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Ein Leben lang im Schulhaus

Der Boniswiler Schulhauswart Harry Wild geht nach 36 Dienstjahren in Pension.

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Ein Leben lang im Schulhaus

Ein Leben lang im Schulhaus

Er war zwei Jahre alt, als seine Familie 1947 in die Wohnung im Dachgeschoss des Boniswiler Schulhauses einzog. Für Harry Wild begann eine lange Schulzeit.. .

Helen Schatzmann

Harry Wild ist überall dort anzutreffen, wo es um Sauberkeit, technische Probleme und Organisation geht und dies sowohl beruflich als auch privat.

Saubermann und Beichtvater, Sicherheitsverantwortlicher und Manager, Psychologe, Polizist, Vermittler und Organisator. Sein Arbeitsumfeld ist breit gefächert. Multifunktionalität ist mehr denn je gefragt.

Der Allrounder arbeitet seit nun mehr als 36 Jahren im Schulhaus, wo täglich rund 100 Kinder ein und aus gehen, die Turnhallen jede Abendstunde und an vielen Wochenenden von Vereinen aktiv genutzt werden. Die Schulanlage verfügt über einen Basket- sowie einen Fussballplatz und man geniesst einen wundervollen Blick auf den Hallwilersee.

Andere Zeiten, andere Sitten

Es hat sich viel verändert mit den Jahren. Nicht nur was die Verbesserungen der Infrastruktur anbetreffe. Verändert habe sich auch das Schulsystem mit neuen Lernformen und Blockzeiten.

Ein schwieriges Kapitel seien zunehmend die Eltern. «Ich muss dauernd den Spagat machen», lächelt der ehemalige Präsident des Turnvereins. «Einige wollen, dass wir streng sind, andere dulden keine Einmischung.»

Tatsache sei, dass Littering, Vandalismus, Respektlosigkeit und mangelnde Disziplin zu genommen haben. Diese Problematik macht Harry Wild den «Schulaustritt» etwas leichter.

Wellness im Winter

Er ist und war gerne Schulhauswart, obwohl die Arbeitstage lang und die baulichen Gegebenheiten im kleinen, historischen Schulhaus wunderschön, aber nicht wirklich optimal zu pflegen sind.

Die vielen Treppen bis hinauf zum Glockenturm – und jetzt leuchten seine Augen – erfordern Fitness und Organisationstalent zugleich. Im ehemaligen, zu einer Wohnung umgebauten Estrich gleich unterhalb des Glockenturms erlebte er zusammen mit drei Geschwistern eine unbeschwerte Kindheit.

Als er zwei Jahre alt war, übernahm seine Mutter die Stelle der Schulhauswartin im Nebenamt. Das war 1947. «Ein
Badezimmer hatten wir nicht. Aber in der alten Turnhalle, dem heutigen Saalbau, gab es zwei Bäder», erinnert sich Wild.

Im Winter wurden zweimal pro Woche Badetage für die Einwohner von Boniswil durchgeführt. In einer grossen Agenda trug seine Mutter die Anmeldungen der Besucher ein. Im Halbstundentakt wurde dann eingefeuert und gebadet.

Viele Handgriffe, die ein Schulhauswart beherrschen muss, lernte der damalige Primarschüler Harry von klein auf. Bis zum Umbau Ende der 70er-Jahre betreute auch er noch Badegäste in der alten Turnhalle.

Bei 324 Todesfällen geläutet

Auch bei diversen Reinigungsarbeiten hatten Harry und seine Geschwister während der Ferien mitzuhelfen. Schon bald war er vertraut mit dem Glockenspiel im Turm. Da gab es Fledermäuse und es war abenteuerlich. Für Trauerzüge und in den Neujahrsnächten musste man länger läuten als sonst.

Bevor in den 80er-Jahren ein Funkuhrwerk eingebaut wurde, bediente der gelernte Postbeamte viele Jahre das Glockengeläute manuell. 324-mal bei Todesfällen, an Dutzenden Dorffesten und Jahreswechseln.

Auch Harry Wild lebte nach Amtsantritt 1974 mit seiner Familie in der inzwischen renovierten Schulhauswohnung. Seine Frau Margrit half tatkräftig mit. Die kleinen Dachfenster spendeten eher wenig Licht, aber umso prächtiger war die Aussicht auf der Turmterrasse. Mit Freude und grossem Engagement wirkte er als Feuerwehrhauptmann, Präsident und Aktivmitglied im Turnverein und bei den Schützen mit.

Viel Talent bewies Harry Wild bei unzähligen Kreationen von Vereinlogos und Jubiläumsschriften. Die Kalligrafie war und bleibt seine grosse Leidenschaft. Viele Gedichte des Mundartdichters Friedrich Walti verzierte, kalligrafierte und rezitiert er auswendig mit viel Gefühl und Ausdruck.

Langweilig wird es ihm nicht nach seiner Pensionierung. Endlich kommt die Zeit, um all die Anekdoten seines spannenden Lebens in der Schule aufschreiben und illustrieren zu können. Ein Stück Kulturgeschichte von Boniswil.

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