Agnes Portmann-Leupi

Das alte Schild «Erstes Schulhaus, erbaut 1740» hängt immer noch an der Hausfassade. An die Zeit des Abc-Büffelns erinnert neben der Zahl 1740, die nun für das Atelier steht, der alte Türrahmen. Eingekritzelt zeugen hier Herzchen, Initialen und Namen von einem vor über 260 Jahren empfundenen Seelenzustand. Die Renovationsarbeiten brachten den ehemaligen, hinter Verschlägen versteckten Eingang und das Fenster zutage. Das neue Atelier 1740 fasziniert als Ganzes zwischen dem Einst und Jetzt. Deckenbalken, altes Mauerwerk, aber auch rostiges Eisen und ein brandschwarz belassenes Stück Mauer signalisieren, dass der Raum später als Schmiede diente (siehe Kasten). Harmonisch wirken die fliederfarbige Wand und der grosse Spiegel. Kunstvolle Blumengebinde der Inhaberin Gabriela Schluep ziehen die Blicke auf sich. Kies bildet den Übergang von Wand und Bodensteinplatten. Grund dafür sind die schiefen, unebenen Wände.

Kreativ im Garten

Bewusst bezeichnet Gabriela Schluep ihre Vernissage als Öffnung. Sie will ihr Haus - dem Charakter des ehemaligen Schulhauses entsprechend - für möglichst viele Personen öffnen. Ihre Ideen für die Benutzung sind unbegrenzt. Einerseits denkt sie an eigene Workshops für Schulklassen und kleine Gruppen mit den Materialien Holz, Stein, Eisen, Schnittblumen, Gips. Der grosse Holztisch im Atelier deutet an, dass hier gewerkt, aber auch geplaudert und diskutiert werden darf. So kann der Raum etwa für Apéros, Kunstausstellungen, eine ungezwungene Geschäftsanalyse eines Kleinunternehmens, Gemeindeworkshops oder eine Supervision gemietet werden. Zum Konzept Atelier 1740 gehört der beflügelnde Garten. Fantasieanregende Arbeitsplätze locken unter dem geheimnisvollen Holunderbaum, dem Forsythiendach, den alten Fruchtbäumen, im Efeuhäuschen, in der Steinsitzecke, im Tipizelt oder zwischen Blumen und Gemüse.

Stabilisierte Pflanzen

Integriert ins Konzept ist das Haus mit Grundstück nebenan. Hier liegt das Reich des Geschäftspartners Marcel Schäfer. Draussen bietet eine «Hazienda» Platz für Feste bis zu 40 Personen, für ein Theater oder einen orientalischen Tangoabend. Im Innern kann ein schallisolierter Raum für kleine Events, Musik- oder Entspannungskurse gemietet werden. In absehbarer Zeit soll eine ganz besondere Art von «Take-away» angegliedert werden. Angebote und Preislisten sucht der Besucher vergeblich. «Die Ideen und Wünsche sollen in Gesprächen wachsen und festgelegt werden», sagt Gabriela Schluep, die eine weitere Spezialität ihr Eigen nennt, nämlich stabilisierte Pflanzen. Durch ein spezielles, aufwändiges Verfahren werden die geschnittenen Pflanzen mit ihren Eigenschaften haltbar gemacht. Gabriela Schluep entwirft und verarbeitet diese Pflanzen zu hohen Palmen, Kugelbäumen, Bonsais.» Diese echten Pflanzen brauchen weder Licht noch Wasser.»