Am Ausgang des unteren Aaretals liegt der 1935 erbaute Klingnauer Stausee. Berühmt für seine Naturwerte, im Speziellen die reiche Vogelwelt, ist der See Anziehungspunkt für Erholungssuchende aus der nahen Umgebung, aber auch für Tagestouristen aus der ganzen Schweiz und aus dem nahen Ausland.

Vor der Aarekorrektion zwischen Böttstein und dem Rhein in den Jahren 1886 bis 1904 war die Schwemmebene bei Klingnau eine wilde und dynamische Flusslandschaft. Regelmässige Überschwemmungen führten zum Bau von Hochwasser-Schutzdämmen und zur Kanalisierung der Aare.

Pläne für Grossschifffahrt

Am 17. September 1929 wurde die Gesellschaft Aarewerke AG gegründet. Ursprünglich war ein Kanalkraftwerk vorgesehen mit einem Wehr bei Klingnau. Studien ergaben jedoch, dass es zweckmässiger sei, 400 Meter oberhalb der Eisenbahnbrücke Koblenz-Felsenau ein Wehr mit einer Zentrale zu bauen. Der Option einer künftigen Grossschifffahrt wurde in den Plänen Rechnung getragen. Im Herbst 1931 begannen die ersten Tiefbauarbeiten. Nach einer Bauzeit von knapp vier Jahren und einem Kostenaufwand von rund 41 Millionen Franken ging das Kraftwerk am 7. Juli 1935 in den Vollbetrieb. Mit dem Bau dieses Werks zur Ausnützung der untersten Gefällstufe zwischen Beznau und der Aaremündung konnte in der damals harten Krisenzeit auch ein willkommener Beitrag zur Arbeitsbeschaffung geleistet werden.

Anfänglicher Widerstand

Gegen die Gründung der Aarewerke AG und den Bau des Kraftwerks Klingnau wurde in den Zwanzigerjahren heftig opponiert, wobei der Widerstand hauptsächlich aus Konkurrenz- und Wirtschaftskreisen stammte. Aus Naturschutzkreisen wurde dagegen angekämpft, dass die Talsohle bei Klingnau von einem künstlichen See beherrscht werden sollte.

Mit dem Einstau von wenig ertragreichem Kulturland ist eine Flusslandschaft mit verschiedenen Pflanzenarten, Sümpfen, Auen und trockenen Kiesbänken untergegangen. Es wurde befürchtet, dass die Gegend aus botanischer und zoologischer Sicht verarmen würde. Der Kanton Aargau blieb standhaft. 1929 war das Kraftwerk beschlossene Sache. Die kritischen Personen wurden jedoch sowohl wirtschaftlich also auch naturschützerisch positiv überrascht. Die Energie wurde dank wirtschaftlichem Aufschwung knapper und der See entwickelte sich schon bald nach seiner Entstehung zu einem Vogelbiotop von europäischer Bedeutung. Mittlerweilen hat der Stausee als Brut-, Rast- und Überwinterungsplatz seltener Wasser- und Watvögel bei den Ornithologen einen besonderen Stellenwert. Dennoch darf diese positive Entwicklung nicht darüber hinweg- täuschen, dass eine wertvolle Auenlandschaft zerstört wurde.

Heute ist der Klingnauer Stausee mit der Landschaft verwachsen. Natur und Technik haben sich vertragen und es ist deshalb verständlich, dass das Staugebiet Klingnau mit den reizvollen Naturschutzreservaten Gippinger Grien, Giriz und Machme unzählige Ornithologen, Naturfreunde und Erholungssuchende anlockt.

Der 2004 am westlichen Ufer errichtete Beobachtungsturm ermöglicht es auch Laien, die Vögel auf dem See zu identifizieren: Tafeln auf der obersten Plattform zeigen die am häufigsten anwesenden Seebewohner.

Quelle: Ornithologische Arbeitsgruppe Klingnauer Stausee