Luchs
Ein Luchs vor den Toren Aaraus

«R 98» tappte am 23. März in Erlinsbach in die extra für ihn aufgestellte Fotofalle Jetzt ist der Nachweis erbracht. Ein Luchs hat sich den Aargauer Jura als Lebensraum ausgesucht.

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Luchs Aarau

Luchs Aarau

Aargauer Zeitung

Warum heisst der Luchs R 98?

Luchse mit Sender bekommen schöne Namen wie Luno, Turo. Nichtbesenderte werden nummeriert. Ein Luchs, von dem ein unscharfes Bild existiert, kriegt ein «U» für unbestimmt. Für ein gutes Bild von dessen linker Flanke gibt es ein «L» für links. Ist die rechte Flanke drauf, gibt es ein «R» wie in unserem Fall. Dazu kommt eine Laufnummer. Unser Luchs ist «R 98». Sobald von ihm auch ein Bild von links auftaucht, wird aus ihm «B 98» (B steht für «beide Flanken»)

Schliesslich wollte es Sektionschef René Urs Altermatt genau wissen. Im Aargauer Jura stellten lokale Jagdgesellschaften in Zusammenarbeit mit der kantonalen Jagdverwaltung Anfang Januar entlang von Wildwechseln in bewaldetem, felsigem Gebiet, das Luchse lieben, sechs Fotofallen auf. Die Fallen wurden für drei Monate installiert (und inzwischen wieder abgebaut).

Diese drei Monate decken die Paarungszeit der Luchse ab, in der sie viel unterwegs sind. Da ist die Chance am grössten, einen zu fotografieren. Und siehe da: Am 9. März tappte in Erlinsbach bei Aarau ein Prachtsexemplar von einem Luchs ein erstes Mal und am 21. und 23. März wieder in die Fotofalle. Unser Bild wurde am 23. März «geschossen».

«R 98» vorher noch nie fotografiert

Woher kommt der Luchs? Wer ist er? Er ist nicht besendert, und die Spezialisten der schweizerischen Fachstelle für Raubtiermanagement Kora konnten ihn auch nicht identifizieren. Ein Luchs mit diesem Fellmuster wurde bisher nicht fotografiert. Auch nicht im Solothurner Jura, wo die nächste Population lebt. Ergo hatte er bisher auch keinen Namen. Die Kora-Spezialisten nennen ihn jetzt «R 98» (vgl. Kästchen).

Wo fühlt sich bei uns ein Luchs wohl? Potenzielles «Luchsland» sind die stark bewaldeten Felsköpfe und Grate Wasserfluh, Homberg, Geissberg, Lägern. Und wie beurteilt Thiel die Haltung der Jäger zum Luchs? Er sieht solche, die sich sogar freuen. Einige nähmen ihn einfach zur Kenntnis, andere seien kritisch eingestellt, weil der Luchs den Bestand von Rehen und Gämsen reduziert.

Kein Einfluss auf Wildschweinbestand

Die Hoffnung von Grossrat Peter Jean-Richard (sp, Aarau), der sich in einem Vorstoss erkundigt hat, ob Luchse bei der Regulierung der zu grossen Wildschweinbestände im Kanton eine Rolle spielen könnten, wird aber wohl nicht erfüllt. «Bei der Regulation des Wildschweinbestandes spielt er keine Rolle, sagt René Urs Altermatt. Warum? Thiel: «Weil Wildschweine eine dicke Schwarte aufweisen, die ein Luchs kaum durchbeissen kann, und weil sie sehr wehrhaft sind. Zudem sind Frischlinge, die ins Beuteschema passen könnten, immer in Begleitung des sie schützenden Muttertiers.

Ein Luchs hat ein Territorium von 120 bis 220 km2 und legt weite Distanzen zurück. So wurde das im Toggenburg freigelassene, besenderte Luchsweibchen Aika 2003 im Raum Baden nachgewiesen. Aika wanderte weiter und jagt heute im Raum Glarus/Schwyz. In der Schweiz leben etwa 100 Luchse in freier Wildbahn. Dem «Aargauer» Luchs wollen die Behörden auf der Spur bleiben.