Andrea Mašek

Bis zu zwei Stunden braucht Nick Laurent, um sich für ein Date bereit zu machen. Er legt grössten Wert auf Sauberkeit, glatte Rasur, lässig-elegante Kleidung, meist in schwarz - wobei es drunter sehr sexy sein darf, mit coolen Netz-Boxershorts etwa. Und er meditiert, befreit sich damit vom Alltagsstress, wie er sagt, und geniesst die Vorfreude auf die paar Stunden oder die Nacht, die vor ihm liegen: «Ich freue mich immer darauf, jemanden kennen zu lernen oder jemanden wieder zu sehen.»

Der Basler sucht den Kontakt zu den Menschen und findet ihn als Callboy, insbesondere den Kontakt zu den Frauen. Weil er sich selber in den Frauen erkennt. «Ich akzeptiere meine weibliche Seite», erklärt er und fügt lachend hinzu: «Meine Frau sagt, ich sei eine Tussi.»

So kommt der 32-Jährige aber nicht rüber - trotz der langen Haare, wobei er diese auf Wunsch seiner Frau hat wachsen lassen und sie lässt, weil er damit bei den Kundinnen ankommt. Er ist 1,85 Meter gross, gut gebaut, schaut aber zweifelnd an sich hinunter. «Ich bin kein Chippendale», meint er. Er esse halt meist nur einmal pro Tag, abends. Ausser sonntags, da geniesse er ein gutes Frühstück mit Konfi-Schnittli, meint er verklärt und wirkt herzig jung.

Jugendlichen Eifer legt er auch an den Tag, wenn er weiter darlegt, wieso er als Callboy arbeitet: Er sucht das Prickeln. «Es ist jedes Mal ein Spiel.» Sex - und in den meisten Fällen läuft es auf Sex hinaus - macht ihm Spass. Dabei spiele er aber nur die zweite Rolle, an erster Stelle komme die Kundin, die es zufrieden zu stellen gelte, mit viel Gefühl.

Sind Gefühle in diesem Geschäft nicht verboten? Nicht für Laurent. «Emotionen sind immer dabei, ich bin nun einmal ein emotionaler Mensch», sagt er. Auch in seinem Tagesbürojob - er arbeitet in einer Maschinenbaufirma - verfolge er Projekte mit grösster Leidenschaft. Doch seine Gefühle gehen nie zu weit. Ist Feierabend, ists fertig mit den Gefühlen. Dann geht er heim zu seiner Frau.

Er sei glücklich verheiratet, habe eine tolle Frau. «Wir sind eine Einheit, ein Team», erklärt er ernst. Als er als Callboy anfing, sei das für seine Frau schon schwierig gewesen - obwohl sie selber als Stripperin und Porno-Darstellerin arbeitet. Doch sie hätten die Entscheidung gemeinsam getroffen. Sie würden zwar nie über seinen Job reden, doch sie wisse immer, wo er sei und für wie lange.

Laurent steht offen zu seiner Nebenbeschäftigung. Die Familie, Kollegen, sein Chef wissen Bescheid. Er hatte auch schon manchen Medienauftritt. Geschadet hat ihm das nie, obwohl Diskretion für einen Callboy oberstes Gebot ist. Im Gegenteil, er kriegt im Anschluss viel Fanpost und Anfragen. Aber auch gehässige Zuschriften, von Männern. Er lebe seinen Traum, meint er, und nimmt alles mit Humor, sich selber auch.

Das sei wohl ein Grund wieso sein Geschäft so gut läuft. Geschätzt werden aber auch sein Einfühlungsvermögen, seine Zärtlichkeit, sein Können im Bett oder wo immer. «Wir tuns auch auf dem Boden, dem Küchentisch oder unter der Dusche», lächelt er. Er tuts aber nur mit Gummi. Was er nicht tut: Er machts nicht mit Männern und lehnt Sado Maso ab.

Da kommt das Gut-Bürgerliche in ihm durch, das er auch brauche, wie er zugibt. Dies halte ihn auf dem Boden, ansonsten würde er zu viel abheben. In seiner Freizeit hebt er nicht ab, sondern geht in die Tiefe: taucht ins Mittelmeer ab oder ins Mittelalter. Das sorgt dann wieder für Gesprächsstoff bei den Dates, denn als Callboy muss man gebildet sein.

Nick Laurent ist heute Gast bei Aeschbacher, um 22.20 Uhr auf SF1.