Stau
Ein temporäres Nadelöhr

Eine Geduldsprobe speziell für die Automobilisten, die vom Norden her auf die Hardbrücke zusteuern: Vom 10. August an dürften sie wegen der Sanierung der Brücke länger im Stau stehen.

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Hardbrücke

Hardbrücke

Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

«Wir werden viele Leute verärgern.» Jürg Christen, Chef Verkehrssteuerung der Dienstabteilung Verkehr des Polizeidepartements, macht sich keine Illusionen. Vom 10. August an, wenn die Sanierung der Oberseite der Hardbrücke beginnt und nur noch zwei anstelle von vier Fahrspuren zur Verfügung stehen, dürfte es vor allem zu den Hauptverkehrszeiten zu längeren Staus kommen. Damit die städtischen Busse nicht im Stau stecken bleiben, sorgen zwei Lichtsignalanlagen an der Rosengartenstrasse dafür, dass nicht mehr Fahrzeuge auf die Hardbrücke gelangen, als diese verkraften kann.

Spurabbau: Die IG Westtangente hofft

Der Spurabbau auf der Hardbrücke bringt wohl auch der Bevölkerung an der Rosengartenstrasse etwas Erleichterung. Wie der Sprecher der IG Westtangente, der frühere SP-Kantonsrat Ueli Keller, zu verstehen gibt, dürfte die Kapazitätsreduktion aufzeigen, dass sich der Verkehr auf Dauer beschränken lässt. Er hält es zwar für zweifelhaft, dass sich auch der Kanton von der Notwendigkeit einer dauerhaften Kapazitätsreduk-tion überzeugen lässt, obschon es früher immer geheissen habe, die ganze Westtangente sei ein Provisorium; doch die beiden von der IG Westtangente eingereichten kommunalen Volksinitiativen für rasch zu vollziehende Verkehrsberuhigungsmassnahmen und für ein Rosengarten-Tram könnten für Druck sorgen, meint er. Thomas Stahel, Geschäftsführer von Umverkehr, würde es am liebsten sehen, wenn man die Hardbrücke zwischen dem Bahnhof Hardbrücke und dem Escher-Wyss-Platz abbrechen oder statt der Fahrspuren auf der Brücke einen Park einrichten würde. Er jedenfalls würde der Brücke keine Träne nachweinen. Aber das sei wohl eine utopische Forderung, räumt er ein. Immerhin: Der Kapazitätsabbau sei auch schon positiv. (abr.)

Äusserst dringlich

Die Sanierung ist, wie Vilmar Krähenbühl und Jürg Pfyl vom Tiefbauamt der Stadt Zürich zu verstehen gaben, hoch dringlich. Die Brücke ist seit 36 Jahren in Gebrauch, sie wird täglich von rund 70 000 Fahrzeugen benützt. Tragende Teile sind durch die Betonkorrosion gefährdet, die Schäden nehmen progressiv zu.

Eigentlich hätte man schon vor zwei Jahren mit den Sanierungsarbeiten beginnen wollen, doch Stimmrechtsbeschwerden führten zu einer Verzögerung sowie zu Zusatzkosten von rund 10 Millionen Franken. Jetzt rechnet man für die Brückensanierung mit 94,6 Millionen, wozu noch Aufwendungen von 5,6 Millionen für VBZ-Provisorien kommen.

Bereits begonnen hat man mit der Reparatur der Brückenpfeiler. Die Lager wurden verstärkt, um die Brücke erdbebensicher zu machen. Bereits begonnen hat man auch mit den Arbeiten für das Tram Züri-West, das unter der Hardbrücke sowie am Rand der Pfingstweidstrasse zum Bahnhof Altstetten geführt werden soll. Dazu kommen Arbeiten im Zusammenhang mit der Kapazitätsreduktion an der Westtangente; die Auffahrt auf die Hardbrücke vom Hardplatz her wurde bereits verschmälert.

Dank der Westumfahrung hat man bereits eine Verkehrsreduktion um 3 Prozent festgestellt - das ist nicht viel, doch mit dem Anfang der Bauarbeiten dürfte der Verkehr noch weiter abnehmen.

Je nach Baufortschritt sind immer andere Auf- und Abfahrten gesperrt. Zunächst wird die östliche Hälfte der Brücke saniert, dann die westliche. Die Arbeiten sollen im November 2011 abgeschlossen sein. Dann dürfte die Brücke wieder mindestens 25 Jahre halten.

Auch fürs Tram geeignet

Anschliessend steht dem motorisierten Individualverkehr in beiden Richtungen nur noch eine Fahrspur zur Verfügung; je eine Spur ist für die Trolleybusse reserviert. Bei Bedarf könnte diese Spur auch dem Tram zur Verfügung gestellt werden, wenn die politischen Behörden zum Schluss kommen sollten, der Wechsel vom Bus zum Tram sei wünschenswert. Mehr Platz gibt es auf der neuen Brücke für Fussgänger und Velofahrer.

Übrigens haben die Verkehrsexperten für die Automobilisten auch einen Rat bereit: Wer nicht in einen Stau geraten will, umfährt Zürich am besten oder versucht sein Glück vor 6 Uhr.

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