Inkwilersee

Ein leichter Wickel für die Problemzone

Kofferung: Das Schaumglas wurde in ein Geogitter und dann in ein Vlies eingewickelt. (com)

Inwilersee

Kofferung: Das Schaumglas wurde in ein Geogitter und dann in ein Vlies eingewickelt. (com)

Viele Jahre war der Wanderweg rund um den Inkwilersee kaum begehbar. Das hat nun ein Ende: Der Weg ist mit einer speziellen Methode saniert worden.

Marisa Cordeiro

Es ist ein Nachmittag des Altweibersommers, wie er in einem Bilderbuch stehen könnte: Die Sonne flutet die Landschaft und hüllt sie in einen goldgelben Schimmer, während der Inkwilersee in den warmen Strahlen glitzert. Seit Wochen hat es nicht mehr richtig geregnet. Wem dies bewusst ist, dem fällt auf, wie weich, nicht aber feucht der Boden entlang dem Inkwilersee ist.

Diese Beobachtung weist zugleich auf eines der Probleme dieses Binnengewässers hin: Die Ufer sind total verwässert, der Boden weich wie Moor. Den Grund dafür kann Sepp Durrer, Geschäftsinhaber der gleichnamigen Gartenbaufirma, nur vermuten: «Vor einigen Jahren wurde der Wasserspiegel vorübergehend um etwa 20 Zentimeter angehoben und wieder abgelassen. Es ist möglich, dass sich damit der Uferboden etwas abgesenkt hat.» Jahrelang war der Wanderweg deshalb sumpfig und an manchen Stellen sogar fast im See versunken. Das hat nun aber ein Ende: Der Weg wird jetzt saniert.

Wetterglück: Segen und Fluch

An diesem Nachmittag sind weit und breit keine Spaziergänger in Sicht. Es wäre auch kein angenehmer Fussmarsch. Die ganze Umgebung ist eine einzige Baustelle. Wie bei einem Erdbeben schüttelt der Untergrund, während sich die Schaufel des Baggers am Schilf zu schaffen macht. Bereits vergangene Woche hat die heimische Gartenbaufirma Durrer die Arbeiten aufgenommen. «Für mich ist die Landschaft hier eine willkommene Abwechslung zur Arbeit in der Siedlung», sagt Vorarbeiter Fredy Röthlisberger. Hinzu komme das prächtige Wetter. «So müssen wir nicht pampeln, und können stattdessen richtig arbeiten.» Also schon fast ein Vergnügen? Röthlisberger winkt ab. «Im Gegenteil. Das Wetter setzt uns unter Druck. Würde es regnen, könnten wir nicht arbeiten.»

Zwar nicht gefährlich, aber eindrücklich sei es gewesen, als der Bagger beim Ausreissen der Weiden plötzlich ins Seeufer absank, erzählt er weiter. Alles im Umkreis von 20 Metern habe sich bewegt. «Es hätte problemlos zu Komplikationen kommen können.» Durrer fügt an: «Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Vor Jahren rutschte ein Bagger richtig ab und musste mit Hebekranen wieder herausgehoben werden.» Röthlisberger schätzt, dass 40 Zentimeter unterhalb der Oberfläche bereits Torf liegt. Damit der Weg künftig nicht mehr absinkt, muss für die Sanierung leichtes Material verwendet werden: Ideal dafür eignet sich recyceltes Glas.

Das Wurst-Prinzip

Gebrannt, in Platten gegossen und zerstückelt entstehen aus dem Glas graue, poröse Brocken und damit ein spezielles Material. Wegen seiner Leichtigkeit wird es zwar in Moorgebieten als Kofferung eingesetzt. Hauptsächlich aber ist es ein Wärmedämmer, der vor allem beim Wohnungsbau als Isolation verwendet wird. Ein Kubikmeter dieses Schaumglases ist 200 Kilo leicht und viermal so teuer wie Kies. Insgesamt wurden 230 Meter des Wegs damit saniert. Die übrigen 90 Meter erhielten eine gewöhnliche Kieskofferung.

Zunächst wurde der Weg etwa 40 Zentimeter tief ausgehoben und die Sohle planiert. «Dann folgt die Kofferung nach dem Wurst-Prinzip», sagt Vorarbeiter Röthlisberger. Dabei wird das Schaumglas zunächst in ein Geogitter, dann in ein Vlies gewickelt. Das mache die Kofferung stabil und dichte zugleich die Tragschicht ab. Insgesamt 160 Kubikmeter Schaumglas wurden benötigt. Das Knirschen, das man beim Darübergehen jetzt noch hört, sollte nach getaner Arbeit verstummt sein.

Günstiger als geplant

Mitte dieser Woche konnten die Arbeiten am Weg beendet werden. Nur die südlich gelegene Brücke fehle noch, sagt Durrer. Sie wird nächste Woche behindertengerecht, auf 1,5 Meter verbreitert. «Dank Wetterglück konnten wir speditiv arbeiten.» Er schätzt, dass die Sanierung rund 60 000 Franken kostet. Er sei sehr zufrieden mit der Arbeit. Passanten hätten schon viel Lob dafür gefunden. Für ihn persönlich sei die Arbeit am Inkwilersee «sehr spannend und eine tolle Erfahrung» gewesen, nicht zuletzt deshalb, weil er gerne in der freien Natur arbeite.

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