Ein Tisch ist ein Tisch – chinesisch

Wer gestern Radio DRS 2 eingeschaltet hatte, kam an einer Nachricht nicht vorbei: Peter Bichsel wird am 24. März 75 Jahre alt. Aus dem Kreuz in Solothurn strahlte DRS 2 live eine Geburtstagssendung für Peter Bichsel aus.

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Kurz vor dem Start der Sendung

Kurz vor dem Start der Sendung

Solothurner Zeitung

Fränzi Rütti-Saner

Ab 14 Uhr traf sich eine illustre Gratulantenrunde in der Genossenschaftsbeiz Kreuz in Solothurn – Bichsels zweiter Stube –, um dem Dichter Geburtstagsgrüsse zu überbringen. DRS 2 sendete live.

Peter Bichsels Nervosität stieg knapp vor 14 Uhr. Und auch die Anspannung bei den Radioleuten legte sich erst, als Hans Ulrich Probst, Literaturverantwortlicher des Senders, seinen Ehrengast am Stammtisch begrüssen konnte. Zu diesen beiden gesellten sich nun abwechslungsweise Personen, die im Leben von Peter Bichsel eine Rolle spielten oder noch spielen – und dies waren nicht «nur» Literaten.

Verbale Geburtstagsgrüsse

«Das Lokal war mir immer wichtiger als das Lokale», sagte Bichsel und beantwortete damit gleich zwei Eingangsfragen von Probst auf einmal. Diejenige, nach der Bedeutung des «Kreuz» und diejenige nach dem Begriff «Heimat» für ihn. «Wo hätte ich anders leben sollen als hier. Wäre ich nach Frankfurt oder Aarau gezogen, hätten mich alle gefragt ‹warum dorthin?›. Also bin ich hier geblieben».

Die verbalen Geburtstagsgrüsse starteten mit Roberto Zanetti. Er erinnerte sich, wie Peter Bichsel ihm beim Verfassen der Wahlbroschüre, damals zum Gerlafinger Gemeindepräsidenten, geholfen habe. Ruth Schweikert widmete Bichsel den Text «was bisher geschah», und Jörg Steiner, alter Weggefährte aus Biel, erinnerte sich an Geschichten voller Zuneigung. Weiter ging es mit Gratulationen von Marguerite Miguel Misteli, Jürg Nägeli und Silvia Fröhlicher. Ben Jeger und Barbara Gasser, die beiden, die den Nachmittag musikalisch umrahmten, berichteten ebenfalls kurz von ihren ersten Begegnungen mit Bichsels Texten. Christine Le Pape Racine versuchte Bichsels Ängste vor dem Französischen zu nehmen. Ein Unterfangen, welches auch Regisseur Eric Bergkraut in seinem neuen Film über den Dichter «Zimmer 202», welcher in Kürze Premiere auf den Leinwänden feiert, ebenfalls unternahm.

Mit 12 Jahren schon Dichter

Für einen Höhepunkt sorgte Bichsel selbst, nämlich als Franz Hohler einen Aufsatz des damals 12-jährigen Oltner Primarschülers Bichsel vorlas. Schon damals, so analysierte Hohler, blitzte das Dichtertalent des Buben auf. Helene Walliman, Übersetzerin, schaffte es dann, den bekannten Beginn der Bichsel-Erzählung «Ein Tisch ist ein Tisch...» in einer chinesischen Übersetzung vorzutragen. «Jetzt hat ein Drittel der Weltbevölkerung Zugang zu Bichsels Text».

«Wie schafft es ein Dichter, gleichsam bei Suhrkamp und in der ‹Schweizer Illustrierten› präsent zu sein», fragte sich danach Autor Michael Mettler. Und Germanistin Beatrice von Matt bezeichnete Bichsel auch als einen Philosophen, während ihr Mann Peter von Matt Jeremias Gotthelfs prophetische Gabe auf Bichsel münzte und zitierte: «Im Solothurner Land sagen einem die Leute in den Wirtschaften, was die Glocke geschlagen hat.» Peter Weber schliesslich beschrieb Bichsels Schreiben im Zug.

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