Ein Separee für Störenfriede

Die Obdachlosen in der Stadt Bern brauchen immer mehr Betreuung, da ihre Probleme zunehmen. Ein paar von ihnen aber verursachen immer mehr Probleme. Darum will die Stadt sie separieren.

Johannes Reichen

Die Arbeit wird denen, die sich in Bern um Obdachlose kümmern, nicht so schnell ausgehen. Im Konzept zur Wohnungs- und Obdachlosenhilfe der Stadt Bern werden die Aussichten als «düster» beschrieben. Mit der Wirtschaftskrise steige auch die Zahl der Sozialfälle an. Und für Menschen, die «auf der Kippe stehen», sagt Gemeinderätin Edith Olibet (SP), verschärfe sich die Situation, wenn sie etwa die Stelle verlieren und die Wohnung nicht mehr bezahlen können. Seit 2001 gibt es in der Stadt Bern ein Konzept für die Wohn- und Obdachlosenhilfe. Vor zwei Jahren wurde es einer umfassenden Überprüfung unterzogen. Das Konzept habe sich bewährt. «Es hat sich gezeigt, dass das Vierstufenmodell vom niederschwelligen bis zum betreuten Wohnen sinnvoll ist», sagt Olibet, die der Direktion für Bildung, Soziales und Sport vorsteht.

Vier private Trägerschaften leisten in Bern Obdachlosenhilfe. In deren Institutionen stehen den Obdachlosen insgesamt 200 Plätze zur Verfügung. 43 Plätze gibt es im niederschwelligen Angebot, wo die Bewohner minimal betreut werden. Im vergangenen Jahr wurden hier 15 713 Übernachtungen gezählt. Im betreuten Wohnen stehen für die Obdachlosen 72 Plätze bereit; hier gab es 23 081 Übernachtungen. 85 Plätze gibt es im begleiteten Wohnen, wo die Klinten in eigenen oder durch die Institutionen untervermieteten Wohnungen leben. Auch hier war die Auslastung gross.
Auch die Wohnungen im begleiteten Wohnen waren fast immer vermietet. Im Schnitt seien die Angebote zu 93 Prozent ausgelastet. Eine hundertprozentige Auslastung werde allerdings nicht angestrebt, da immer auch Notfallplätze zur Verfügung stehen müssten. In den vergangenen Jahren sei die Auslastung immer etwa gleich geblieben, sagt Markus Nafzger, Koordinator für Obdachlosenfragen.

Höhere Löhne

Angestiegen sind in den vergangenen Jahren dagegen die Kosten. Im Jahr 2003 gingen noch 2,12 Millionen Franken an die Obdachloseninstitutionen, 2008 waren es 2,19 Millionen, was einen Anstieg von 3 Prozent bedeutet. Für das nächste Jahr sind 2,58 Millionen Franken budgetiert, was innerhalb von zwei Jahren eine Zunahme von fast 400 000 Franken oder 17 Prozent bedeutet. Neben der Teuerung ist insbesondere die Anpassung der Löhne an die städtischen Richtlinien für diese Zunahme verantwortlich, so bei Wohnenbern und bei der Akib (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Bern). «Wir machen den Schritt von sehr tiefen zu etwas höheren Löhnen», sagt Olibet dazu. Bei der Heilsarmee ist zudem der Bedarf an Fachpersonal gestiegen. «Die Probleme der Obdachlosen werden immer grösser», sagt Olibet.

Junge Ruhestörer

Aber es gibt auch eine Gruppe von Menschen, die immer mehr Probleme verursacht und sich nicht an die Regeln hält. In den unterschiedlichen Institutionen «stören sie die anderen massiv», sagt Edith Olibet. Es handelt sich dabei vor allem um jüngere, suchtkranke Obdachlose. Das mittelfristige Ziel der Stadt sei es darum, eine Liegenschaft zu erwerben, um diese Menschen zu separieren, damit andere Bewohner in Ruhe gelassen werden, sagt die Sozialdirektorin. Auch in den bestehenden Liegenschaften ist Handlungsbedarf angezeigt. Sie genügen den heutigen Ansprüchen nicht mehr.

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