Susanne Hörth

Unterwegs im Freien ist es nichts Aussergewöhnliches, wenn wir Amseln, Spatzen, Krähen und Co. auf kleinstem Raum begegnen. Wer hat nicht schon wegen einer furchtlosen, auf der Strasse herumstolzierende Krähe seine Autofahrt verlangsamen müssen? Wer kennt nicht die Spatzen, die während der Gartensaisonzeit den einen oder andere Krümel direkt vom Tisch stibitzen? Wenn sich aber unter diese heimische Vogelschar ein grosser grauer Vogel mit leuchtend roten Schwanzfedern und kräftigem gekrümmtem Schnabel mischt, so ist das schon etwas sehr Aussergewöhnliches.

Denn Papageien, um einen solchen Vogel handelt es sich in diesem Bericht, sind keine Tiere, die sich bei uns frauen- oder herrenlos allein im Freien aufhalten, geschweige denn auf öffentlichen Strassen herumhüpfen. Geschieht dies dennoch, ist Engagement gefordert. Und genau dieses haben ein paar beherzte Personen am Donnerstagabend in Stein auch gezeigt. Nachdem sie in der Rütistrasse den grauen Vogel wild flatternd entdeckten und von einem Besitzer weit und breit keine Spur war, entschlossen sie sich, das Tier einzufangen. An Menschen anscheinend gut gewöhnt, war es glücklicherweise auch kein Problem, den Papagei «zu schultern».

Temporäres Zuhause

Aber wohin nun mit dem Findeltier? Gibt es da nicht in Kaisten eine Frau, bei der Tiere aller Arten eine Zuflucht finden können? Ein Telefon bei Monika Spoerlé, der Betreiberin des Kaister Tierlignadenhofs, bestätigte dies. Sicher könne der Vogel, bis seine Besitzer ausfindig gemacht würden, bei ihr platziert werden. Und so hat Papagei «Graufeder» auf dem Tierlignadenhof ein temporäres Zuhause gefunden.

Auf solche und ähnliche Notfälle ist Monika Spoerlé immer eingerichtet. Ein grosser Vogelkäfig wurde den Bedürfnissen des Papageis entsprechend bereitgemacht. Seiner Umwelt sehr freundlich gesinnt, bezog der «Gefiederte» auch umgehend seine Hotelsuite, machte sich hungrig über das bereitgestellte Futter her. Die vielen Hunde und Katzen, die neugierig ihren neuen Mitbewohner beäugten und gar beschnupperten, störten den Papagei überhaupt nicht. «Er scheint andere Tiere gewöhnt zu sein», so Monika Spoerlé.

Wenn auch vom schönen Tier sehr angetan, möchte sie schnellstmöglich dessen Besitzer ausfindig machen. Zahlreiche Telefonate wurden deshalb bereits geführt. Doch weder eine Anfrage auf der Steiner Gemeindeverwaltung noch bei der Polizei ergaben etwas Neues. Niemand scheint den freundlichen, beringten Grauen zu vermissen beziehungsweise hat eine entsprechende Vermisstmeldung aufgegeben. Vielleicht haben die Besitzer noch nicht festgestellt, dass ihr gefiederter Freund ausgebüxt ist?

Mittlerweile hat es sich dank den vielen bereits getätigten Anrufen herumgesprochen, dass beim Tierlignadenhof ein Papagei abgegeben worden ist. Eine Frau hat sich bei Monika Spoerlé gemeldet. Sie vermisse schon länger ihren Graupapagei. Doch die von ihr angegebene Nummer deckte sich nicht mit derjenigen auf dem Ring des Findeltieres.

Wer seinen Papagei vermisst, soll sich bei Monika Spoerlé, 062 874 24 70, melden. Sie wird das Tier aber nur herausgeben, wenn der Anrufer auch die richtige Ringnummer nennen kann. Diese Vorsichtsmassnahme ist nötig, um zu verhindern, dass der Vogel nicht in den falschen Händen landet.