Flavio Fuoli

Mit grosser Freude und stiller Genugtuung haben die politischen Verantwortlichen das Ja an der Urnenabstimmung vor zwei Wochen zur Kenntnis genommen. Der Souverän bewilligte überdeutlich die 29 Millionen Franken für die Sanierung des Alterszentrums Weihermatt.

Für den Gesamtleiter bedeutet das Abstimmungsergebnis ein weiterer Meilenstein in seiner beruflichen Laufbahn. Alfred Sigrists Arbeit kommt vom Gemeinderat her eine derart wichtige Bedeutung zu, dass er seit dem 1. Januar 2009 Mitglied der Geschäftsleitung der Urdorfer Gemeindeverwaltung ist. Sigrist arbeitet seit 1. Juli 2008 in der Weihermatt, und es ist klar, dass man ihn aufgrund seiner Referenzen hierher und zu dieser grossen Aufgabe geholt hat.

Direktor einer Privatklinik

Sigrist, 58 Jahre alt, absolvierte eine Ausbildung als Speditionskaufmann, bildete sich in Betriebswirtschaft weiter, machte vor zehn Jahren in St. Gallen den Master in Gesundheitswesen und absolvierte eine Führungsausbildung. Er war einst am Unispital Assistent des Spitaldirektors, dann Geschäftsführer einer Stiftung für körperlich und geistig Behinderte im Brühlgut in Winterthur, er übernahm 1994 in Wiedikon ein Pflegeheim der Stadt Zürich mit 150 Betten und baute es auf. Zuletzt war er Direktor einer Privatklinik im Kanton Aargau.

Er stand vor der Frage, an diesem Belegarztspital partizipieren oder eine neue Aufgabe annehmen zu wollen, nachdem die Ärzte die Klinik übernommen hatten. Da suchte Urdorf eine Person, welche die Weihermatt weiterführen kann und die Voraussetzung und das Interesse mitbringt, das Bauprojekt mitzugestalten und die Herausforderung beim Bau bewältigen kann. «Diese Kombination hat mich fasziniert, deshalb habe ich mich beworben», sagt Alfred Sigrist, der schnell denkt und schnell, aber präzise spricht, «man hat mich wohl aufgrund meines Werdegangs ausgewählt.»

«Beitrag an Gemeinwohl»

Alfred Sigrist kommt im Verlaufe des Gesprächs rasch und ungefragt auf seine persönliche Seite. Es ist ihm wichtig, im Privatleben ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen, wie etwa im Altersbereich. Derzeit ist er auch Präsident einer Jugendmusik in Zürich. Er sei angefressener Handballer, habe einst in der NLA bei Amicitia gespielt und amtet heute noch als 2.-Liga-Schiedsrichter. Im Rotaryclub und in der Zunft Wiedikon ist er Mitglied. Dies diene der Vernetzung. «Ich bin nicht nur der Administrativmensch.» Weil der Umbau in Urdorf nun bewilligt ist, wird er das Musikpräsidium abgeben. «Ich wollte, weil ich privilegiert bin, immer auch etwas zum Gemeinwohl beitragen», ist sein Credo.

Vor grosser Herausforderung

Er werde bei der Ausführung des Umbauprojekts auf diversen Ebenen beschäftigt sein, blickt Alfred Sigrist voraus. Erstens gelte es den Alltag sicherzustellen, zweitens parallel eingebunden die Planung des Neubaus, wo es um Details geht, an die Hand zu nehmen und drittens die Frage nach dem Provisorium während der Umbauphase zusammen mit der Baugenossenschaft Azur anzugehen. Die Azur wird ihre noch zu bauenden Alterswohnungen bekanntlich während der Umbauphase des Alterszentrums als Ausweichstation für die Bewohner zur Verfügung stellen.

Wie wenn das noch nicht genug wäre, ist das Alterszentrum an der ISO-Zertifizierung. Das Ziel: Ende 2010 will man die Zertifizierung, die alle Prozesse im Altersheim dokumentiert, abgeschlossen haben, kurz vor dem Umziehen ins Provisorium im Frühjahr 2011.

Gefragt nach der schwierigsten Aufgabe zögert Alfred Sigrist nicht lange: «Der Spagat zwischen Alltagsgestaltung, die Provisorien zukunftsbezogen über die Bühne zu bringen und den Neubau innert kurzer Zeit zu planen ist sowohl für mich wie alle Beteiligten die grösste Herausforderung. Es gelte für ihn, die Leute zu motivieren und zu begeistern. «Das gibt einen Mittel-, keinen Langstreckenlauf.»

«Ein Generationenvertrag»

Das Alterszentrum Weihermatt werde sich auch personell verändern, da ist sich Sigrist sicher. «Die einen bleiben, die anderen werden wegen des Umbaus gehen. Das Personal wird sich an die Neuerungen gewöhnen müssen wie die Bewohner auch.» Deshalb werde er der Personalplanung und -rekrutierung vermehrte Aufmerksamkeit schenken müssen.

Stolz und Freude verspürt er wie die politischen Verantwortlichen über das Abstimmungsergebnis, das einen Ja-Anteil von fast 75 Prozent aufwies. «Es ist für uns eine Pflicht, gut damit umzugehen. Damit legen wir den Grundstein für einen Generationenvertrag in unserer Gemeinde.» Auch mit Blick auf andere Gemeinden, die ähnliche Abstimmungen verloren haben, komme diesem Ergebnis eine besondere Bedeutung zu. «Im Altersbereich sind wir in Zukunft für Grundbedürfnisse verschiedenster Problemstellungen gerüstet», ist Sigrist überzeugt.

«Will guten Beitrag leisten»

Schon Ende Oktober wird sich die Vertretung des Alterszentrums mit den Azur-Leuten treffen, um über zukünftige Synergien mit den Alterswohnungen zu sprechen. «Das wird uns im Betrieb fordern», denkt Sigrist, denn es gehe dabei um Serviceleistungen wie Hotellerie und Pflege, Bereitschaftsdienst, Essen oder etwa Wohnungsreinigungen.

Der Umbau des Alterszentrums kann als Chance verstanden werden. Alfred Sigrist: «Man erwartet einen Meilenstein. Ich freue mich darauf und möchte einen guten Beitrag dazu leisten.»