Solartonziegel

Ein Solarsystem mit Zukunft

Ein kreativer Kopf: Martin Bieri, CTO der Panotron AG, präsentiert «seine» Solartonziegel.

Solartonziegel

Ein kreativer Kopf: Martin Bieri, CTO der Panotron AG, präsentiert «seine» Solartonziegel.

Die Panotron AG aus Kirchberg (BE) hat ein neues System für die Gewinnung von zwei verschiedenen Energiequellen entwickelt. Ab diesem Herbst kann man warmes Wasser und elektrischer Energie dank den Solartonziegeln auf der selben Fläche produzieren.

Corinna Marti

Ein ästhetisch schönes Dach, das zusätzlich noch warmes Wasser und elektrische Energie produziert? Die Panotron AG hat es mit ihren Solartonziegeln möglich gemacht. Auf den ersten Blick kann man die Unterschiede zu herkömmlichen Tonziegeln kaum feststellen. Einzig das auf die Ziegel geklickte Solarmodul lässt erahnen, dass sich dahinter ein Solarsystem verstecken könnte.

«Die Idee von einem ästhetischen Solarsystem, geisterte mir schon einige Jahre im Kopf herum. Die herkömmlichen Solarkollektoren gefielen mir nicht», erzählt Martin Bieri, CTO der Panotron AG aus Kirchberg. Deshalb suchte er nach einer Möglichkeit ein Solarsystem zu entwickeln, das eine gute Leistung erbringt und zudem auch noch ästhetisch aussieht. Vor gut einem Jahr begann er dann mit der Entwicklung der Solartonziegel und ab diesem August wird das erste Dach in Rapperswil (BE) seinen Betrieb aufnehmen.

Eine Weltneuheit

Eigens für das Projekt «Solartonziegel» wurde die Panotron AG gegründet. Als Aktionär wurde explizit eine Ziegelei gesucht und mit der Ziegelei Rapperswil (BE) Louis Gasser AG auch gefunden. Bieri: «Diese Ziegelei ist ein Hightechbetrieb und hat extra für dieses Projekt einen entsprechenden Ziegel entwickelt. Die Ziegel entsprechen dem aktuellen Trend und sind in bis zu 12 Farben lieferbar. Sogar die Farben der Solarmodule können in verschiedenen Farben geliefert werden.»

Mit den bisherigen Solarsystemen konnte entweder warmes Wasser oder elektrische Energie produziert werden. Das neue Solarenergiesystem aus Kirchberg kann aber mit dem selben Energiemodul warmes Wasser und elektrisch Energie produzieren. «Mit unserem Solarenergiesystem kommt eine Weltneuheit auf den Markt. Die Solartonziegel füllen eine Marktlücke. Zudem ist das System sehr zukunftsorientiert und modular für die Kunden einsetzbar», meint Bieri stolz.

Aber wie funktioniert dieses neue System? Unter den Ziegeln befinden sich hohle Aluminiumprofile. Durch diese wird ein spezielles Glykolgemisch durchgepumpt. Durch die Sonneneinstrahlung erwärmen sich die Ziegel und dadurch auch das Glykolgemisch. Die erwärmte Flüssigkeit wird zu einem Warmwasserspeicher transportiert und dort gespeichert.

Das Glykolgemisch transportiert aber nicht nur warmes Wasser sondern auch Strom. Dieser wird von den Solarmodulen auf den Ziegeln produziert, kann aber im Gegensatz zum Warmwasser nicht gespeichert werden. Der erzeugte Strom wir deshalb in das Versorgungsnetz eingespiesen und kann bei Bedarf bezogen werden.

Wie viel Strom produziert werden kann, ist natürlich von der Anzahl der installierten Energiemodulen abhängig. Grundsätzlich gilt, dass 12 Energiemodule (entsprechen einem Quadratmeter) eine maximale Leistung von 72 Watt erbringen. Unabhängig vom Energiemodul, kann auf der selben Fläche über 100 Watt thermische Energie gewonnen werden.

Anfragen aus der ganzen Welt

Das Solarenergiesystem habe viele Vorteile, weiss Bieri. Dank der Integration der Solarmodulen brauche man in den meisten Fällen eigentlich keine besondere Baubewilligung mehr. Das System sei absolut massentauglich, da es sehr einfach zu montieren und installieren ist. Weil die Ziegel sogar begehbar sind, sei auch ein einfacher Unterhalt gewährleistet.

Das System der Panotron AG eignet sich nicht nur für Neubauten, sonder auch für Dachsanierungen. Das ganze Solarenergiesystem kann dank seinem Stecksystem von jedem Dachdecker installiert werden. Die Preise befinden sich im Moment noch im mittleren bis hohen Preissegment. Je mehr aber produziert werden kann, desto günstiger wird das System.

Gemäss Bieri kann man damit rechnen, dass die Preise schnell sinken werden, denn die Solartechnologie wird sich in Sachen Leistung laufend verbessern. «Wir haben bereits Anfragen aus der ganzen Welt erhalten, obwohl die Ziegel erst ab diesem Herbst auf den Markt kommen. Das Interesse an unserem System ist sehr gross», sagt Bieri.

Auf die Philosophie «für den Eigenverbrauch und nicht für den Verkauf produzieren» legt die Panotron AG sehr viel wert. «Mit unseren Ziegeln werden keine Kraftwerke hergestellt. Es soll für den Eigenverbrauch reichen, mehr Energie soll gar nicht erzeugt werden. Ausserdem sollte es den Kunden Spass machen, etwas Gutes für die Umwelt zu tun», betont Bieri.

Ein anpassungsfähiges System

Da die Solarenergiemodule jederzeit mit einer beliebigen anderen Solarzelltechnologie ausgewechselt werden können, ist das System sehr zukunftsorientiert. «Auch wenn in ein paar Jahren wieder neue Technologien auf den Markt kommen, welche vielleicht höhere Leistungen erbringen, funktioniert unser System immer noch. Denn die Solarmodule können je nach Kundenwunsch angepasst und ausgewechselt werden. So muss der Kunde keine Angst haben, dass er in ein paar Jahren nicht mehr auf dem neusten Stand ist», erklärt Bieri.

Auch die Anzahl der Ziegel mit Solarmodulen ist frei wählbar. Sie können dort eingesetzt werden, wo die Sonne hin scheint. Oder wenn das Budget nur für die Hälfte der gewünschten Ziegel reicht, kann die andere Hälfte auch später noch montiert werden. Der Kunde ist so flexibel und modular.

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