Fussball

Ein Spektakel mit brutalem Ende

Boubacar Diarra vom FC Luzern, links,  und Aaraus Sandro Burki am Sonntag auf dem Brügglifeld.

FC Aarau

Boubacar Diarra vom FC Luzern, links, und Aaraus Sandro Burki am Sonntag auf dem Brügglifeld.

Der FC Aarau verliert nach einer beherzten Vorstellung gegen Erzrivale Luzern und kommt weiterhin nicht vom Fleck. Diese kapitale Niederlage ist ein weiterer Stich mitten ins Herz.

Felix Bingesser

Es war wie bei einem Klassentreffen einstiger Aarauer Fussballgrössen. Oben auf der Tribüne sass Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld, einige Reihen hinter ihm GC-Assistenztrainer Salvatore Romano, der in der Meistersaison erfolgreicher Stürmer des FC Aarau war. Und unten sassen mit Rolf Fringer, Petar Aleksandrov und Jeff Saibene weitere Exponenten des erfolgreichen Meisterteams von 1993 auf den Trainerbänken.

Derzeit kämpft der FC Aarau aber nicht um Meisterehren, sondern um die nackte Existenz in der höchsten Schweizer Spielklasse. Und auf dem Weg zu diesem Ziel gab es einen weiteren, einen besonders schmerzhaften

Nackenschlag. Denn die Aarauer waren über weite Strecken die aktivere Mannschaft, sie spielten sich von Beginn klare Möglichkeiten heraus. Doch als Konstante bei den FCA-Auftritten bleibt die fehlende Cleverness und Durchschlagskraft im Abschluss.

Stojkov und Lang verpassten die Führung, in der 22. Minute kam es gar zu einer «Dreifachchance»: Stojkov, dann Bastida und erneut Lang scheiterten an Luzern-Torhüter David Zibung. Und es wurde in diese Szenen deutlich, warum das Team bis zum gestrigen Auftritt in acht Saisonspielen mickrige fünf Tore erzielt hat. Es entspricht der viel zitierten fussballerischen Logik, dass bestraft wird, wer seine Möglichkeiten ungenutzt lässt.

Einen ersten Konter schloss Ferreira zur Gästeführung ab und weil die Aarauer danach kurzfristig die Übersicht verloren, nutzten die cleveren Gäste dies zum zweiten Kontertor. Doch die Aarauer zeigten eine bemerkenswerte Reaktion. Sie bewiesen Moral und zeigten in keiner Phase Zerfallserscheinungen.

Captain Sandro Burki verkürzte noch vor der Pause zum 1:2. Und auch in der zweiten Halbzeit hatten die Aarauer Möglichkeiten, die teilweise kläglich (Lehtinen) vergeben wurden. Trotzdem gelang der Ausgleich mittels Penalty durch den starken Stojkov. Was nun? Die Aarauer entschieden sich fatalerweise für die «Harakiri-Variante ». Sie suchten den Sieg, sie entblössten die Abwehr und die konterstarken Innerschweizer nahmen die Einladung an. Ferreira und Ianu bedankten sich und schüren in Luzern die Fussballträume. «Für uns ist in dieser Saison alles möglich», sagt der von den Aarau-Fans verschmähte «Judas» Cristian Ianu, der an allen vier Toren beteiligt war.

Trainer Rolf Fringer mahnt aber: «Wenn man oben steht, dann zieht man halt das Glück an. Aber wir müssen auf dem Boden bleiben.» Luzern muss auf dem Boden bleiben, Aarau ist schon da. Zumindest, was die Tabellensituation betrifft. «Unglücklich zu verlieren, hilft uns nicht weiter», sagt Trainer Jeff Saibene, der nach dem insgesamt «guten Auftritt» halt auch die vielen naiven individuellen Fehler anprangerte. «Und irgendwann muss man dann halt auch über die Qualität des Kaders reden.»

Einer wie David Marazzi wird sich jedenfalls auf eine «Verschnaufpause» einstellen müssen. Aarau hat für Unterhaltung und Spektakel gesorgt, steht aber ein weiteres Mal mit leeren Händen da. Die Luft wird dünn und dünner. «Es war ein bitteres Ende für Aarau», sagt Fringer. «Mit Komplimenten können wir uns nichts kaufen», sagt Saibene.

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