Emmental Rundfahrt

Ein Rennen, das eigentlich gar keines ist

Kurzer Zwischenstopp: Bei den Verpflegungsposten können die Sportler frische Energie tanken.

Emmental Rundfahrt

Kurzer Zwischenstopp: Bei den Verpflegungsposten können die Sportler frische Energie tanken.

30 Jahre lang hat sich Hans Bögli für die Emmental Rundfahrt eingesetzt. Seine Pensionierung wird nicht nur für ihn, sondern auch für den Anlass eine Zäsur darstellen.

Marisa Cordeiro

Sie erweckt den Eindruck, als wäre sie eines - und dennoch ist sie keines: Die Emmental Rundfahrt, die kein Rennen ist, obschon sie mit Touren von 90, 120 beziehungsweise 150 Kilometern Länge, sowie einer 55-Kilometer-Biketour zu dieser Kategorie gezählt werden könnte.

Bis zu 800 Radfahrer in sportlichen Outfits nehmen Jahr für Jahr an diesem Anlass teil, bei dem es, laut den Organisatoren, vor allem um das Erlebnis geht. «Wer als erster im Ziel ankommt, feiert höchstens einen persönlichen Triumph», sagt Hans Bögli, Ehrenpräsident des Radvereins Ersigen und schmunzelt. Die Zeit wird nämlich nicht gemessen.

Dieses Wochenende findet die Rundfahrt durch die Weiten des Emmentals zum 30. Mal statt. Am Freitag werden die Organisatoren die Routen markieren, fünf Verpflegungsposten installieren und der Start, beziehungsweise das Ziel einrichten. Diese, inklusive Festwirtschaft und Anmeldung, wurden 1992 aufgrund der komfortablen Infrastruktur erstmals bei, beziehungsweise in der Werkhalle der Gartenbauschule Oeschberg installiert.

Hans Bölgli, der dort als Abwart der Gartenbauschule in einer Dienstwohnung lebt, war viele Jahre als Mädchen für alles vor Ort. Doch nächstes Jahr will er sich pensionieren lassen. Auf der Hand liegt, dass dies nicht nur für ihn, sondern auch für die Emmental Rundfahrt eine Zäsur darstellen wird.

Von Beginn weg erfolgreich

Die Organisation der 31. Ausgabe wird mit gewissen Hemmschwellen verbunden sein, mutmasst deshalb der heute 64-jährige Hans Bögli. Gleichzeitig will er sich zurückziehen und die Federführung nach und nach einem OK übergeben. Er, der die Emmental Rundfahrt gerne auch als sein Kind bezeichnet, denn: Vor 30 Jahren war er Mitinitiant und hat sich seither als einziger darum bemüht, den Rad-Tour am Leben zu erhalten.

Seine Helfer haben sich in all den Jahren mehrmals abgelöst. Bögli blickt zurück: Vor gut 30 Jahren hätte ein Veloboom eingesetzt. «Alles fuhr Velo.» Veranstaltungen seien vom Schweizerischen Radfahrer-Bund gefördert worden. «Und auf diesen Zug sprangen auch wir auf», sagt er und erinnert sich daran, als 1980 sich die Rundfahrt erstmals durch die Emmentalische Landschaft wand.

«Bereits damals wurden wir überrascht. Mit 200 Teilnehmenden wären wir zufrieden gewesen - tatsächlich kamen 500.» Inzwischen sei der Anlass schweizweit, ja sogar im angrenzenden Ausland bekannt. «Vermutlich hat sich herumgesprochen, dass er stets gut organisiert ist», sagt Bögli. So seien in den besten Jahren, Mitte der 90er also, bis zu 900 Radfahrer jeweils nach Koppigen anreisten.

Es erfordert gute Kondition

Noch heute stellt die Emmental Rundfahrt für Bögli ein Höhepunkt im Kalenderjahr dar. «Wenn die Radfahrer guter Laune ins Ziel einfahren», sagt er, sei das sei für ihn der schönste Moment, auf den er sich jeweils lange im Voraus schon freue. Aber wie gesagt, seine Ablösung hat er eingeleitet und ein vierköpfiges Team bereits in die Organisation eingeführt.

Gut 60 Helfer werden an den beiden Tagen des kommenden Wochenendes im Einsatz stehen. «Teilnehmen kann jeder, der sich auf zwei Rädern fortbewegt», sagt Bögli. Wirklich? Denn was simpel klingt, steckt vermutlich lange nicht jedermann weg.

«Oder sagen wir», korrigiert Bögli, «wer regelmässig zehn Kilometer zur Arbeit fährt, sollte mit der 90-er Strecke beginnen. Wer das Velogefühl aber nur von Sonntagsausflügen her kennt, bei dem könnten sich bald Rücken- oder Sitzbeschwerden einstellen.»

Bögli schätzt, dass fite Fahrer auf der 120-er Strecke durchschnittlich zwischen sechs und sieben Stunden unterwegs sind. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass 95 Prozent aller Teilnehmenden die Tour auch mit dem Rennrad bestreiten.

Weitere Infos unter www.rversigen.ch

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