«Ein Schuss in die Weichteile war die beste Lösung»

Nach dem dramatischen Zwischenfall im Berner Bärenpark: a-z.ch hat den Raubtier-Experten René Strickler gefragt, wie man Bären am besten in die Flucht schlägt.

Adrian Eng

Herr Strickler, Sie leiten den Raubtier-Parks in Subingen, kann ein Vorfall, wie er im Berner Bärenpark geschehen ist, auch bei Ihnen passieren?
René Strickler: Unser Bärengehege ist mit einem 3.5 Meter hohen Zaun gesichert, der am oberen Ende noch einen Meter waagrecht nach aussen reicht. Da kann wohl niemand reinfallen. Aber ausschliessen kann man solche Vorfälle ja nie zu hundert Prozent.

In Bern hat man scharfe Munition verwendet, um den Bären zum Ablassen zu zwingen. Hätte man nicht auch eine Betäubungswaffe gebrauchen können?
Man hat in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild von Betäubungswaffen. Die Wirkung trifft dabei erst nach 12 bis 15 Minuten ein. In dieser Zeit hätte der Bär noch einigen Schaden bei dem Menschen verursachen können.

Wie sähe dies mit Gummischrot aus? Müssten die Tierpfleger beim Bärenpark nicht mit einer solchen Waffe ausgerüstet sein?
Die Polizei hat ja nur die scharfe Munition gehabt. Die Situation war so bedrohlich, dass man nicht hat warten können. Ich weiss nicht, ob es noch zu einem Warnschuss gekommen ist, aber ein Schuss in die Weichteile des Bären war sicher die beste Lösung. Zudem hat wohl niemand damit gerechnet, dass dort jemand reinklettert. Da müsste ja immer jemand bereit stehen. Ausserdem denke ich, darf auch mit ein wenig gesundem Menschenverstand rechnen, schliesslich handelt es sich beim Bären um ein gefährliches Raubtier. Jeder weiss, dass die gefährlich sind.

Wie hoch ist das Risiko für einen Tierpfleger, der das Gehege ja ab und zu betreten muss?
Wir bei uns haben einen anderen Zugang zu den Tieren. Ich habe täglich Kontakt und dressiere zum Beispiel die Löwen. Dadurch entsteht ein relativ enges Vertrauensverhältnis. In Bern ist das sicher anders, dort hören die Bären vielleicht noch auf einen Namen, aber die befolgen sicher keine Befehle. Schon gar nicht, wenn sich Leute in ihrem Territorium befinden.

Dann kann man den Verantwortlichen in Bern also keinen Vorwurf machen?
Ich denke, man hat das schon gut gemacht. Der Direktor des Bärenparks ist ein absoluter Fachmann.

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