Ein Mal im Leben Steuern hinterziehen ist erlaubt

In der Schweiz gilt seit Anfang Jahr eine Mini-Steueramnestie, von der jeder und jede einmal im Leben profitieren kann. Wer hinterzogen hat und sich jetzt selbst anzeigt, muss die sonst fällige Busse nicht zahlen. Nachsteuer und Verzugszinsen müssen gleichwohl bezahlt werden.

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Klingnauer zahlen weniger Steuern

Klingnauer zahlen weniger Steuern

Erste im «Sonntag» publizierte Zahlen aus den Steuerämtern im ganzen Land lassen noch keinen Run erkennen. Das erstaunt den Vorsteher des Aargauischen Steueramtes, Dave Siegrist, nicht. Das Jahr hat erst begonnen, viele überlegen offenkundig noch, ob sie die Gelegenheit nutzen wollen.

Noch keine grossen Fische

Bisher sind im Aargau 24 Selbstanzeigen eingegangen. Dabei kamen laut Siegrist bisher drei Millionen Franken Vermögen zum Vorschein. Bund, Kanton und Gemeinden kassieren aufgrund der 24 Selbstanzeigen 250000 Franken Steuern. «Grosse Fische» haben sich bislang also nicht gemeldet. Tröpfelt es so langsam, weil die Amnestie zu wenig attraktiv ist, wie der Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, Christian Wanner, glaubt? Siegrist erwartet schon, dass noch grössere Beträge zusammenkommen werden.

Wirklich attraktiv wäre eine grosse Amnestie, wie es sie in Italien alle paar Jahre gibt. Die letzte in der Schweiz war 1969. Damals kamen in der Schweiz mehrere Milliarden Franken zum Vorschein. Könnte so etwas erneut einschenken? Siegrist ist grossen Amnestien gegenüber äusserst zurückhaltend. Bei «regelmässigen» Steueramnestien stellen sich Steuerhinterzieher darauf ein und hinterziehen gleich wieder – in Erwartung der nächsten Amnestie, mahnt Siegrist. Zurückhaltung gebiete sich auch aus Steuergerechtigkeitsüberlegungen heraus. Die meisten zahlen schliesslich die Steuern ordentlich. Sie stört es sehr, wenn Steuerhinterzieher bei einer Amnestie gratis davonkommen.

Weniger Steuerabschreiber

Im Gegensatz zu verbreiteten Alarmrufen über eine sinkende Zahlungsbereitschaft in der Schweiz stellt Siegrist im Kanton Aargau eine steigende Steuerbezahlungsmoral fest. 45 Prozent der Steuern werden im Aargau (wohl vorab dank einem attraktiven Skonto) schon im Frühling bezahlt. Und per Ende 2009 betrugen die Ausstände «nur» noch 14,5 Prozent. 2004 hatten Ende Jahr noch 20 Prozent gefehlt. Siegrist führt die Verbesserung auch auf ein gestärktes Augenmerk beim Steuerinkasso zurück. Letztlich müssen Kanton und Gemeinden von den veranlagten Steuern «nur» 0,7 Prozent abschreiben. Das kostet sie je 10 Millionen Franken jährlich. Auch hier ist ein positiver Trend erkennbar. In den letzten Jahren konnten die Abschreibungen laut Siegrist von rund 1 auf 0,7 Prozent reduziert werden. (MKU)