Ein Quartier will seinen Ortsbus behalten

Soll bestehen bleiben: Die Gruppe Quartierläbe setzt sich dafür ein, dass die Haltestelle Weissensteinstrasse nicht aufgehoben wird. (Urs Lindt)

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Soll bestehen bleiben: Die Gruppe Quartierläbe setzt sich dafür ein, dass die Haltestelle Weissensteinstrasse nicht aufgehoben wird. (Urs Lindt)

Der neue Fahrplan verändert das Ortsbusnetz. Die Linie 14 wird neu gelegt und verkehrt nicht mehr durch die Weissensteinstrasse. Dagegen wehren sich Anwohner mit einer Petition und einem Brief an den Stadtpräsidenten.

Olivier Andres

Die Bewohner des Langenthaler Quartiers Dreilinden - Oberhard - Weissensteinstrasse - Bäregg kämpfen um ihre Haltestellen des Ortsbus. Mit einer Petition und in einem Brief an den Stadtpräsidenten Thomas Rufener (SVP) formulierte die Gruppe Quartierläbe zwei Wünsche: «Die Haltestelle Weissensteinstrasse soll aufrechterhalten bleiben», und die Anschlussbedingungen an die Fernverkehrsverbindungen zum Bahnhof sollen mittels Viertelstundentakt verbessert werden.

Linie 14 umfährt den Bahnhof

Damit reagieren die Anwohner auf den Angebotsbeschluss des Ausschusses Regionale Verkehrskonferenz Oberaargau (RVK). Mit dem Fahrplanwechsel bringt dieser wesentliche Veränderungen des Ortsbusnetzes mit sich (wir berichteten). «Konkret beinhaltet dieser Beschluss ein neues Fahrzeug für Langenthal», sagt Stadtpräsident Thomas Rufener, der auch Vizepräsident der RVK ist. Dieses werde auf jener Linie mit den stärksten Frequenzen eingesetzt. Ab dem 13. Dezember wird der Stadtbus der Linie 13 auf der bisherigen Strecke (Gaswerk-Bahnhof-Spital) daher im Viertelstundentakt verkehren können.

Neu gelegt wird dagegen die Linie 14. Hier komme es zu einer Entflechtung mit dem Regio-nalbus 1 Langenthal-Bützberg- Herzogenbuchsee, sagt Rufener. Der 14er fährt ab Dezember von Schoren direkt ins Stadtzentrum und weiter nach Lotzwil; der Bahnhof sowie die Haltestellen im Hard-Quartier werden nicht mehr bedient. Während die Haltestellen Sportanlagen und Weissensteinstrasse aufgehoben werden, wird der Regionalbus die Stationen Zelgli und Dreilinden auf der neben der Weissensteinstrasse verlaufenden Bützbergstrasse neu durchgehend jede halbe Stunde anfahren. Dies stelle das Quartier vor eine «neue Ausgangslage», sagt Rufener.

Regionallinie keine Alternative

Mit dieser Situation wollen sich einige Anwohner nicht abfinden. Dass zwei Haltestellen im Quartier «stillschweigend» aufgehoben werden, sei «mehr als irritierend» schreiben sie an den Stadtpräsidenten. «In den letzten Jahren entwickelte sich das Quartier stetig.» Zahlreiche neue Wohnbauten seien entstanden und bestehende Gebäude seien umgenutzt worden.

Unter den Ortsbusbenutzern, die an der Haltestelle Weissensteinstrasse einsteigen, befänden sich zudem zahlreiche Eltern mit Kindern sowie alte und behinderte Menschen. Diese seien in die neuen, hindernisfrei gebauten Wohnungen gezogen, «für die in Inseraten mit dem Vermerk ‹Bushaltestellen in der Nähe› Werbung gemacht wird», so die Petitionäre weiter.

Für die Anwohner stellt dabei die Taktverdichtung der Regionallinie 1 keine Alternative dar: «Bevor die öV-Benutzer die zusätzlichen 380 Meter von der Haltestelle Weissensteinstrasse zur neu geplanten Haltestelle im Zelgli zurücklegen müssten, sind sie schon ebenso viele Meter oder noch mehr von ihrer Wohnung herkommend unterwegs», heisst es im Brief an den Stadtpräsidenten. Kein Verständnis zeigen die bisher 13 Unterzeichnenden auch dafür, dass der 14er den Bahnhof zukünftig umfahren wird: «Ein Ortsbus in Langenthal, der den Bahnhof links liegen lässt, ist für uns unvorstellbar.»

Keine zusätzliche Sitzung

«Wir nehmen die Anliegen der Anwohner ernst», sagt Thomas Rufener. Er weist aber auch darauf hin, dass bei der Planung im öffentlichen Verkehr immer Kompromisse eingegangen werden müssten. «Eine Taktverdichtung ist nicht überall möglich.» Zwar weise die Haltestelle Weissensteinstrasse eine gute Nutzungsfrequenz auf, doch könne der Regionalbus nicht durch die Weissensteinstrasse fahren und gleichzeitig die Haltestellen an der Bützbergstrasse bedienen. Mit der neuen Linienführung des 14ers würden aber nicht nur bestehende Haltestellen aufgehoben, sondern auch neue eingerichtet, betont Rufener.

Bis Ende August sammelt die Gruppe Quartierläbe Unterschriften für ihre Petition. Sobald diese eingereicht worden sei, werde der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheiden, sagt Rufener. Dabei sei auch ein Treffen mit einer Delegation der Petitionäre denkbar. Persönlich ist der Stadtpräsident jedoch nicht der Meinung, dass die RVK auf ihren Beschluss bezüglich Linienführung zurückkommen muss. Eine ausserordentliche RVK-Sitzung im August - wie vom Huttwiler Gemeinderat und RVK-Mitglied Adrian Wüthrich (SP) am Wochenende gefordert - hält Rufener daher nicht für notwendig.

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