macht und zu reden gibt.


DER 15. AUGUST - Maria Himmelfahrt - war der Tag, an dem sich im beschaulichen Büelisacker vor langer Zeit ein Raubmord ereignete. Um genau zu sein: vor 700 Jahren. Aber das Verbrechen war so ungewöhnlich, dass es bis heute nicht vergessen ist; mehr noch: 2 Kapellen erinnern ans schröckliche Verbrechen. Und am 15. August 2009 versammelte sich in Büelisacker eine ordentliche Anzahl Menschen, um der drei Opfer zu gedenken, ja, sie enthüllten gar noch eine imposante Gedenktafel.

UND DAS GESCHAH an jenem 15. August 1309: Die beiden Pilger Graf Erhart von Sachsen und Ritter Kaspar von Brunnaschwyl machten, zusammen mit ihrem Diener Heinrich, von Einsiedeln herkommend in Boswil Rast. Sie wurden zu einem Hochzeitsfest eingeladen und schenkten dem Paar zum Dank ein kleines Goldstück. Wegelagerer, die sich ans Fest geschlichen hatten, hielten die Pilger deshalb für reich. Sie lauerten ihnen bei Büelisacker auf, wollten sie ausrauben. Als sie erkannten, dass da nichts zu holen war, schlugen sie aus Frust den dreien die Köpfe ab. Die enthaupteten Pilger standen aber wieder auf, nahmen ihre Köpfe unter den Arm und wanderten weiter; der Graf und der Ritter über den Hügel nach Sarmenstorf, der Diener zurück nach Boswil, wo sie dann alle drei tot zusammenbrachen. Von den Tätern fehlt seither jede Spur; die drei Pilger aber blieben unvergessen und werden als «Angelsachsen» bis heute verehrt.

MAG JA SEIN, dass sich das alles nicht am 15. August 1309 ereignet hat. Mag sein, dass es sich, wenn überhaupt, nicht so abgespielt hat. Aber ist das wichtig?

joerg.meier@azag.ch