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Ein lichtes Haus für all die Noten

Pünktlich – nach elf Monaten Bauzeit – wird die im Minergie-Standard gebaute Bibliothek der Musik-Akademie am Montag eingeweiht.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Christian Fluri

Die neue Bibliothek im Hinterhof hinter dem Hauptgebäude der Musik-Akademie Basel ist - von aussen gesehen - ein ungemein eleganter Pavillon aus Glas und Beton, ein wahrhaft einladendes Gebäude mit hellen edlen Parkettböden. Was für ein Kontrast zur alten engen, langsam stickig gewordenen Bibliothek im Hauptgebäude. Schön geordnet und übersichtlich ist hier alles präsentiert - all die Partituren, Noten, Gesamtausgaben, Musikbücher, Tonträger und weiteres mehr. Grosszügig ist das Raumangebot, ebenso das Angebot an Arbeitsplätzen. Hier lässt sich wunderbar und konzentriert arbeiten.

«Vera Oeri Bibliothek» heisst der von Vischer Architekten + Planer, vor allem von Mitinhaber Lukas Stutz, geplante und realisierte Bau. Er trägt den Namen der Spenderin. Denn die sieben Millionen Franken Baukosten wurden durch die von der 2003 verstorbenen Mäzenin gegründete Stiftung bezahlt.

Tageslicht in Untergeschossen

Der vom Leonhardsgraben und vom Hauptgebäude der Musik-Akademie her zugängliche Hof befindet sich im Denkmalschutzgebiet. «Viele Möglichkeiten hatten wir für den Bibliotheksbau nicht», sagt Bibliotheksleiter Markus Erni im Gespräch mit der bz. Nur ein einstöckiger Bau war erlaubt, dafür wurde der Boden des Hofes auf einer Seite leicht abgesenkt. Der Hauptteil der Bibliothek befindet sich in den beiden Untergeschossen. Bücher brauchen bekanntlich kein Licht. Aber wie ist es mit den Menschen?

Das Resultat des von Lukas Stutz gestalteten Baus frappiert. Das Gebäude ist so konzipiert, dass die Arbeitsplätze im ersten Untergeschoss und ebenso die Gruppenarbeitsplätze im zweiten durch Oberlichtfenster grosszügig Tageslicht erhalten. Tageslicht fällt zudem über die Kaskadentreppen in die räumlich offenen Untergeschosse. Welcher mehrheitlich unter der Erde liegende Bau ist schon so lichtdurchflutet, wie die neue Bibliothek der Musik-Akademie?

Die Architektur des Baus orientiert sich in seiner wohltuenden Klarheit an der klassischen Moderne des Bauhauses. Einladend ist der Eingangsbereich mit den elektronischen Katalogen und der Ausleihe. Auch eine rein elektronische Ausleihe steht hier. «Die Zukunft der Bibliothek ist, dass auch Studenten sie 24 Stunden nutzen können», ist Markus Erni überzeugt.

Im vorderen Teil hat zudem die Musikbox ein Zuhause erhalten und soll mithelfen, die Schwelle zum Betreten auch für die interessierte Öffentlichkeit möglichst niedrig zu halten. Die Musikbox ist eine von ihrer Leiterin Lis Arbenz aufgebaute Musik-Handbibliothek für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie gehört zur Musikschule und ist eine Präsenzbibliothek. Da findet man alles - von Kinderbüchern mit oder ohne CD über Musik und Musikinstrumenten bis zu den Unterrichtshilfen für Musiklehrer. Es gibt eine Abteilung für Volksmusiken unterschiedlicher Kulturen. Eine CD-Reihe mit dem Blick auf das einzelne Instrument und eine der Schweizer Musikszene - Neue Musik, Klassik Jazz - gewidmete Sammlung.

Geschickte Raumaufteilung

Im Erdgeschoss ist die Referenz-Bibliothek mit Zeitschriften, Lexika, Nachschlagewerken und Gesamtausgaben von Händel über Gluck, Mozart bis Schönberg und vielen anderen untergebracht, die Denkmälerausgaben auch jene der Schola Cantorum Basiliensis. Deren Bibliothek ist mit der Hochschule und der Musikschule zusammengeführt worden. Die Grenzen zwischen den beiden Hochschulen und Musikschulen sind auch fliessend.

In den beiden Untergeschossen ist der Freihandbereich mit all den Partituren und anderen oft genutzten Beständen - alles übersichtlich in ebenso funktionalen wie ästhetisch ansprechenden Metallgestellen eingeordnet. Im ersten Untergeschoss sind die Bestände zur historisch informierten Aufführungspraxis im Lohr-Wenzinger-Studio untergebracht. Dieses ist zugleich Unterrichtsraum vor allem der Schola. «Auch in der Schola war die alte Bibliothek schon immer zugleich Unterrichtsraum. Das geschah damals auf Wunsch von Paul Sacher, der im Unterricht die Quellen greifbar haben wollte», erzählt Erni.

Das Kopierzentrum - das in der alten Bibliothek noch beim Eingang eingepfercht war - ist nun ein eigener grosszügiger Raum im ersten Untergeschoss. Im selben Stockwerk ist das Audiozentrum mit den Tonträgerbeständen untergebracht. Es enthält neben Audio- und DVD-Stationen ein elektronisches Notationssystem und einen Computer mit direktem Zugriff auf die Nationalphonotek. Das Tonarchiv der Schweiz, das das gesamte klingende Kulturgut des Landes sammelt, «zum Beispiel Hermann Scherchens hochspannenden Beethoven-Aufnahmen mit dem Orchestra della Radiotelevisione della Svizzera Italiana» (Erni) hat in Lugano sein nicht zentral gelegenes Zuhause.

Das zweite Untergeschoss beherbergt einmal die in einer platzsparenden Rollschrankanlage platzierten, wenig genutzten Bestände. Hier liegt auch die von Martina Wohlthat, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bibliothek, aufgebaute Schatzkammer mit den Kostbarkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts, mit Erstdrucken, Erstausgaben, Widmungsexemplaren et cetera. Und bis hinunter in die Schatzkammer dringt das Licht der Sonne. Ein Schmuckstück ist die Vera Oeri Bibliothek.

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